Hamburg

Grüne: Wir sind keine „Olympia-Spaßbremse“

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Andreas Dey
Katharina Fegebank (Grüne) reiste mit Sportsenator Michael Neumann zur Präsidiumssitzung
des DOSB nach Frankfurt – und überzeugte offenbar

Katharina Fegebank (Grüne) reiste mit Sportsenator Michael Neumann zur Präsidiumssitzung des DOSB nach Frankfurt – und überzeugte offenbar

Foto: Witters

In den Koalitionsverhandlungen mit der SPD fordert die Partei aber „echte“ Nachhaltigkeit. Dieser Punkt ist den Grünen eminent wichtig.

Hamburg.  Dass SPD und Grüne beim Thema Olympiabewerbung Zeit verloren hätten, kann ihnen wahrlich nicht vorgeworfen werden. Die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) für Hamburg als Bewerberstadt für die Sommerspiele 2024 war am Montagabend erst wenige Minuten alt, als sich die Verhandlungspartner umgehend wieder zurückzogen. Knapp drei Stunden, bis 22.30 Uhr, saßen die Delegationen noch im Bürgersaal des Rathauses beisammen und besprachen die neue Lage und den weiteren Fahrplan.

Da Innen- und Sportsenator Michael Neumann (SPD) zeitgleich bei der großen Olympia-Sause in der ­O2 World­ weilte, berichtete der Chef der Senatskanzlei, Staatsrat Christoph Krupp (SPD), vom gelungenen Auftritt beim DOSB in Frankfurt. Anschließend ging es vor allem um zwei Fragen: Wann und unter welchen Bedingungen kann das Referendum stattfinden, mit dem die Stadt die Bürger um Zustimmung für die Olympiabewerbung bitten will? (Siehe Bericht Seite 9). Ging es dabei auch und vor allem um technische und juristische Details, hatte die zweite Frage des Abends eher politische Dimensionen: Welche „Marke“ soll die Bewerbung eigentlich haben? Wie wird zum Beispiel der Anspruch der „nachhaltigen“ Spiele mit Leben gefüllt?

Dieser Punkt ist vor allem den Grünen eminent wichtig, denn sie hatten im Wahlkampf stets betont, eine Bewerbung nur unter ganz bestimmten Bedingungen mittragen zu wollen: Möglichst große Kostentransparenz vor der endgültigen Entscheidung durch das Volk, keine neuen Schulden, kein unnötiger Flächenverbrauch, eine sinnvolle Nachnutzung aller Olympia-Bauten und eine breite Bürgerbeteiligung gehörten dazu. Und selbst diese „Ja, aber“-Haltung, für die Parteichefin Katharina Fegebank steht, musste innerhalb der Grünen hart gegen die „Nein, aber“-Fraktion erkämpft werden, der ebenso einflussreiche Mitglieder wie der frühere Justizsenator Till Steffen angehören. Auch Fraktionschef Jens Kerstan hatte immer wieder Bedenken hinsichtlich der finanziellen Risiken einer Bewerbung angemeldet.

Als darüber nun am Montagabend diskutiert wurde, gab es aber eine völlig neue Dynamik – und dafür hatte die Grünen-Chefin persönlich gesorgt. Sportsenator Neumann, der seit Monaten für eine Hamburger Bewerbung wirbt, hatte die Idee, die möglicherweise künftige Zweite Bürgermeisterin Fegebank mit zum DOSB nach Frankfurt zu nehmen, um bei den Olympioniken eventuelle Bedenken hinsichtlich einer Regierungsbeteiligung der Grünen zu zerstreuen. Die sportbegeisterte Parteichefin sagte zu – holte sich dafür aber die Rückendeckung ihres Landesvorstands und ihrer Verhandlungsdelegation. Dass es die gab, hatte vor allem einen Grund: Die Grünen wollten auf keinen Fall als die „Dagegen-Partei“ dastehen, an der eine Hamburger Bewerbung gescheitert ist. „Wir wollten nicht die Spaßbremse spielen“, formuliert es ein führendes Mitglied.

Der Coup gelang: Bei der Präsentation in Frankfurt wurden viele Fragen an Fegebank gerichtet, und ihre Antworten müssen recht überzeugend gewesen sein. Jedenfalls betonten sowohl Neumann als auch Krupp am Dienstag öffentlich und ausdrücklich, wie „dankbar“ sie Fegebank für ihren Einsatz seien. Allerdings hat die Parteichefin dafür nun ein anderes Problem: ihre Mitglieder, oder zumindest die Olympiakritiker unter ihnen. Denen dürfte die demonstrative Unterstützung der Bewerbung durch die Parteispitze kaum gefallen haben – und das dürfte auf der Mitgliederversammlung heute Abend zur Sprache kommen.

„Da wird es ordentlich schlechte Stimmung geben“, prophezeit ein gut vernetztes Mitglied. Wobei die Olympiabewerbung dabei noch das kleinere Problem werden dürfte. Vielmehr stößt es etlichen Grünen sauer auf, dass ihre Unterhändler bislang recht wenig ihrer Ziele in den Gesprächen mit der SPD durchsetzen konnten – sieht man mal von dem großen Erfolg ab, dass der Radverkehrsanteil auf 25 Prozent verdoppelt werden soll.

Doch auch in Sachen Olympia gibt es nun Druck. So verwies der Naturschutzbund Nabu, immerhin angeführt vom früheren grünen Umweltsenator Alexander Porschke, am Dienstag auf die Risiken einer Bewerbung. „Die Freude an dem sportlichen Großereignis“ inklusive positiver Begleiterscheinungen für Arbeitsplätze, Infrastruktur und Stadtentwicklung sei „nicht ohne ökologische, ökonomische und soziale Kosten zu bekommen“, teilte Porschke mit und verwies auf London 2012, wo viele Versprechen zur ökologisch nachhaltigen Ausrichtung der Spiele nicht eingehalten worden seien. „Besonders wichtig ist uns, ob Hamburgs Bewerbung zukunftsweisend tatsächlich auch Grenzen des Wachstums insbesondere bei der städtischen Flächen-Inanspruchnahme in den Blick nimmt.“

Das sind Fragen, die viele Grüne umtreiben – inklusive der Parteichefin. Die dürfte für ihren Einsatz in Frankfurt von der SPD nun außer Dankbarkeit auch etwas mehr Entgegenkommen erwarten. Jedenfalls haben die Grünen in der Koalitionsrunde am Montagabend bereits daran erinnert, was in ihrem Wahlprogramm zum Thema Olympia stand: „Eine Chance für Hamburg – wenn die Bedingungen stimmen.“ Mit den meisten dieser „Bedingungen“, so ist es aus der SPD zu hören, haben die Genossen kaum Probleme. Schließlich sei der Aspekt der „nachhaltigen Spiele“ durchaus ein Argument, mit dem man international punkten will. Mit anderen Worten: An der Olympiabewerbung wird die Koalition nicht scheitern.

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