Hamburg

Nur für Männer! Unternehmen entwickelt veganes Duschgel

Stehen hinter der Brooklyn Soap Company: Viktor Dik, Jonas Hillebrecht und Felix Ermer

Stehen hinter der Brooklyn Soap Company: Viktor Dik, Jonas Hillebrecht und Felix Ermer

Foto: Michael Rauhe

Drei Jungunternehmer verkaufen Pflegeprodukte ohne tierische Inhaltsstoffe. Geschäftseröffnung am Montag am Ballindamm.

Hamburg. Sie tüftelten in einer Wohnung in der Gertigstraße an neuen Shampoos, Duschgels oder Bartseife. Der Betriebswirt Felix Ermer, der Wirtschaftswissenschaftler Viktor Dik und der Wirtschaftsingenieur Jonas Hillebrecht wollten Pflegeprodukte für Männer entwickeln. Ein Shampoo und Duschgel waren im vergangenen Jahr bereits marktreif und wurden unter anderem über Handelsunternehmen und dem firmeneigenen Internetshop mit dem Namen Brooklyn Soap Company verkauft. Doch das reichte den drei Gründern nicht, sie wollten ganze Serien für die Männerpflege entwickeln.

Die Wohnung reichte angesichts der großen Pläne des Trios nicht mehr. Die Gründer hatten Glück, sie fanden ein Ladenbüro in der Schanze. Auch das reichte nicht aus, nach einem knappen Jahr waren sie wieder auf der Suche nach einem geeigneten Laden.

Jetzt gelang es dem Trio, an der renommierten Hamburger Adresse Ballindamm ein Zuhause zu finden. Am heutigen Montag eröffnen sie dort ihr erstes eigenes Geschäft. Für die Gründer lief es prima. Nach einem Artikel im Abendblatt 2014 über das Start-up gelang es den Jungunternehmern, zwei Hamburger Investoren zu finden. Den niedrigen sechsstelligen Betrag, der in ihre Kasse floss, investierten sie in Innovationen. Inzwischen besteht ihr Portfolio aus acht Pflegeprodukten für Männer, darunter auch Pomade oder Bartöl.

Die Idee für dieses etwas andere Unternehmen kam aus New York

Alle Produkte des Unternehmens sind vegan, kommen also ohne tierische Inhaltsstoffe aus. Das hat seinen Preis: Ein Deodorant kostet 17,90 Euro, dafür soll es laut Dik den doppelten Inhalt eines üblichen Deos haben.

Die Gründer arbeiten selbst im Laden und können zudem bereits vier Vollzeitmitarbeiter beschäftigen. Shampoos und andere Pflegemittel gibt es massenweise auf dem Markt. Doch die meisten davon enthalten chemische Substanzen, die etwa für Allergiker unangenehm sein können.

Die drei Jungunternehmer kommen aus einem kleinen Dorf bei Dithmarschen, machten ihr Abitur und verloren sich während der verschiedenen Studiengänge und -orte aus den Augen. Nach der Uni haben sie sich in Hamburg wiedergefunden. „Die Idee für Männerpflege ist Viktor und mir in New York gekommen, als wir dort ein Praktikum bei Bertelsmann absolvierten“, sagt Ermer. „Auf einem Flohmarkt in Brooklyn lernten wir ein australisches Ehepaar kennen, das Naturprodukte herstellte und verkaufte.“

Die beiden testeten die Erzeugnisse der Australier und waren begeistert. Der Name ihres Unternehmens stand schnell fest: The Brooklyn Soap Company als Hommage an den New Yorker Stadtteil. Zurück in Deutschland gründeten die drei Mitte 2013 ihre Firma. „Zuvor haben wir Apotheken und Reformhäuser durchkämmt und danach festgestellt, dass es nur wenige natürliche Produkte speziell für die Männerpflege gibt“, sagt Ermer. Im Februar 2014 hatten die Gründer 1100 Flaschen mit Produkten des Unternehmens verkauft. Inzwischen sind es rund 30.000. Sie können bereits seit sechs Monaten von ihrem Unternehmen leben, auch wenn der Verdienst noch gering ist.

Am besten läuft das Beard Bag

Während 2014 die Produkte noch von einer Apotheke in Braunschweig hergestellt wurden, haben sie jetzt wegen der steigenden Mengen einen Kosmetikproduzenten aus Aachen mit der Produktion beauftragt. Verziert sind sämtliche Fläschchen mit einem Siegel und einem Anhänger. Das erledigt die Stiftung Mensch aus Brunsbüttel für das Trio. Die Stiftung verschafft Schwerstbehinderten Arbeit und damit auch Selbstbewusstsein.

Am besten läuft derzeit das Beard Bag, das ist ein Beutel mit Kamm, Bartseife und Öl. 120 Geschäfte in Deutschland und Europa führen die Produkte der Jungunternehmer bereits. Per Internet bestellen bereits rund 3000 Männer die Produkte. „Über das Internet verkaufen wir unsere Erzeugnisse sogar nach Taiwan, in ganz Europa und in die USA“, sagt Hillebrecht. „Wir haben Glück, dass Brooklyn weltweit ein bekannter Name ist.“ Distributeure in der Schweiz, Taiwan, Norwegen, Schweden und demnächst für Singapur arbeiten bereits für die drei.

Zu Weihnachten soll auch ein Parfüm für Männer auf den Markt kommen. „Wir arbeiten in Paris mit dem Parfümeur Mark Buxton zusammen, der ursprünglich auch aus Hamburg stammt“, sagt Dik. Zudem haben die Pflegespezialisten eine Rasurlinie, das heißt ein veganes Rasiergel und Aftershave. „Damit wollen wir nicht nur, wie bisher, Männer mit Vollbart erreichen, sondern auch das Thema Rasur mit der Brooklyn-Soap-Philosophie verbinden“, sagt Dik. Inzwischen sind auch zwei Drogerieketten auf die Unternehmer aufmerksam geworden. Namen wollen die umtriebigen Jungunternehmer aber noch nicht verraten.