Hamburger Hafen

Der Streit um den Moldauhafen ist beigelegt

Klärte die Irritationen
im Gespräch
mit Bürgermeister
Olaf Scholz: Tschechiens
Botschafter
Tomáš Podivínský

Klärte die Irritationen im Gespräch mit Bürgermeister Olaf Scholz: Tschechiens Botschafter Tomáš Podivínský

Foto: Botschaft der Tschechischen Republik

Tschechen unterstützen nun Hamburgs Olympia-Bewerbung. Schiffsverkehr von Prag nach Hamburg soll wieder ausgebaut werden.

Hamburg.  Die Auseinandersetzung zwischen der Hansestadt und der Tschechischen Republik über Hamburgs Olympia-Pläne ist beigelegt. „Die vorgesehenen Bauten für die Olympischen Spiele werden das Hafengelände der Tschechischen Republik nicht belasten. Und auch die Brücken werden so hoch sein, dass der Zugang frei bleibt“, sagte der neue tschechische Honorarkonsul in Hamburg, Christian Ancker, anlässlich seiner Amtseinführung im Überseeclub. Zuvor hatte der tschechische Botschafter, Tomáš Podivínský, aus Berlin kommend, rund eine Stunde mit Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) im Rathaus gesprochen. Danach begutachtete der Botschafter das Gelände bei einer Hafenrundfahrt.

Wie berichtet, hatten die Pläne der Stadt, das Olympia-Stadion und weitere wesentliche Sportstätten im Hafen auf dem Kleinen Grasbrook zu bauen, für Irritationen bei den Tschechen gesorgt. Insbesondere Zeichnungen, denen zufolge eine Reihe von Brücken das Olympia-Gelände vom Nordufer der Elbe aus erschließen sollen, haben die Tschechen besorgt. Sie befürchteten, dass ihnen der seewärtige Zugang versperrt wird.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu den geplanten Sportstätten liegt nämlich der Moldauhafen, ein gegen Ende des 19. Jahrhunderts gebautes Hafenbecken, das die Tschechische Republik gepachtet hat. Die Nutzung des 30.000 Quadratmeter großen Geländes wurde 1929 einer Vereinbarung des Versailler Vertrags folgend der Tschechoslowakei zur Nutzung zur Verfügung gestellt, da die Elbe für das Binnenland die einzige schiffbare Verbindung zu den Weltmeeren ist. Wie wichtig der Moldauhafen für die Tschechen früher war, zeigt ein Bericht über die Vorkriegszeit. Demnach haben allein im Jahr 1937, aus der Tschechoslowakei kommend, 2010 Binnenschiffe im Hamburger Hafen festgemacht, 1437 Schiffe gingen ab.

Bis 2028 läuft der Pachtvertrag der Tschechen im Moldauhafen

1993 trat die Tschechische Republik die Rechtsnachfolge der Tschechoslowakei an und übernahm damit das Gelände. Nach der Insolvenz der Tschechoslowakischen Elbe-Schifffahrtsgesellschaft CSPL 2002 ging die Nutzung allerdings stark zurück. Zwar war das Gelände zuletzt ungenutzt, aber der Pachtvertrag läuft laut Versailler Vertrag noch bis zum Jahr 2028. Die Tschechen wollen das Areal nun reaktivieren, was sie durch die Olympia-Pläne bedroht sahen. „Uns wurde gesagt, die neuen Brücken werden nicht niedriger als die, die schon da sind. Also bleibt alles beim Alten“, sagte Honorarkonsul Ancker nach dem Treffen. Der tschechische Botschafter Podivínský zeigte sich zufrieden: „Wir unterstützen Hamburgs Bewerbung um die Olympischen Spiele voll und ganz. Deutschland ist nicht nur unser Nachbar, sondern unser wichtigster Handelspartner. Und die 25 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Prag und Hamburg sprechen für sich.“

Mit dem Botschafter war der Chef der tschechischen Wasserstraßendirektion, Lubomir Fojtu, aus Prag nach Hamburg gereist. Er bekräftigte, dass Tschechien den Moldauhafen als Stützpunkt für den Import und Export stärker nutzen will. „Wir investieren dort bereits.“ Eine tschechische Firma habe sich bereits angesiedelt, weitere deutsche und tschechische Firmen hätten bereits Interesse angemeldet.

Mittelfristig solle der Schiffsverkehr von Prag nach Hamburg wieder ausgebaut werden, sagte Fojtu: „insbesondere für den Export von Schwergutladung und Düngemitteln sowie den Import von Futtermitteln“.