GDL

Fahrgäste verärgert über erneuten Streik bei der Bahn

Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL, mit Streikenden während des vorangegangenen Ausstands der Lokführer

Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL, mit Streikenden während des vorangegangenen Ausstands der Lokführer

Foto: dpa

Unbefristeter Bahnstreik hat begonnen. Die Strecken nach Lübeck und Kiel werden nur im Stundentakt bedient. Hotelzug in Altona.

Hamburg/Frankfurt.  Bahnkunden müssen sich wieder auf Zugausfälle und volle Ersatzzüge einstellen. Trotz Vermittlungsversuchen bis zur letzten Minute haben die Lokführer am Dienstag bei der Deutschen Bahn ihre bereits neunte Streikrunde im laufenden Tarifkonflikt begonnen. Betroffen war am Dienstag zunächst nur der Güterverkehr, die Personenzüge werden seit 2 Uhr nachts bestreikt. Die Bahn hat einen Ersatzfahrplan eingerichtet.

„Wir werden versuchen, den Notfallplan in den kommenden Tagen aufrecht zu erhalten“, sagt Egbert Meyer-Lovis, Bahnsprecher für die Region am Mittwoch in Hamburg. Die Züge würden so fahren, wie im Internet abrufbar. Am Morgen hieß es von einer Bahn-Sprecherin: „Wir rechnen damit, dass im Norden 40 bis 50 Prozent der Züge fahren werden.“ Im Fernverkehr sind ein Drittel, im Nahverkehr zwei Drittel der Züge unterwegs. Die stark genutzten Regionalstrecken Hamburg-Kiel sowie Hamburg-Lübeck verkehren im Stundentakt.

Im Bahnhof Hamburg-Altona verbrachten 20 Reisende die Nacht in einem Hotelzug. „Diese Machtkämpfe bringen nichts und am Ende müssen nur die Fahrgäste leiden“, sagte Ingrid Anders aus Berlin. Die Rentnerin war auf dem Heimweg von einer Kreuzfahrt und wartete auf dem Hamburger Hauptbahnhof auf ihren Zug. Auch Hans-Gerhard Koch aus Mainz hielt nichts von der erneuten Streikrunde: „Irgendwann sollte man sich einigen, langsam reicht es“.

Im Netz darf sich die Deutsche Bahn und die GDL viel Spott und Hohn gefallen lassen. So wie in diesem Beitrag auf Facebook:

Das Ende des Arbeitskampfes hat die Gewerkschaft bewusst offen gelassen und will es erst 48 Stunden vorher bekanntgeben. Die Streikwelle soll nach Ankündigungen der GDL über Pfingsten laufen.

Mit einem neuen Ansatz haben Bahn und GDL bei einem Geheimtreffen in Frankfurt die rechtlichen Bedingungen einer möglichen Schlichtung ausgelotet. Über das Treffen wurde Vertraulichkeit vereinbart. Die Gespräche sollen aber „kurzfristig fortgesetzt“ werden. „Wie kommen wir in die Schlichtung? Welche Themen sind der Schlichtung zugänglich? Wir müssen die Diskussion um das Beschneiden von Grundrechten beenden, denn darum geht es nicht“, hatte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber im ARD-„Morgenmagazin“ mögliche Themen genannt. Die GDL wollte den Gesprächsfortgang nicht kommentieren.

Diese Rechte haben Sie als Bahnkunde beim Streik

Als unabhängige Instanz nahm der frühere Richter am Bundesarbeitsgericht, Klaus Bepler, teil. Als damaliger Vorsitzender des vierten BAG-Senats hat er die geänderte Rechtsprechung zur möglichen Tarifpluralität im Jahr 2010 entscheidend geprägt.

Wegen des Streiks hat die Deutsche Bahn wieder Ersatzfahrpläne aufgestellt. Für den Fernverkehr am Mittwoch und Donnerstag waren sie am Nachmittag in den Auskunftssystemen abrufbar. „Wir bedauern besonders, dass es ausgerechnet am Pfingstwochenende dazu kommt“, sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg in Berlin.

