Hamburg

Neue Software soll Einbrüche vorhersagen

Ein Einbrecher hebelt ein Fenster auf (Symbolbild)

Ein Einbrecher hebelt ein Fenster auf (Symbolbild)

Foto: picture alliance

Programm „Precogs“ soll gegen reisende Banden helfen. Polizeipräsident und Innensenator reisen nach Chicago, um Erfahrung zu sammeln.

Hamburg. Die Programmierer sprechen von einer Revolution der Polizeiarbeit: Mit neuartiger Software sollen Verbrechen in Zukunft zielgenau vorhersagt werden. In Chicago, Zürich und München wird das „predictive policing“, die vorhersehende Polizeitechnologie, bereits zur Verhinderung von Einbrüchen erprobt. Nun prüft auch die Hamburger Polizei die Anschaffung eines digitalen Orakels.

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und Innensenator Michael Neumann (SPD) werden Ende Juni in die USA reisen, um sich vor Ort ein Bild von der Wirksamkeit der Software zu machen. Das predictive policing könnte insbesondere im Kampf gegen reisende Banden von Einbrechern von Interesse sein, sagte Meyer dem Abendblatt.

Die Programme analysieren selbstständig vergangene Häufungen und Merkmale von Taten in einem bestimmten Gebiet und die Bewegung von polizeibekannten Tätern. Daraus wird eine Prognose erstellt, in welchem Bereich sich mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Einbrüche ereignen werden. Die Analyse der Prognose, so die Hoffnung der Polizei, könnte sich als genauer erweisen als die individuelle Einschätzung der Ermittler. Die Beamten könnten daraufhin effizienter zur Verhinderung der Einbrüche eingesetzt werden.

Die Auswertung von bisherigen Testreihen in den USA und Niederlanden ergab, dass die Software „Precogs“ in etwa 85 Prozent der Fälle eine korrekte Prognose liefern konnte. Der Nutzen der Softwareangebote ist bislang aber nicht wissenschaftlich belegt. Polizeipräsident Meyer sagte, allgemeine Erfahrungen sammeln zu wollen. Die Hamburger Polizeiführung steht auch in Austausch mit der bayerischen Polizei, die „Precogs“ zunächst für eine einjährige Testphase in München bis Ende November anschaffte. Sollten die Ergebnisse positiv ausfallen, könnte das System laut Meyer schnell auch in Hamburg eingesetzt werden.

Bei seinem Besuch in Chicago wird der Polizeipräsident außerdem Einblicke in den Nutzen von sogenannten Body-Cams erhalten. Seit Februar dieses Jahres tragen 30 Polizisten in Chicago Kameras an der Uniform, welche die Dokumentation von Straftaten erleichtern sollen. Innensenator Neumann wird auch nach Boston reisen, um Gespräche zur Hamburger Olympia-Bewerbung für die Sommerspiele 2024 zu führen. (crh/dah)