Tipps gegen Einbrecher

Wann ein Tresor im Haus wirklich sinnvoll ist

Der Liedermacher
Wolf Biermann
mit einem seiner
beim Einbruch
gestohlenen zwei
Stahlschränke

Der Liedermacher Wolf Biermann mit einem seiner beim Einbruch gestohlenen zwei Stahlschränke

Foto: picture alliance

Einbruch zwecklos – Teil 3 der Serie. Heute: Wie man Wertgegenstände deponiert – und warum ein Bankfach oft die bessere Lösung ist

Hamburg. Wie sinnvoll sind Tresore? Worauf muss ich beim Kauf achten? Was bringen Bankschließfächer? Wo suchen Einbrecher zuerst? Das sind die Fragen, die wir im dritten Teil der Abendblatt-Serie „Einbruch zwecklos“ klären wollen.

Lassen Sie uns dazu zunächst einen Fall beleuchten, der vor Kurzem bundesweit Schlagzeilen gemacht hatte: Einen Monat nach einem Einbruch in das Hamburger Haus von Liedermacher Wolf Biermann im Stadtteil Ottensen hatten Polizeitaucher einen der zwei gestohlenen Stahlschränke aus dem Mittellandkanal an der Wenden­straße gezogen. Der Tresor war allerdings leer. Zudem sei es nicht der Tresor gewesen, in dem er die für ihn so wichtigen Manuskripte und Andenken an seinen in Auschwitz ermordeten Vater aufbewahrt hatte, sagte der Liedermacher.

Möglicherweise wurde auch der zweite, für Biermann persönlich weitaus wertvollere Schrank im Kanal versenkt. Ein Bauarbeiter hatte in dem Gewässer im Stadtteil Hammerbrook auch eine Bibel von 1732 gefunden, die in dem Schrank gelegen hatte. Die fieberhafte Suche nach dem zweiten Tresor blieb jedoch ohne Erfolg.

Der Einbruch bei den Biermanns in Ottensen hatte sich kurz vor Weihnachten ereignet. Die Familie hatte das Haus nur kurz verlassen. In einem bewegenden Appell versuchte Biermann, die Einbrecher zu überreden, vor allem die Gegenstände mit rein ideellem Wert bei der Polizei abzugeben. Das taten sie aber nicht. Als der eine Tresor wieder auftauchte, keimte Hoffnung auf. Biermann und seine Frau Pamela eilten sofort zum Fundort und wollten den Tresor inspizieren. Aber der Schlüssel fehlte. Der befand sich im zweiten Schrank, und der ist bis heute verschollen. Der aufgefundene Tresor musste mühsam geöffnet werden.

„Es geht nicht um Geld, es geht nur um Seelengeld“, sagte Biermann damals. Mithilfe der Bibel von 1732 habe er seine Liebeslieder geschrieben. Im verschollenen Tresor befanden sich außerdem persönliche Dokumente der Familie, Fotos und die Sterbeurkunde seines Vaters.

Genau wie im Fall Biermann sind es bei vielen Menschen eher die persönlichen Dinge, deren Verlust besonders gefürchtet wird. Denn Briefe, Fotos und Dokumente können von keiner Versicherung ersetzt werden. Schlimmer noch: Die Diebe sind nur an rein materiellen Werten interessiert. Alles, was sie nicht weiter verkaufen können, landet im Müll, oder wird auf andere Weise vernichtet.

Besonders schmerzlich war für Wolf Biermann dann auch der Verlust eines kleinen Lederköfferchens, in dem sich ein Portemonnaie und ein kleiner roter Wollschal befanden. Die Skatpfennigbörse habe sein Vater seiner Mutter auf den Küchentisch gelegt, als ihn 1937 die Gestapo abholte. Zudem hätten im verschollenen Tresor auch seine drei letzten, prall gefüllten Tagebücher gelegen.

Die Ironie der Geschichte: Hätte Biermann diese Gegenstände nicht im Tresor gelagert, wären sie vermutlich nicht gestohlen worden.