Wie bei den früheren Ausständen will die DB während des Streiks etwa ein Drittel der Fernzüge fahren. Wer mit dem Zug ins Ausland fahren möchte, hat etwas höhere Chancen, ohne Probleme dorthin zu kommen. Das gilt unter anderem für Eurocitys zum Beispiel nach Kopenhagen oder Zürich. Denn diese Züge werden von ausländischen Lokführern gefahren – und die streiken derzeit nicht. Auch nach Paris fahren Schnellzüge aus vielen deutschen Städten.

Hier kommen Sie zur Streik-Seite der Bahn

Hier finden Sie die Abfahrt- und Ankunftstafeln der Bahnhöfe

Bei den Regionalzügen erwartet die Bahn, dass je nach Region 15 bis 60 Prozent der üblichen Zahl unterwegs sein werden. Im Güterverkehr sollen etwa 70 Prozent der Züge rollen. In Hamburg werden die S-Bahn-Linien S1, S21, S3 und S31 nach Angaben der Bahn im 20-Minuten-Takt fahren. Die Linien S2 und S11 fallen dagegen komplett aus. Im Regionalverkehr fahren die Züge von Hamburg nach Lübeck und Kiel nur im Stundentakt. Die Strecken Flensburg-Neumünster, Kiel-Flensburg, Kiel-Husum und Kiel-Lübeck werden zweistündlich bedient. Im Fernverkehr soll auch in Hamburg jeder dritte Zug fahren. Auf der Strecke Hamburg-Berlin verkehren die Züge wiederum alle ein bis zwei Stunden.

Die Bahn empfiehlt allen Passagieren, sich vor Fahrtantritt im Internet über mögliche Zugverbindungen zu informieren. Der Ersatzfahrplan werde in die Bahn-App eingearbeitet oder ist bei www.bahn.de/liveauskunft abrufbar. Zudem können Zugauskünfte bei der kostenlosen Servicetelefonnummer 08000 996633 erfragt werden.

Bei einem streikbedingten Zugausfall oder einer Verspätung und Problemen mit Anschlusszügen können Bahnreisende vor Fahrtantritt von der Reise zurücktreten und sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen. Hierfür sollten sie sich an die DB-Reisezentren oder DB-Agenturen wenden, rät die Bahn. Auch Sitzplatzreservierungen werden erstattet. Wer ein Onlineticket zum Normalpreis gebucht hat, kann dieses über die Auftragssuche auf der Bahn-Webseite kostenlos umbuchen oder stornieren.

Auch wenn am Dienstag wenig auf eine Einigung hindeutete, hat GDL-Chef Claus Weselsky zu erkennen gegeben, dass die Gewerkschaft bei einer Schlichtung zu ihren Bedingungen den angekündigten Arbeitskampf innerhalb von zwölf bis 24 Stunden beenden könnte. Die inhaltlichen Fragen des Tarifkonflikts seien nicht unlösbar, sagte Weselsky im ARD-„Morgenmagazin“.

Man sei aber nicht bereit, in einer Schlichtung über die Frage der Tarifeinheit zu verhandeln: „Es ist schlussendlich unser Grundrecht, für unsere Mitglieder einen Tarifvertrag abzuschließen – und zwar egal, ob der abweicht von einem anderen Tarifvertrag oder nicht.“ Gleichzeitig griff der Gewerkschafter die Bahn erneut scharf an. „Wir sehen ein Management, das versucht, das auszusitzen; das uns hinhält“, sagte er. Die Bahn sei nicht einmal in der Lage gewesen, ein Schlichtungsabkommen mit der GDL zu verhandeln. Erst am 10. Mai war ein fast sechstägiger Ausstand im Personenverkehr zu Ende gegangen.

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Video: Hamburg 1