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Undine Baum: Ehefrau und Mutter – das reicht ihr nicht

| Lesedauer: 5 Minuten
Camilla John
Sie fördert auch
die Hamburger
Symphoniker:
Undine Baum vor
der Laeiszhalle

Sie fördert auch die Hamburger Symphoniker: Undine Baum vor der Laeiszhalle

Foto: Jürgen Joost

In einer Serie stellen wir in lockerer Folge „Kraftspender“ vor. Heute: Undine Baum, Gattin von Pantaenius-Chef Harald Baum.

Neustadt. Eine Dame steht da, reckt das Gesicht mit Sonnebrille gen Himmel. Ihre Ungeduld ist spürbar. Dann senkt Undine Baum den Kopf, schaut um sich herum. Ihre halblangen mittelbraunen Haare sind perfekt frisiert, die knöchellange Hose, Ballerinas und Ohrringe einer Luxusmarke veredeln die Erscheinung. Am Unterarm baumelt mit dem Logo zum Körper eine Tasche, für die man auf eine Warteliste muss.

Einige Minuten schon hantiert der Fotograf, den sie seit vielen Jahren von Unmengen von Galas, Events, Konzerten und Abendveranstaltungen kennt, an seiner Fotoausrüstung herum. „Mensch, Kinder, jetzt machen wir das mal flott!“ hallt Baums Ruf, nun ja, undamenhaft, über den Platz vor der Laeiszhalle, wo das Gespräch stattfindet.

Undine Baum ist dem Dirigenten Jeffrey Tate „verfallen“. Sie ist Vorstandsmitglied beim Freundeskreis der hier beheimateten Hamburger Symphoniker. Ihr Zuständigkeitsbereich ist das Spendenranholen. „Ich kenne die ja alle, und bei mir sagen sie nicht so schnell nein“, erklärt Baum in der ihr eigenen rauen und dennoch charmanten Art.

„Die“, das ist Hamburgs feine Gesellschaft. Vor 17 Jahren hat Baum diese Arbeit aufgenommen und mit dem Vorstand, „alles Top-Leute“, die Einnahmen „von 2000 Mark auf 150 000 Euro hochgewuppt“. Vehement pocht sie darauf, hierbei nicht die erste Geige zu spielen.

Dabei zog es sie einst selbst auf die Bühne. Das Mädchen von der Nordseensel Juist „hatte schon immer eine große Liebe zum Ballett und Tanz“, sagt Baum, die im elterlichen Hotelbetrieb mit vier Geschwistern aufwuchs. Die „Vorletzte“ zog nach Fulda, machte dort eine Ausbildung zur Sport- und Gymnastiklehrerin. Doch dann machte sie eine schicksalhafte Begegnung. Auf der Elbe. In Hamburg. Auf einer Barkasse, 1972. „Meine Freundin hatte gesagt, es gebe da einen heißen Typen, ‘mit dem musst du mal ‘ne Scholle essen gehen’“, erzählt Baum, die damals noch einen anderen Nachnamen trug.

Sie lacht trocken. „Die Singledamen waren ganz erpicht darauf, von Harald Baum in seinem Boot mitgenommen zu werden“, sagt sie. Inzwischen ist er Chef des größten europäischen Yachtenversicherers „Pantaenius“ mit Sitz in der HafenCity. Damals, Anfang der Siebziger, war der charmante Junggeselle in Höchstform. Was der jungen Undine durchaus wgefiel. „Ein schnieker Kerl, dachte ich bei unserer Barkassenfahrt von Teufelsbrück nach Finkenwerder“, sagt Baum, die ihren „Fang“ wenige Monate später heiratete und den ersten Sohn, Daniel, bekam.

Doch nur Windeln wechseln, das ging gar nicht. Dafür ist Undine Baum nicht der Typ. Stattdessen setzte der Ehemann die lebhafte und aufgeschlossene Art der Ehefrau geschickt für die eigene Firma im Chilehaus ein. Die war „damals noch ganz klein. Es gab kaum Geld für ‘ne Telefonistin und Harald brachte etwa 300 Mark mit nach Hause.“ Man war weit entfernt von Markenhandtaschen und im Freundeskreis ging es selten um philosophische Erörterungen.

Die „glorreiche Idee“ sei gewesen, Yachten massenmäßig zu versichern. „Also stand ich, 25-jährige Sportlehrerin, auf der Messe und verteilte Infozettel“, erinnert sich Baum. „Und Harald lief herum und unterhielt sich“. Das Konzept ging auf. Auch weil die Baums das Geschäfts- und Gesellschaftsleben als Team regeln. Sie hütet genauso wenig still die Brut wie er allein Geschäfte macht. Beide machen alles, und jeder ist überall. Inzwischen arbeiten die Kinder Daniel, Martin und Anna im Familienunternehmen mit.

„Die Firma war unser Baby, es gab nie eine strikte Einteilung. Damals gab es keine Essenseinladungen in Hotels, die Kunden kamen mit zu uns nach Hause. Dort haben wir zusammen auf der Terrasse gegessen. Noch heute erzählen langjährige Partner und Freunde von den witzigen Abenden.“ Baum lacht. Eine Trennung von Beruf und Privatleben habe es nicht gegeben. „Bei den Vorstandssitzungen spielten die Kinder unter dem Tisch, waren immer dabei. Wir wollten das nie überkandidelt, hatten nicht so viel Geld.“

Geschichten wie diese sind relativ. Das Leben der Baums spielt im besten Blankenese, Elbblick und Haushälterin ebenso inklusive wie ausgedehnte Segeltörns als Familie in die Karibik oder Reisen entlang der amerikanischen Küste. „Das war etwas ganz Besonderes“, sagt Baum. Auch weil ihr Lebens- und Arbeitsprinzip ein anderes war: „Ich habe immer selbst gearbeitet, mit drei Kindern hatte ich mein Tanzstudio. Es war mir egal, ob es Harald in den Kram passte. Ich wollte nie nur die Frau an seiner Seite sein.“

Weil sie von Beginn an mehr war. Galt es größere Gesellschaften zu bewirten, räumte Tanzlehrerin Undine ihr Studio am Wohnhaus. Die Gäste tafelten an langen Tischen auf dem Tanzboden. „Wenn einer mehr kommt, rücken wir zusammen oder stellen noch einen Tisch dran“, sagt die Pragmatikerin. „Ich sehe das alles nicht so ernst. Standesdünkel habe ich nicht.“ Deshalb geht auch die Markenhandtasche.

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