Projekt

Hamburger Stiftungen gründen Fonds für Flüchtlingshilfe

Fl chtlinge ziehen im Hamburger Binnenhafen auf das Wohnschiff „Transit“. Das Schiff soll Menschen aus verschiedensten Krisenregionen der Welt beheimaten

Fl chtlinge ziehen im Hamburger Binnenhafen auf das Wohnschiff „Transit“. Das Schiff soll Menschen aus verschiedensten Krisenregionen der Welt beheimaten

Foto: Axel Heimken / picture alliance / dpa

Ehrenamtliche Unterstützer von Flüchtlingen bekommen selbst Unterstützung. 21 Institutionen haben sich vereint, um schnell reagieren zu können.

Hamburg. Erstmalig haben sich große und bekannte Hamburger Stiftungen in einer Allianz zusammengetan, um sich gemeinsam für die ehrenamtlichen Helfer in den Flüchtlingsinitiativen einzusetzen. An dem Fonds „Flüchtlinge & Ehrenamt“ beteiligen sich unter Federführung der BürgerStiftung Hamburg 19 Stiftungen und insgesamt 21 Förderer. Das Bündnis möchte ehrenamtliche Helfer und Flüchtlinge schnell und unbürokratisch finanziell unterstützen. 150.000 Euro sind innerhalb von zwei Monaten bereits zusammengekommen. Am Donnerstag fiel der Startschuss für das Gemeinschaftsprojekt.

Ihre Bekannten haben eine syrische Familie einfach bei sich aufgenommen, berichtet Johanna von Hammerstein, Vorstandsvorsitzende der BürgerStiftung Hamburg. Die syrische Mutter mit ihren drei Kindern, acht, zwölf und 14 Jahre alt, lebt nun bei der Hamburger Familie. „Das ist auch möglich durch große Unterstützung von außen“, sagt Frau Hammerstein. Ihre Bekannten, die anonym bleiben möchten, bekommen von überall Hilfe. Einer hat eine Excel Tabelle eingerichtet, um einen Überblick darüber zu ermöglichen, was die syrischen Flüchtlinge benötigen und was sie schon haben. Andere helfen bei Behördengängen.

Die Stiftungen waren schnell zur Kooperation bereit

„Das ist ein Beispiel für so viele andere Helfer in der ganzen Stadt“, sagt Johanna von Hammerstein. Zusammen mit Ansgar Wimmer, Vorstandsvorsitzender der Alfred-Toepfer-Stiftung F.v.S, hatte sie die Idee zu dem Bündnis für Flüchtlinge und Ehrenamt. „Wir sind beeindruckt, wie aufgeschlossen und großzügig die Stiftungen auf unsere Anfragen reagiert haben, manche innerhalb von wenigen Stunden“, sagt Johanna von Hammerstein.

Es geht darum, die ehrenamtlichen Helfer zu unterstützen, Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen und sie weiter zu ermutigen und bei ihrer wichtigen gesellschaftlichen Arbeit zu ermutigen. „In Hamburg gibt es Gott sei Dank eine große substanzielle Welle der Hilfsbereitschaft – Kirchen, Sportvereine, Nachbarschaften kümmern sich“, sagt Ansgar Wimmer. Es gebe viele Menschen, die Zeit stiften für andere, „diese Menschen sollten nicht auch noch Geld stiften müssen“, sagt er. Mitarbeiter der BürgerStiftung sammeln Anträge, begutachten diese und beraten über Förderungen. Ein unabhängiger Beirat entscheidet innerhalb von 14 Tagen über die Vergabe von Mitteln. Eine Förderung ist denkbar für alles, was neben dem zeitlichen Engagement an Kosten entsteht.

20.000 Flüchtlinge leben derzeit in Hamburg, 15.000 von ihnen in der öffentlichen Unterbringung. In diesem Jahr sollen 5600 neue Plätze für Flüchtlinge an 31 Standorten in Hamburg geschaffen werden. Und immer mehr Menschen kümmern sich um die Menschen in den Unterkünften. Allein im vergangenen Jahr haben sich zwölf neue Flüchtlingsinitiativen gegründet. Nach Angaben der Sozialbehörde sind es mindestens 2000 ehrenamtliche Flüchtlingshelfer hamburgweit. Sie organisieren sich in Arbeitsgemeinschaften, geben Deutschkurse, bieten Kinderbetreuung an, stehen bei Behördengängen zur Seite.

Oder sie unternehmen Ausflüge. So wie die Helfer von der Gruppe „Herzliches Hamburg“, die mit Bewohnern der Unterkunft an der Lokstedter Höhe bereits bei Hagenbeck und am vergangenen Wochenende im Niendorfer Gehege unterwegs waren, das schöne Wetter genossen und ein Picknick gemacht haben. Genau diese Arbeit ist es, die der Fonds „Flüchtlinge & Ehrenamt“ ab sofort finanziell unterstützen kann. So können beispielsweise Gelder für HVV-Karten für einen Ausflug beantragt oder eine externe Moderation finanziert werden, wenn verschiedene Beteiligte zu einem runden Tisch zusammen kommen.

Gelder sollen unabhängig von Behörden schnell und flexibel bereitstehen

„Wir wollen uns um diese Initiativen zügig und unbürokratisch kümmern“, sagt Ansgar Wimmer. Ziel des Fonds ist es, Gelder flexibel und unabhängig von Behörden bereit zu stellen. Dabei sollte der Mindestbeitrag bei 100 Euro liegen, der Höchstbetrag momentan noch bei 1000 Euro. Es können Sachmittel oder auch Honorarmittel beantragt werden. „Jede Initiative, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert, kommt in Frage“, so Johanna von Hammerstein. Denkbar sei Material für den Deutschunterricht, für Bildung, Beschäftigung und Qualifizierung. Nicht gefördert werden Einzelfälle, und auch eine dauerhafte finanzielle Unterstützung ist nicht vorgesehen.

Wie wichtig das ehrenamtliche Engagement ist, sagt Jan Pörksen, SPD, Staatsrat für Arbeit, Soziales, Familie und Integration: „In dem Moment, wo Menschen mit Flüchtlingen in Kontakt kommen, wenn die Einrichtungen eröffnet sind, verschwinden Bedenken.“ Noch spricht er bei der Struktur des ehrenamtliches Engagement von „Wildwuchs“. Es wäre sinnvoll, Gelder in die Strukturen zu investieren. Pörksen: „Es ist toll, dass wir freie Gelder für Ideen haben.“