Religionen

In Hamburg gibt es mehr Moscheen als katholische Kirchen

Die Imam Ali Moschee an der Hamburger Außenalster

Die Imam Ali Moschee an der Hamburger Außenalster

Foto: HA / A.Laible

Aber eine große Mehrheit sieht laut Umfrage keine Probleme mit den Muslimen in der Stadt. Das Abendblatt zeigt die Gesichter des Islam.

Hamburg.  Im Zusammenleben mit Muslimen ist Hamburg eine der liberalsten Großstädte Deutschlands. Mit 71,9 Prozent vertritt eine deutliche Mehrheit die Meinung, dass die in Deutschland lebenden Muslime keine Belastung für das soziale Netz sind. 65,5 Prozent stimmen der Aussage zu, dass man den Muslimen „mehr Anerkennung entgegenbringen sollte“. Und 58,7 Prozent sind der Meinung, dass die muslimische Kultur Deutschland bereichert. Das sind die zentralen Ergebnisse der Studie „Hamburg postmigrantisch“, die an der Berliner Humboldt-Universität erstellt und in der erstmals umfassend die Einstellung der Hamburger zu Muslimen in Deutschland abgefragt worden ist.

Die Anzahl der Muslime in Hamburg beläuft sich nach Schätzungen auf rund 130.000. Das sind etwa acht Prozent der Bevölkerung. Dazu kommen rund 50.000 Aleviten. Zum Vergleich: In der Hansestadt leben etwa 570.000 Protestanten und rund 185.000 Katholiken. Interessant: Die Zahl der Moscheen übersteigt mit 50 inzwischen die Anzahl der 42 katholischen Kirchen in Hamburg. Außerdem gibt es 162 evangelische Kirchen, eine Synagoge, sechs buddhistische und zwei hinduistische Tempel sowie zwei Cem-Häuser als Treffpunkt der Aleviten.

Im November 2012 hatte Hamburg einen Staatsvertrag mit den muslimischen und alevitischen Verbänden unterzeichnet. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) zog jetzt ein erstes Fazit: „Die Vereinbarungen sind eigentlich etwas Selbstverständliches. Sie fördern den Zusammenhalt in unserer Stadt und sind zugleich ein Ausdruck des Friedens. Gerade in jüngerer Zeit, nach den Anschlägen in Paris, haben wir erlebt, welch unschätzbarer Gewinn das ist.“ Der Vertrag regelt Fragen der praktischen Religionsausübung, religiöse Feiertage oder den Bau von Gebetsstätten.

Ein weiterer Punkt ist der gemeinsame Religionsunterricht. In einem Pilotprojekt an zwei Hamburger Schulen unterrichten zwei muslimische Lehrkräfte die Schüler über sämtliche Weltreligionen. Schulsenator Ties Rabe (SPD): „Es ist besser, Schüler gemeinsam zu unterrichten, als sie nach Religionszugehörigkeit zu trennen. Mit diesem ambitionierten Vorhaben betreten Hamburgs Religionsgemeinschaften Neuland. Dafür brauchen wir Zeit und Behutsamkeit.“

Knapp 60 Prozent der Hamburger schätzen laut Studie das eigene Wissen über Muslime als „gering“ ein. Im Magazin stellt das Abendblatt heute Muslime in Hamburg vor.