Kinderbetreuung

Tausende Kitas im Norden wegen Streiks geschlossen

Mini-Plakate mit der Aufschrift "Richtig gut Aufwerten jetzt!" als Haarschmuck trägt eine Demonstrantin in der Innenstadt von Hannover (Niedersachsen)

Mini-Plakate mit der Aufschrift "Richtig gut Aufwerten jetzt!" als Haarschmuck trägt eine Demonstrantin in der Innenstadt von Hannover (Niedersachsen)

Foto: Holger Hollemann / dpa

Eltern von Tausenden Kindergartenkindern mussten am Donnerstag umplanen: Wegen des Warnstreiks der Erzeiher bleiben zahllose Einrichtungen geschlossen. Kundgebungen geplant.

Hannover/Kiel/Hamburg. Wegen eines Warnstreiks sind Donnerstag erneut viele Kitas in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg geschlossen. Die Gewerkschaften Verdi und GEW wollen so im Tarifkonflikt im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst den Druck auf die kommunalen Arbeitgeber erhöhen.

In Schleswig-Holstein und Hamburg beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben viele hundert Erzieherinnen an den Warnstreiks, mit denen die Gewerkschaften eine höhere Eingruppierung der bundesweit 240.000 Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst verlangen. Im nördlichsten Bundesland waren vor allem die Städte betroffen. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände forderte die Gewerkschaften auf, die Warnstreiks abzubrechen und in ernsthafte Verhandlungen einzusteigen.

Aus dem ganzen Norden wollen Beschäftigte mit Bussen nach Hannover fahren, um die Verhandlungen „aktiv zu begleiten“, wie die Landesleiterin von Verdi Nord, Karin Hesse, stellvertretend für die Streikenden aus Schleswig-Holstein sagte. „Gemeinsam mit Streikenden aus Niedersachsen und Bremen, Hamburg, Hessen, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen wir in Hannover zeigen, dass diese Tarifrunde am Scheideweg steht.“

In Kiel zogen etwa 400 Erzieherinnen durch die Innenstadt. Bei einer Kundgebung vor dem Sitz des Arbeitgeberverbandes machten sie lautstark ihrem Unmut Luft. „Die Verantwortung in unserem Beruf wächst ständig, aber die Bezahlung bleibt stehen - so geht das nicht“, sagte die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe. „Wir verdienen mehr“, riefen die Demonstranten.

Die Aufwertung der pädagogischen Arbeit mit Bildungsplänen, Sprachförderung, Kinderschutz, Inklusion und Integration von Flüchtlingskindern müsse sich auch in der Bezahlung niederschlagen, sagte Tepe. Mit mehreren Bussen fuhren Erzieherinnen aus dem Norden auch nach Hannover, um die dort stattfindenden Tarifverhandlungen zu begleiten. Sollte auch die vierte Runde ergebnislos bleiben, könnte es eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik geben.

Die Gewerkschaften betonten, das Einstiegsgehalt einer Erzieherin betrage nur 2366 Euro. Der Arbeitgeberverband rechnete dagegen vor, Erzieherinnen bekämen zwischen 2590 und 3750 Euro. Sie lägen damit oberhalb anderer Ausbildungsberufe des öffentlichen Dienstes wie Handwerker, Brandmeister bei der Feuerwehr oder staatlich geprüfte Techniker.

Seit Ostern hatten bundesweit Kita-Erzieherinnen wiederholt die Arbeit niedergelegt. Sollte auch die vierte Verhandlungsrunde ergebnislos bleiben, droht Verdi mit einer Urabstimmung über einen unbefristetem Streik. (dpa)