Bücher

Aus dem Alltag einer Hamburger Schulsekretärin

Foto: Nico Helfrich

„Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck?“ – Der Hamburger Autor Maryanto Fischer schreibt skurrile Geschichten aus der Schule.

Hamburg.  „Die vorläufige Springbreak-Bilanz um Viertel nach Zwölf: ein Mädchen mit gebrochenem Bein, viele Mädchen mit viel zu engen, jetzt auch klatschnassen Tops, und 32 vermeintliche Alkoholleichen. Tendenz steigend. Während Melitta das Krisentelefon im Sekretariat übernimmt, helfe ich Hildebrandt-Fricke, das Chaos auf dem Schulhof weiter einzudämmen.“ Nur eine von zahlreichen Anekdoten aus dem Buch „Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck?“ von Maryanto Fischer. Verschiedene Geschichten werden aus einem völlig neuen Blickwinkel erzählt: aus dem einer Schulsekretärin.

„Das Sekretariat ist das Epizentrum der Schule. Es ist die Sammelstelle jeglicher Probleme und Treffpunkt von Lehrern, Schülern, der Schulleiterin und vielen weiteren Protagonisten.“, sagt Fischer über die Auswahl der Perspektive, „Ich habe zahlreiche Sekretärinnen, Schüler und Lehrer interviewt, die auch an Hamburger Schulen tätig sind“. So liege zum Beispiel der anfangs beschriebenen Szene ein Abistreich aus dem Jahr 2014 zugrunde, bei dem am Gymnasium Bondenwald in Niendorf 32 Schüler wegen Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus mussten.

Nach dem Erfolg von „Fack ju, Gö­the!“ und „Chill mal, Frau Freitag“ passt Maryanto Fischers Buch über den Schulalltag gut ins Programm des S. Fischer-Verlags. „Das Thema Schule begeistert halt alle. Jeder in Deutschland hat dazu eine Beziehung.“, sagt Maryanto Fischer.

Erzählt wird die Geschichte von Désirée Steinbeck, einer alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern. Sie gibt ihren Job als Assistentin der Geschäftsführung einer Werbeagentur auf und übernimmt die Stelle in einem Schulsekretariat, um sich öfter um ihre Kinder kümmern zu können. Dabei wird sie an ihrem ersten Tag von einem betrunkenen Abiturienten angespuckt und ist tagtäglich den Launen der despotischen Rektorin ausgesetzt.

Herausgekommen ist ein Buch, das sowohl unterhaltsam, als auch realitätsnah ist. „Alle erzählten Geschichten sind wahr“, sagt Maryanto Fischer. Dennoch sollte „Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck?“ keine Ansammlung von Kurzgeschichten werden. Deswegen seien die unterschiedlichen Geschichten in eine Rahmenhandlung eingebettet. „In diese fließen meine eigene Geschichte und die von Freunden mit ein. Ich habe einen Bezug zu den Personen, die im Buch vorkommen.“ sagt der 34-jährige Autor, der seit mittlerweile drei Jahren in Hamburg lebt und Leiter der Online-Redaktion von TV Movie ist.

Aus Hamburg kämen auch einige Anekdoten von einer Schule aus Farmsen. „,I’m sexy and I know it.‘ What ? Gerade sind zwei singende Dreikäsehochs an mir vorbei gelaufen. Unfassbar! Wie alt mögen die wohl sein. Sechs Jahre? Maximal acht.“

Gesellschaftskritisch sei sein Erstlingswerk nicht, es solle in erster Linie unterhalten, so der Autor. „Es ist eine breite Palette an Geschichten, die sehr abwechslungsreich und größtenteils witzig sind. Sie spielen in allen Schulformen“, sagt Fischer. Das Buch sei zudem eine Hommage an alle Schulsekretärinnen, die einen Knochenjob hätten und weitgehend schlecht bezahlt werden. Daher steht auch nicht Fischer als Autor auf dem Buch, sondern Frau Steinbeck. „Stellvertretend für alle Schulsekretärinnen“, wie er sagt.