Nicht jeder Fall ist so schlagzeilenträchtig wie der des prominenten Künstlers. Eine typische Polizeimeldung liest sich eher so: „Im Zuge eines Einbruchs wurden Schmuckgegenstände, ein Fernsehgerät, ein PC samt Drucker, ein Laptop und eine Digitalkamera entwendet. Der Eigentümer, Herr F., beziffert den entstandenen Schaden auf rund 8000 Euro. Weitere in einem Wandtresor gesicherte Unterlagen wie Investmentpapiere und Schecks blieben dagegen unangetastet.“

Aus beiden Fällen lässt sich für die Praxis einiges ablesen. „Wertbehältnisse, die im Volksmund auch Tresore genannt werden, sind grundsätzlich sinnvoll für wertvolle Gegenstände“, betont Stefan Meder, der Leiter der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle an der Caffamacherreihe. „Lassen Sie ihre Wertsachen zu Hause also nicht offen herumliegen. Besonders wichtige Dokumente, wertvolle Sammlungen und Gold oder Schmuck, der nur selten getragen wird, sind aber am sichersten bei ihrem Geldinstitut im Bankfach aufgehoben“, sagt der Fachmann.

Wer bei sich für zu Hause einen Tresor anschaffen will, solle darauf achten, dass er nach der Europanorm 1143-1 geprüft und zertifiziert ist. Denn wie heißt es in der Fachsprache: „Zertifizierte Wertbehältnisse halten schnellen Öffnungsversuchen der Täter stand und sind meist auch gegen Feuer geschützt.“ (siehe Kasten).

Damit der Tresor im Ernstfall tatsächlich seinen Sinn erfüllt und nicht – wie im Falle Biermann – von kräftigen Männern bei einem Einbruch einfach weggeschleppt oder mit einer Sackkarre weggerollt werden kann, muss er fest im Fußboden oder im Mauerwerk verankert sein. Dabei sei darauf zu achten, dass die Befestigung fachmännisch angebracht wird. „So, dass sie nicht von außen gelöst werden kann“, sagt Meder. Biermann habe im Grunde alles richtig gemacht, sei aber wohl Opfer professioneller Insider geworden. Da helfe nur ein massiver Tresor der 500- oder 1000-Kilo-Klasse.

Ein weiterer Praxis-Tipp: Man sollte den Tresor nur dort anbringen, wo man ihn auch braucht. „Es macht keinen Sinn, ihn im Keller in der letzten Ecke zu installieren, wenn die Frau ihren Schmuck nach der Party im Badezimmer ablegt“, sagt Meder. Deshalb: Wertdokumente und Bargeld im Büro-Tresor einschließen, Schmuck und wertvolle Uhren im Tresor im Schlaf- und Anziehbereich.

Eine sinnvolle Alternative sind aus Sicht des Kommissars Schließfächer außerhalb des Hauses: „Bankfächer sind für alles Wertvolle gut, das man nicht täglich braucht. Das kann Schmuck sein, aber auch andere Dinge wie Wertpapiere, Aktien oder wichtige Vertragsunterlagen und Urkunden fürs Haus oder die eigene Wohnung.“

Wer glaube, sein Hab und Gut mit besonders cleveren Verstecken im Haus vor dem Zugriff des Einbrechers schützen zu können, liege in aller Regel falsch. Meder: „Sinnvolle Verstecke im Hause gibt es nicht. Ob es die Kaffeedose oder die schmutzige Socke unter dem Wäschekorb ist: Einbrecher kennen die Verstecke.“

Und die Ganoven gehen systematisch vor. „Sie durchsuchen einfach alles: sämtliche Schubladen, sämtliche Schränke, das Geschirr. Und das alles möglichst schnell“, betont Meder. In fünf bis zehn Minuten sei der professionelle Einbrecher in einer Wohnung oder einem Haus komplett durch, länger dauere das meist nicht.

„Es kann wohl sein, dass der Einbrecher das eine oder andere Versteck vielleicht nicht findet“, räumt der Kommissar ein. Das sei eine Frage der Zeit. Meder: „Aber es gibt dafür aus kriminalpolizeilicher Sicht überhaupt keine Garantie. Und deshalb empfehlen wir nicht, Wertgegenstände im Haus zum Schutz gegen Einbrecher nur zu verstecken.“ Eine interessante Frage ist, wo der Schlüssel für den Tresor sicher aufbewahrt wird. Meder: „Wir empfehlen in dem Fall Tresore mit erhöhten Sicherheitssystemen. Die öffnen und schließen mit einer elektronischen Zahlenkombination. Und bei Bedarf für noch höheren Schutz zusätzlich mit einem Fingerabdrucksensor. Sie kommen also im Alltag ohne Schlüssel aus.“ Und was empfiehlt der Fachmann, wenn man die Tastenkombination vergessen hat? Meder beruhigt alle, die sich die Kombination möglicherweise nicht merken können: „Es gibt mittlerweile Tresore, die sich mit einem Notschlüssel jederzeit öffnen lassen. Da man einen solchen Schlüssel aber natürlich nicht täglich braucht, deponiert man ihn im Bankfach. So geht man auf Nummer sicher.“