Polizei

Die Zahl der Taschendiebstähle in Hamburg steigt

Verkaufsoffener Sonntag in der Hamburger Innenstadt, einer der Anlässe, bei denen immer wieder Taschendiebe tätig werden

Verkaufsoffener Sonntag in der Hamburger Innenstadt, einer der Anlässe, bei denen immer wieder Taschendiebe tätig werden

Foto: Michael Rauhe

2014 gab es mehr als 20.000 Anzeigen. Besonders betroffen sind Großveranstaltungen in Mitte. Die Aufklärungsquote ist jedoch niedrig.

Hamburg. Die Hamburger Polizei hat im vergangenen Jahr mehr als 20.000 Taschendiebstähle registriert. Das bedeutet ein Plus von 3824 Taten im Vergleich zu 2013, was wiederum mehr als die Hälfte der Zunahme aller Diebstahlsdelikte ausmacht. Das geht aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik 2014 hervor, die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde.

Damit ist die Anzahl der Taschendiebstähle in Hamburg im zweiten Jahr in Folge deutlich gestiegen. Der hohen Fallzahl gegenüber steht eine auffällig niedrige Aufklärungsquote von 4,6 Prozent. Diese ist allerdings um 1,2 Prozentpunkte gestiegen. Einen Grund für den geringen Ermittlungserfolg sieht die Polizei im Profil der Täter. „Wir haben viel mit professionellen, international agierenden Gruppen zu tun“, sagt Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. Weil die Täter oft äußerst geschickt vorgingen, bemerkten Opfer den Verlust ihrer Wertsachen häufig erst Stunden nach dem Diebstahl. „Das macht es für uns extrem schwierig bis unmöglich, den Tathergang zu rekonstruieren oder gar einen Täter zu identifizieren“, sagt Meyer.

Hinzu komme, dass Hamburg eine Stadt sei, die Tätern viele Gelegenheiten zum Diebstahl biete. „Großveranstaltungen im Bezirk Mitte mit der Reeperbahn sind attraktiv für Touristen und somit auch für Diebe.“ Mit 13.055 Fällen geschahen 2014 knapp zwei Drittel aller Taschendiebstähle in Hamburg-Mitte, 60,1 Prozent davon im Stadtteil St. Pauli. Aber nicht nur Schlagermove und Hafengeburtstag ziehen Touristen an, auch Messebesucher sind potenzielle Opfer. „Taschendiebstähle kommen vornehmlich dort vor, wo viele Menschen zusammenkommen: Auf dem Dom, auf Weihnachtsmärkten, an Bahnhöfen“, sagt Polizeisprecher Andreas Schöpflin. Nach dem Bezirk Mitte passierten die meisten angezeigten Taschendiebstähle in Altona (1547 Fälle) und Wandsbek (1513 Fälle).

Mit Streifgängen in den Bahnen der Linien U1, U3, S3 und S31 und in den dazugehörigen Bahnhöfen haben Polizisten und Mitarbeiter der Deutschen Bahn und der Hochbahn im vergangenen Jahr versucht, die Sicherheit für Passagiere im öffentlichen Nahverkehr zu erhöhen. Außerdem wurden im Fahrgastfernsehen des HVV Kurzspots gezeigt, die an die Wachsamkeit der Fahrgäste appellierten und so für das Thema sensibilisieren sollten. Nach Angaben Meyers plant die Polizei für 2015 wieder über die Arbeit der Zivilfahnder hinaus solche Schwerpunkteinsätze, um gegen Taschendiebe vorzugehen.

Erst vor rund einer Woche war es Zivilfahndern der Bundespolizei gelungen, neun Tatverdächtige im Alter von 14 bis 32 Jahren festzunehmen, die am Hauptbahnhof, am Bahnhof Reeperbahn und in verschiedenen Zügen Reisende bestohlen hatten. Hamburger Polizisten überführten wenig später eine 36-Jährige und ihren 29 Jahre alten Komplizen, die in einem Bekleidungsgeschäft an der Neuen Großen Bergstraße in Altona mehrmals versucht hatten, Kundinnen Portemonnaies aus Taschen und Rucksäcken zu stehlen. Ein Angestellter hatte das Paar beobachtet und die Polizei alarmiert.

Um sie besser vor Taschendiebstählen zu schützen, warnt die Polizei insbesondere Reisende davor, ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Geldbörsen, Handys und andere Wertgegenstände sollten des Weiteren in verschiedenen, verschlossenen Innentaschen nah am Körper aufbewahrt werden. Solche Gegenstände sind zum Beispiel auch in Brustbeuteln, Gürtelinnentaschen und Geldgurten sicher.

Zu den Fällen von Taschendiebstählen zählt die Polizei auch Trickdiebstähle, deren Opfer größtenteils ältere Menschen werden. Die Ermittler sprechen hier von einem banden- und gewerbsmäßigen Betrug. Die Täter, die meist zu dritt an einer Täuschung arbeiten, gehen dabei äußerst strukturiert vor. Ein vermeintlicher Enkel oder Sohn ruft das Opfer an und verlangt Geld, welches ein zweiter Beteiligter dann abholt. Eine dritte Person koordiniert das Geschehen.

Die Polizei hat im vergangenen Jahr bei einem Verfahren gegen Trickdiebe 35 mutmaßliche Täter in Deutschland, der Schweiz und in Luxemburg festgenommen. Es wurden rund 350.000 Euro sichergestellt und 15 Personen verhaftet, zehn von ihnen in Deutschland, unter anderem in Hamburg. „Im Zuge der Durchsuchungen ist auch eine Liste aufgetaucht mit Namen und Telefonnummern älterer Menschen, die offenbar ebenfalls zu Opfern werden sollten. Das konnten wir so vermeiden“, sagt Polizeipräsident Meyer. Die Fallzahlen im Bereich des Trickdiebstahls seien seit den Verhaftungen Ende Mai bundes- und europaweit deutlich zurückgegangen. Meyer: „Das spricht dafür, dass die Gruppe sehr aktiv war.“