Olympia in Hamburg

Als Spaniens Königin in der Mensa Hof hielt

Hamburger Olympiastarter erinnern sich: Basketballer Pascal Roller, 38, durfte 2008 in Peking mit Dirk Nowitzki ins Stadion laufen

Zu Olympia 2008 fällt mir eine ganz persönliche Anekdote ein. Meine Frau Maria war hochschwanger, und ich spielte mit dem Gedanken, nicht nach Peking zu fahren. Ich dachte mir, dass die Geburt meines ersten Kindes vielleicht doch höher einzustufen ist. Meine Frau meinte aber: „Du spinnst, du fährst, dafür bist du Sportler!“ In dieser Phase hatten wir uns schon mit Namen auseinandergesetzt und dachten dann: Komm, wir nennen sie Olympia mit drittem Namen. Meine Tochter heißt deshalb: Delisa Isabel Olympia Roller.

Ich bin sehr froh, dass ich mal Olympische Spiele erleben durfte. Es ist unheimlich schwer, als deutscher Basketballer eine Olympiateilnahme zu erreichen. Das letzte Mal hatte Deutschland das 16 Jahre zuvor in Barcelona geschafft. Für mich gehörte als erster Höhepunkt schon das Qualifikationsturnier in Athen fünf, sechs Wochen vorher dazu. Dirk Nowitzki ist, wie er es immer tut bei großen Sachen, in Tränen ausgebrochen nach der Qualifikation und hat sich in der Umkleide versteckt. Sehr bewegend. Olympia war dann das Bonbon, der Verband gab als Devise aus: „Ihr sollt die Spiele genießen!“

Ich erinnere mich an einen schönen Moment vor dem Einlaufen ins Stadion: Dirk war unser Fahnenträger, die Athleten standen aufgereiht in einem langen Tunnel. Es herrschte ein hoher Geräuschpegel, und irgendwann fingen einige an zu singen: „Wir wollen die Fahne sehen.“ Ein echter Gänsehautmoment. Und Dirk war richtig stolz: Er hat das Ding schon mal im Tunnel geschwungen. Im Stadion dann war er komplett durchgeschwitzt. Ich hatte auch die Ehre, vorne laufen zu dürfen, die ersten zwei Reihen wurden offiziell eingeteilt. Aber ich bin da fast überrannt worden, weil viele Sportler ein unheimlich großes Bedürfnis hatten, vorne im Blitzlichtgewitter zu sein. Ich habe mich darum nicht gerissen und mich zurückfallen lassen. Ich habe auch wenig Fotos gemacht. Ich wollte den Augenblick für mich haben und mich nicht darauf konzentrieren, wo ich das beste Motiv herbekomme.

Besonders gefallen hat mir das Dorf. Die Mensa war der Treffpunkt aller. Roger Federer saß in der Kantine. Und einmal stand plötzlich der ganze spanische Tross auf, weil die spanische Königin hereinspaziert kam. Das war witzig.

Ich habe mir auch viele andere Sportarten angeguckt. Man war als Athlet eigentlich nur für die eigenen Wettkämpfe akkreditiert, aber wir haben unsere Akkreditierungen einfach etwas verdeckt gehalten und sind dann rein mit der Masse in die Busse zum Tischtennis und zum Schwimmen. Bei den Chinesen hat das gut geklappt. Für die sehen wir wohl auch sehr ähnlich aus. Und sie scheinen zu zurückhaltend und höflich, um jemanden herauszuziehen.

Sportlich lief es mit unserem Vorrundenaus nicht optimal. Gegen China haben sie uns verpfiffen. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, aber es schien wohl sinnvoller für das Fernsehen, wenn der Gastgeber weiterkommt. Immerhin war mein letztes Länderspiel gegen das US-Dreamteam mit Kobe Bryant. Ein schöner, runder Abschluss. Und ich konnte einen Tag später, am Dienstag, zurückfliegen. Am Donnerstag kam meine Tochter zur Welt.