Sommerspiele 2024

Sogar "NOlympia" erhielt einige Minuten Redezeit

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Björn Jensen

Faire Diskussion bei Präsentation der Olympia-Pläne. Hafenbetriebe kündigen Widerstand an, falls Sorgen nicht ernst genommen werden.

Hamburg.  Die 600 Sitzplätze waren restlos belegt, weitere 50 Gäste verfolgten die Diskussion im Stehen, der Rest musste am Eingang abgewiesen werden – die Idee der Ausrichtung von Olympischen Sommerspielen, sie interessiert und bewegt die Hamburger, so viel wurde am Dienstagabend wieder einmal deutlich. Die Stadt hatte in die Magnus Hall an der Amsinckstraße (Hammerbrook) geladen, um über den Stand der Planungen für die Bewerbung um die Spiele 2024/2028 zu informieren. Nach 150 Minuten standen zwei wichtige Dinge fest: Dass es noch viele offene Fragen gibt, aber dass Organisatoren, Befürworter und Kritiker bereit sind, konstruktiv nach konsensfähigen Antworten zu forschen.

Seit Ende April arbeiten die acht international renommierten Stadtplaner- und Architektenbüros KCAP (Masterplaner), Vogt AG (Landschaftsplaner), Arup (Engineering und Projektmanagement), Kunst + Herbert (lokales Projektmanagement), gmp (Masterplaner Sportstätten), WES GmbH (Landschaftsplaner), Drees & Sommer (Kostenermittlung) und Argus (Stadt- und Verkehrsplanung), an einem Masterplan für das rund 130 Hektar große Gelände auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook. Das Abendblatt hatte in der Montagausgabe detailliert über die vier Entwürfe, die Oberbaudirektor Jörn Walter am vergangenen Freitag Politik, Verwaltung und Verbänden intern präsentiert hatte, berichtet.

Sprecher von „NOlympia“ kommen zu Wort

Auf dem Grasbrook sollen im Sommer 2024 oder 2028 die wichtigsten Sportstätten für die Olympischen und Paralympischen Spiele stehen. Den Zuschlag für die Ausrichtung des größten Sportereignisses der Welt im Jahr 2024 hofft Hamburg, im Sommer 2017 in Perus Hauptstadt Lima zu erhalten.

Die Diskussion begann mit einer Überraschung, als Marie Behr von der Initiative „NOlympia“, die mit wenigen Unterstützern vor der Magnus Hall protestierte, einige Minuten Redezeit erhielt, um ihre Ablehnung der olympischen Pläne mit Argumenten zu untermauern. Größeres Interesse hatten die meisten Besucher allerdings an den Bebauungsplänen, die Kees Christiaanse (KCAP) und Nikolaus Goetze (gmp) in launigen 30 Minuten präsentierten. Besonders Christiaanse könnte mit seinem charmanten niederländischen Akzent wahrscheinlich auch massive Steuererhöhungen so ankündigen, dass sich alle ohne Murren darauf einlassen würden.

In der anschließenden Diskussion wurden die Probleme deutlich, die die Menschen vor allem in den Stadtteilen Wilhelmsburg und Veddel bewegen, aber auch die von der nötigen Umsiedlung betroffenen Betriebe der Hafenwirtschaft. Vertreter dieser Betriebe mahnten die Stadt, ihre Sorgen ernst zu nehmen, drohten im Fall einer Missachtung mit Widerstand. Hartmut Sauer, Vorsitzender des Vereins „Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg“: „Wir sind skeptisch, weil wir befürchten, dass der Verkehrsdruck auf die Insel zunehmen wird. Außerdem wird die Hafenwirtschaft weitere Ausweichflächen brauchen, von denen es nicht ausreichend gibt, weil wir vor allem Wohnungsbau in großem Stil benötigen.“

Olympiakonzept bis Ende Oktober

Hervorzuheben war der sachliche und faire Umgang der Diskutierenden untereinander, der sich wohltuend abhob von dem, was man auf vergleichbaren Veranstaltungen in Boston erleben kann. In der US-Bewerberstadt, die neben Paris und Rom mit Hamburg konkurriert, ähneln Bürgerforen eher Tribunalen. In Hamburg wurde am Dienstagabend leidenschaftlich, vor allem seitens Oberbaudirektor Walter, aber immer fair für die eigenen Anschauungen gestritten. (Ver-)Störend waren lediglich die Wortmeldungen von Heike Sudmann (Linke), die die Öffentlichkeit für das Ausbreiten ihrer politischen Ansichten nutzte und damit Bürgern die Chance nahm, ihre Fragen und Anregungen loszuwerden.

Bis Ende Oktober soll ein alle 30 bis 35 Sportstätten umfassendes Olympiakonzept vorliegen, auch die Kosten für die Ausrichtung der Spiele sollen bis dahin weitgehend errechnet sein, damit die Hamburger bei dem für 29. November geplanten Referendum auf Grundlage aller notwendigen Fakten für eine Bewerbung ihrer Stadt – oder auch dagegen – stimmen können. Die Absicht zur Kandidatur muss dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bereits im September erklärt werden, bis zum 8. Januar müssen alle Kandidaten die Bewerbungsunterlagen, ein rund 80 Seiten starkes „Mini-Bid-Book“ einreichen. Die vielen Anregungen, die es am Dienstagabend vonseiten der interessierten Zuhörer gab, dürften darin Niederschlag finden.

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