Schleswig-Holstein

Land schließt umstrittene Mädchenheime

Zwei Heime der Jugenhilfeeinrichtung  "Friesenhof" wurden nun geschlossen

Zwei Heime der Jugenhilfeeinrichtung "Friesenhof" wurden nun geschlossen

Foto: Carsten Rehder

Nach Misshandlungsvorwürfen verlieren zwei Heime der Jugendhilfe Friesenhof die Betriebserlaubnis. Auch Leiterin zu Vorwürfen befragt.

HAMBURg/Kiel. Am Ende ging es noch schneller als erwartet: Zwei Heime der umstrittenen Jugendhilfe Friesenhof sind am Mittwoch geschlossen worden. Das Landesjugendamt Schleswig-Holstein hat die Betriebserlaubnis für die Häuser „Campina“ und „Nanna“ im Kreis Dithmarschen widerrufen, nachdem bei unangekündigten Kon­trollen Missstände festgestellt wurden. Zehn Jugendliche sollten noch am Mittwochabend in andere Einrichtungen umziehen.

Zuvor war am Mittag die Leiterin der Einrichtung, Barbara Janssen , von Beamten des Sozialministeriums angehört worden. Janssen hatte das „fehlende qualifizierte Personal“ mit der gleichzeitigen Krankschreibung vieler Betreuer erklärt , die auch durch die öffentliche Kritik an Friesenhof schwer getroffen worden seien. Dass zu wenige fachkundige Betreuer im Jugendheim „Campina“ angetroffen wurden, gab das Landesjugendamt als Hauptgrund für die Schließung an. Darüber hinaus habe es pädagogische Verstöße, offenbar etwa die gewaltsame Fixierung von Bewohnern auf dem Boden, in den Friesenhof-Heimen gegeben. Die Einrichtung soll somit wiederholt gegen Auflagen verstoßen haben.

Beschwerden bereits im Jahr 2014

Die Fraktion der Linkspartei in der Hamburgischen Bürgerschaft, die Vorwürfe gegen Friesenhof öffentlich machte, will die politische Aufarbeitung mit einer erneuten Kleinen Anfrage an den Senat vorantreiben. Wie die Fraktionsvorsitzende Sabine Boeddinghaus dem Abendblatt sagte, hätten sich inzwischen mehrere ehemalige Bewohnerinnen an die Fraktion gewandt und „alle im Raum stehenden Vorwürfe gegen Friesenhof“ bestätigt.

Demnach hätten sich die Mädchen und jungen Frauen wiederholt vor männlichen Betreuern ausziehen müssen, außerdem seien sie ohne Erlaubnis fotografiert und die Bilder etwa in sozialen Netzwerken veröffentlicht worden. „Die Mädchen sagen eindeutig, dass sie in den Einrichtungen die schlimmste Zeit ihres Lebens erfahren hätten“, sagte Boeddinghaus. Die Linke will nach der Schließung auch die Rolle der Hamburger Jugendämter herausarbeiten, die seit 2008 mehr als 70 Mädchen und junge Frauen in den Einrichtungen unterbrachten.

Bereits in der Vergangenheit habe es Beschwerden über die Einrichtungen gegeben, denen das Landesjugendamt auch nachgegangen sei, teilte das Sozialministerium mit. Beschwerden seien gehäuft in der zweiten Jahreshälfte 2014 eingegangen, diese hätten das jetzige Verfahren nach sich gezogen. Staatssekretärin Anette Langner sagte: „Die Frage, ob bereits in früheren Jahren oder Legislaturen hätte anders gehandelt werden können, ist grundsätzlich legitim. Uns ist wichtig, dass das Landesjugendamt jetzt konsequent im Sinne der Jugendlichen handelt“.

Die CDU beantragte unterdessen eine Sondersitzung des Sozialausschusses „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“. Sie muss innerhalb von acht Tagen stattfinden. Eine Abgeordnete hatte dem Sozialministerium Fehlinformation vorgeworfen.