Welthafenkonferenz

HPA-Chef: „Hamburg ist bereit für die Riesenschiffe“

Gastgeber für rund 700 Hafenchefs aus aller Welt: HPA-Chef Jens Meier freut sich auf die maritime Konferenz, die Montag in der Hansestadt beginnt

Gastgeber für rund 700 Hafenchefs aus aller Welt: HPA-Chef Jens Meier freut sich auf die maritime Konferenz, die Montag in der Hansestadt beginnt

Foto: Valeria Witters / WITTERS

Ab Montag ist Hamburg Gastgeber der Welthafenkonferenz. Im Abendblatt spricht der HPA-Chef über maritime Wirtschaft und Riesenschiffe.

Hamburg. Der Hamburger Hafen ist von heute an für eine Woche im Ausnahmezustand: Hafenchefs aus aller Welt, Reeder, Politiker und Manager von maritimen Betrieben kommen in der Hansestadt zur Welthafenkonferenz (IAPH) zusammen. Alle zwei Jahre findet sie statt, immer woanders. Vor 30 Jahren hat die IAPH das letzte Mal in Hamburg getagt. Gastgeber ist die Hamburg Port Authority. Geschäftsführer Jens Meier erläutert im Gespräch mit dem Abendblatt, worüber die Teilnehmer beraten, und warum es so wichtig ist, dass diese Konferenz nach Hamburg kommt.

Hamburger Abendblatt: Herr Meier, rund 700 Hafenexperten treffen sich in dieser Woche auf der Welthafenkonferenz IAPH in Hamburg. Warum ist diese Konferenz so bedeutend?

Jens Meier: Weil Vertreter und Entscheider der maritimen Wirtschaft aus aller Welt zusammenkommen, um über die aktuellen und kommenden Herausforderungen zu diskutieren. Wir leben zwar mittlerweile alle in einer global vernetzten Welt, aber der direkte Austausch über globale Entwicklungen und Trends ist nach wie vor enorm wichtig.

Was sind die wichtigsten Themen der Häfen, die besprochen werden?

Meier: Die internationale maritime Wirtschaft steht heute und in Zukunft vor großen Herausforderungen. Als Beispiel ist hier die Entwicklung der Schiffsgrößen zu nennen. Wie kann ich als Hafenbetreiber meine Prozesse optimieren, um auch zukünftig reibungslos Schiffe abzufertigen, die 19.000 Standardcontainer und mehr tragen? Auch der Ausbau der Versorgung durch regenerative Energien ist noch nicht vollständig gelöst. Für alle diese Fragen ist der Austausch untereinander wichtig, und hier können alle Beteiligten durch ihre Erfahrungen voneinander profitieren. Der letzte Konferenztag widmet sich den Themen Kreuzfahrt, Hafenrecht und Luftreinheit in Häfen. Beim Thema Hafenrecht geht es darum, wie angemessen Versicherungspolicen im Falle von Unfällen in Häfen heute noch sind. Sind Schiffsladungen heute noch ausreichend versichert? Wer haftet im Falle von Sach- oder Personenschäden in Häfen?

Am Mittwoch ist bei der Welthafenkonferenz Smartport-Tag

Welches der Themen interessiert Sie aus Hamburger Sicht besonders?

Meier: Für mich ist insbesondere der Mittwoch interessant. Das ist der Smartport-Tag. Da werden wir viel über die Häfen der Zukunft diskutieren und wie globale Warenströme mithilfe von smarten Technologien zukünftig noch besser gesteuert und transportiert werden können.

Warum ist es so wichtig, dass diese Konferenz in Hamburg stattfindet? Die Bevölkerung hat doch eigentlich davon gar nichts …

Meier: Das stimmt so nicht. Als Hafen mitten in der Stadt wollen wir ihn auch für seine Bewohner und Besucher erlebbarer machen. Auch darum geht es bei der Konferenz. Das Motto der IAPH ist „Calling at the smartPORT“. Damit wollen wir noch einmal verdeutlichen, dass wir durch innovative Ansätze unsere internationale Bedeutung und das Vertrauen der internationalen Geschäftspartner in den Hamburger Hafen ausbauen möchten. Für uns ist dies eine einmalige Chance, den Experten aus aller Welt zu zeigen, dass Hamburg bereit ist für die ganz großen Schiffe. Und natürlich bietet es auch hiesigen Unternehmen die einmalige Gelegenheit, ihre Lösungen „made in Hamburg“ zu präsentieren.

Mit welchen Themen kann sich Hamburg bei den Hafenchefs aus aller Welt denn wirklich empfehlen?

Meier: Hamburg wagt für die Gäste einen Blick in die Zukunft. Die Verkehre und auch der Umschlag werden in den nächsten Jahren weiter wachsen. Wir können und wir wollen aber nicht unsere Infrastruktur unbegrenzt ausbauen. Also wird es in Zukunft darauf ankommen, die vorhandenen Straßen-, Schienen- und Wasserwege so intelligent und effizient wie möglich zu nutzen. Hierfür werden wir in den nächsten Jahren vor allem die digitale Infrastruktur noch weiter ausbauen. Infrastrukturmanagement und Verkehrsmanagement werden miteinander verwoben und Wartungsarbeiten optimiert. Auf der IAPH zeigen wir, wie das geht. Wir werden erstmals Projekte vorstellen, bei denen Informationstechnologien wie Bluetooth, Cloud Computing, WLAN, mobile Endgeräte sowie das Internet den Gestaltungsspielraum in der zukünftigen intelligenten Hafenentwicklung bestimmen: Baustellen melden sich selbst im System der Verkehrsüberwachung an, Bahnweichen geben Alarm, wenn sie einer Wartung bedürfen. Lastwagenfahrer können auf ihrem Tablet die Verkehrslage in Echtzeit abrufen und werden von einer zentralen Steuerung bedarfsgerecht an die richtige Position im Hafen gelenkt. Im Umweltbereich kann Hamburg mit der Landstromanlage und der LNG-Power Barge punkten.

Welches Image genießt der Hamburger Hafen denn international überhaupt? Gibt es auch Kritikpunkte, die Sie von außerhalb hören?

Meier: Der Hamburger Hafen genießt international einen sehr guten Ruf. Nicht nur was den Einsatz von innovativen Technologien zur Prozess- und Verkehrsoptimierung angeht. Der Hamburger Hafen ist bekannt für sein hervorragendes Containerhandling und die kurzen Liegezeiten der Schiffe. Und wir verfügen mit dem größten Eisenbahnhafen über eine hervorragende Anbindung an das Hinterland. Natürlich gibt es auch Punkte, die wir insgesamt im Hafen optimieren müssen. Hier stehen wir in engem Dialog und konstruktiven Austausch mit der Hafenwirtschaft, und darauf setzen wir auch in Zukunft.

Was läuft denn aus Sicht der Hafenchefs nicht so gut?

Meier: Der Ausbau der Infrastruktur braucht Zeit. Fahrrinnenanpassung, zusätzliche Bahntrassen im Hinterland, der Weiterbau der Autobahn 26 sind nur einige von vielen Stichpunkten. Im Hafen selbst geht es darum die Abläufe insgesamt zu optimieren, um im internationalen Wettbewerb optimal aufgestellt zu sein.