Abendblatt-Serie

Wie Hamburger sich vor Einbrechern schützen können

Ein Täter steigt in eine Wohnung ein. Die richtige Sicherheitstechnik kann helfen, Einbrüche zu verhindern

Ein Täter steigt in eine Wohnung ein. Die richtige Sicherheitstechnik kann helfen, Einbrüche zu verhindern

Foto: Obs,Cosmosdirekt,Thinkstock / obs

Die Einbruchskriminalität nimmt zu: 17.151 Fälle zählte die Hamburger Polizei im vorigen Jahr. Stark betroffen sind die Bezirke Mitte und Altona.

Hamburg. In Hamburg wird immer öfter eingebrochen: 17.151 Fälle schwerer Einbruchskriminalität verzeichnete die Polizei nach den neuesten Zahlen für das Jahr 2014. Das sind 645 Fälle mehr als 2013 und bedeutet eine Zunahme von 3,9 Prozent. Rund 7000 dieser Einbrüche betrafen Wohnungen – genaue Zahlen für 2014 gibt die Polizei in der kommenden Woche bekannt.

Schon jetzt ist klar: Mit dem negativen Trend wächst bei vielen Hamburgern die Angst, selbst Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden. Immer mehr Menschen in unserer Stadt schützen deshalb ihr Hab und Gut mit Sicherheitstechnik für ihre Wohnung oder das eigene Heim.

Aber wie schütze ich mich am besten? Was ist wirklich sinnvoll? Die sechsteilige Abendblatt-Serie: „Einbruch zwecklos!“ soll Ihnen dabei helfen, ihr Zuhause sicher zu machen. Wir bringen Licht in das unübersichtliche Angebot von Sicherheitstechnik – von der Alarmanlage bis zum Zylinderschloss. Wir erklären, was zur Grundsicherung gehört. Wir zeigen Ihnen, was Sie zusammen mit ihren Nachbarn zum besseren Schutz ihrer Wohnung oder ihres Hauses unternehmen können. Wir erklären, was tatsächlich hilft. Und was Sie sich lieber sparen können. Ausführlich und kompetent.

Zum Auftakt der Serie gibt es einen Überblick über die Lage in Hamburg: Wann und wo wird am häufigsten eingebrochen? Welche Bezirke sind besonders betroffen? Was weiß man über die Täter?

Die Aufklärungsquote bei der schweren Einbruchskriminalität stieg von 8,4 Prozent im Jahr 2013 auf 9,9 Prozent. Damit ist sie immer noch gering. Mehr Einbrüche verzeichnet die Polizei in den Bezirken Altona (plus 12,2 Prozent), Bergedorf (10,7) und in Mitte (9,2) – wobei letzterer Bezirk mit 4411 Taten die höchste Fallzahl aufweist. Positiv sind dagegen die Rückgänge in Eimsbüttel (minus 109 Taten) und in Nord (minus 47).

Bemerkenswert ist, dass 36,4 Prozent aller Taten im Versuchsstadium blieben, also Einbrüche in 6237 Fällen nicht zu Ende geführt wurden. Den Grund dafür sieht die Polizei im besseren Einbruchschutz an Wohnungen und Häusern.

Während der „Herbstoffensive 2014“ war die Polizei gezielt gegen potenzielle Einbrecher vorgegangen. „Dadurch konnten wir nicht nur den üblichen Anstieg der Einbruchskriminalität in der dunklen Jahreszeit abmildern, sondern auch fast doppelt so viele Festnahmen durchführen“, sagt Polizeisprecher Mirko Streiber. In sehr vielen Fällen hätten Täter nach Anrufen von Anwohnern und anderen Zeugen festgenommen werden können.

„Im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland liegen wir bei den Wohnungseinbrüchen in Hamburg auf einem mittleren Niveau“, sagt Stefan Meder, der Leiter der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Hamburg (siehe Kasten). Am häufigsten schlagen die Täter im Erdgeschoss zu. „Über 80 Prozent der Einbrecher in Einfamilienhäusern gelangen über Fenster und Terrassentüren in den Wohnbereich. Und mehr als die Hälfte der Einbrecher in Mehrfamilienhäusern gehen über die Fenster im Erdgeschoss.“ In Mehrfamilienhäusern machten sich die Täter die Anonymität in höheren Etagen zu Nutze. „Ein Einbrecher braucht weniger als eine Minute, um eine ungesicherte Wohnungstür zu öffnen“, sagt der Sicherheitsexperte.

Viele Einbrecher kommen aus Deutschland. Organisierte Kriminelle kommen aber auch aus dem Ausland. „Es gibt Tätergruppen beispielsweise aus Chile und Rumänien, die sehr gut vernetzt sind. Sie sorgen auf einen Schlag an einem Brennpunkt in der Stadt für sehr viele Straftaten. Nach ein, zwei Wochen sind sie wieder weg“, sagt der Kommissar und erinnert an konkrete Fälle in Bergedorf und in Harburg im vorigen Jahr. „Die Gruppen ziehen schnell weiter, nach Frankfurt, Amsterdam oder Belgien. Bevor wir etwas tun können.“

Eingebrochen wird bei Tag und und bei Nacht. Wobei die Täter gern in der Dämmerung anrücken. „Wenn die Eltern arbeiten und die Kinder in der Schule sind, ist die Gelegenheit für Einbrecher günstig“, sagt Meder. „Wenn ein Haus am Wochenende leer steht, weil die Familie gerade verreist ist, ebenfalls.“

Und: Eingebrochen wird überall in Hamburg. Meder: „Blankenese ist genauso gefährdet wie Finkenwerder, Winterhude genauso wie Steilshoop.“ Menschen, die viel Geld haben, sicherten ihre Häuser und Wohnungen in der Regel besser ab als Menschen in einfachen Gegenden. Es könne also gut sein, dass dort, wo die Sicherheitstechnik fehlt, eingebrochen wird, obwohl gar nicht so viel zu holen ist, betont der Sicherheitsfachmann.

Nur zehn Prozent der Täter sind der Polizei bekannt und können dingfest gemacht werden. Worin liegen die Gründe für die geringe Aufklärungsquote? „Ein Einbruch geht schnell. In aller Regel gibt es keine Zeugen“, sagt Meder. Selbst wenn eine Alarmanlage auslöst, sei es schwierig, die Täter festzunehmen. „Sie hinterlassen kaum Spuren. Auch wenn die Täter Fingerabdrücke hinterlassen, sind sie oftmals nicht bekannt.“ Deshalb der Rat: „Immer die 110 wählen, wenn man etwas Verdächtiges beobachtet.“