Laeiszhalle

Jeffrey Tates Siebte Symphonie von Bruckner klingt sehr gut

Jeffrey Tate ist Chefdirigent der Hamburger Symphoniker

Jeffrey Tate ist Chefdirigent der Hamburger Symphoniker

Foto: Bertold Fabricius

Die Symphoniker glänzen mit ihrer Aufführung der Siebten Symphonie. Dabei scheint Tates Erfolgsrezept denkbar einfach.

Hamburg. Mit der Musik von Bruckner hatte man den Dirigenten Jeffrey Tate bislang nicht unbedingt in Verbindung gebracht. Das war ein schweres Versäumnis, wie sich beim achten Abonnementskonzert der Hamburger Symphoniker in der Laeiszhalle erwies. Im Prestigewettkampf der drei Hamburger Orchester um die Bruckner-Deutungshoheit legten die Symphoniker und ihr Chef nun eine – wenn man von einigen Wacklern der Trompeten absieht – sehr hörenswerte Siebte Symphonie vor.

Dabei scheint Tates Erfolgsrezept denkbar einfach. Er ließ sehr genau ausführen, was in der Partitur steht. Akribisch modellierte der Dirigent die an- und abschwellende Lautstärke jeder Phrase, jedes Bogens und jedes Formteils. Immer wieder dämpfte er mit einer Handbewegung die Dynamik, ließ die Symphoniker sich zurücknehmen und baute so über lange Strecken organisch jene Spannung auf, die sich dann in den Codas der Sätze fulminant entlud. Denn Tate verfügt über die Kunst (oder sollte man Weisheit sagen?), das Detail zu artikulieren und dabei das große Ganze von mehr als einer Stunde Musik immer im Blick zu behalten. Wo manche seiner Kollegen sich exaltieren, um das Orchester zur klanglichen Ekstase anzutreiben, bot der Brite ein Musterbeispiel kluger Ökonomie und erreichte gerade deshalb mehr.

So krönten Tate und die Symphoniker ein Konzert, das mit Bergs Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ bereits sehr eindrucksvoll begonnen hatte. Den Solo-Part übernahm dabei die erst 16-jährige Geigerin Lara Boschkor – und man musste sich schon ein wenig zusammennehmen, um die zierliche Erscheinung im cremeweißen Kleid nicht mit jenem Engel Manon Gropius zu assoziieren, dem Berg sein Konzert widmete. Schloss man die Augen, hörte man schlicht eine technisch und gestalterisch absolut souveräne Interpretin, die ein Werk meisterte, das tragischer, bedeutungsschwerer und musikalisch verwickelter kaum sein kann. Öffnete man die Augen, sah man eine ernste, hoch konzentrierte Künstlerin, die sich erst nach dem letzten Akkord, wenn sie die Geige absetzte, um den sehr herzlichen Applaus in Empfang zu nehmen, wieder in einen noch etwas schüchtern scheinenden Teenager verwandelte.