Smartphone-App

Herne oder Hongkong – wo ist mein Computer?

Oliver Schirg

Oliver Schirg

Foto: Bertold Fabricius / HA

Neue Smartphone-App kann den Weg von Paketen in Echtzeit verfolgen. Theoretisch. In der Praxis gibt es schon mal chinesische Unwetter.

Ich gehöre zu jenen, die ausgiebig das Internet nutzen, zum Beispiel, um einen Computer zu kaufen. Fünf Tage nach der Bestellung erhielt ich eine E-Mail mit der Mitteilung, mein Computer sei auf dem Weg. Wenn ich wollte, könne ich diesen mithilfe einer Smartphone-Applikation nachvollziehen.

Rasch lud ich die App herunter, gab die Sendungsnummer ein und schon konnte ich lesen: „China. 21.05.2015. 6.14 Uhr - Auftrag verarbeitet“. Für 21.17 Uhr vermeldete die App in Shanghai einen „Abfahrts-Scan“ und 15 Minuten später einen Ankunfts-Scan. Faszinierend! Sollte ich live den Weg des Pakets zu mir verfolgen können?

In diesen kurzen Zeitabständen ging es zwar nicht weiter, aber immerhin erfuhr ich, dass mein Computer von Shanghai nach Incheon in Südkorea, von dort nach Taoyuan auf Taiwan und anschließend nach Hongkong flog. Am 26. Mai, 8.17 Uhr, berichtete mir mein Handy vom Ankunfts-Scan in Herne. Ich lehnte mich beruhigt zurück, zumal die App – grün unterlegt – die pünktliche Lieferung versprach.

Doch dann wurde aus dem Grün ein alarmierendes Orange: „Die Lieferung verzögert sich“, stand da. Obwohl mein Paket in Herne bereits den „Ankunfts-Scan“ hatte über sich ergehen lassen müssen, vermeldete die App mit Zeitstempel 18.16 Uhr aus Hongkong „Schlechte Wetterbedingungen haben die Zustellung verzögert.“

In meiner Not rief ich die Hotline des Paketdienstleisters an. Die Dame am anderen Ende der Telefonleitung bat mich um die 18-stellige Trackingnummer. Nach kurzer Pause bestätigte sie mir, was ich schon wusste. Es hatte in Hongkong ein Unwetter gegeben. Sie riet mir, auf meinem Handy regelmäßig den „Sendungsfortschritt“ zu checken.

Inzwischen wird mir auf grünem Untergrund wieder die pünktliche Lieferung versprochen. Doch ich traue dem Frieden nicht (mehr) und glaube eher, dass irgendwo auf dieser Welt Menschen in ein Computerprogramm Worte wie „Ankunfts-Scan“ oder „Abfahrts-Scan“ eintippen. Ihr Problem: Niemand hat ihnen von dem Unwetter über Hongkong erzählt.