Bürgerschaftswahl

AfD prüft, Arbeitslose als laufende Plakatwände anzuheuern

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Foto: Drechsler

Ein Mitglied der „Jungen Alternative“ hat die Idee ins Spiel gebracht. Der Hamburger Landeschef Jörn Kruse will den Vorschlag aufnehmen. Hintergrund ist die Zerstörung von AfD-Plakaten.

Hamburg. Nach der massenhaften Zerstörung von Plakaten der „Alternative für Deutschland“ (AfD) im laufenden Bürgerschaftswahlkampf gibt es Überlegungen, Arbeitslose als laufende Plakatwände einzusetzen. „Das klingt interessant. Wir nehmen den Vorschlag gerne auf“, sagte der Hamburger AfD-Landeschef Jörn Kruse dem Hamburger Abendblatt. Ob er so kurz vor der Wahl noch umsetzbar sei, müsse geprüft werden. Der Vorschlag stammt ursprünglich von einem Parteimitglied aus Düsseldorf. Als Entlohnung für die lebendigen Werbeträger hatte er den Mindestlohn von 8,50 Euro ins Spiel gebracht.

Hintergrund ist der Vandalismus bei Plakaten der AfD in den vergangenen Wochen. „80 bis 90 Prozent unserer Plakate werden zerstört“, sagt Parteichef Kruse. In bestimmten Gegenden wie etwa in Altona und der Schanze würden inzwischen keine Plakate mehr aufgestellt, weil sie schon wenige Stunden später weg seien. Nach Angaben von Kruse beträgt der Schaden mehrere 10.000 Euro. „Es handelt sich um gezielte Zerstörungen“, beklagt er. Besonders bitter sei der „verlorene Werbewert“. „Für uns als junge Partei ist es ein großer Nachteil. Wir sind darauf angewiesen, sichtbar zu sein.“

Nach Angaben eines Parteisprechers sind die Zahlen der Zerstörungen von AfD-Plakaten besonders hoch. Während es bei anderen Parteien im Regelfall ein bis drei Vandalismus-Fälle in der Woche gebe, seien es bei der AfD zwölf bis 16 an einem Tag.

Das Thema hat sich offenbar auch in anderen Teilen der Republik herumgesprochen. So meldete sich Ende vergangener Woche der AfD-Jungpolitiker David Eckert in einem Eintrag der Facebook-Gruppe „Junge Alternative“ mit der Idee der sogenannten „Sandwich-Männer“ zu Wort, die Ende des 19. Jahrhunderts die Werbewelt revolutioniert hatten. In den Innenstädten Europas und der USA waren Menschen, oft Bedürftige, Bettler oder Arbeitslose, herumgelaufen, die große Schilder vor der Brust und auf dem Rücken trugen und so für ein Produkt warben.

„Ich halte es für sinnvoll, dass man über Alternativen im Wahlkampf nachdenkt“, sagte Eckert am Dienstag. Der 23-Jährige studiert an der Uni Düsseldorf Politik- und Medienwissenschaften und hatte im Januar die erste AfD-Hochschulgruppe in Nordrhein-Westfalen gegründet. In einem internen Beitrag im Internet, der dem Abendblatt vorliegt, hatte er am 6. Februar um 12.08 Uhr in dem Forum geschrieben: “Man hätte Arbeitslosen meinetwegen 8,50 Euro die Stunde zahlen sollen, ihnen ein Plakat umgehängt und die dann an belebten Straßen und Plätzen herumlaufen lassen sollen. Viel effizienter, auffälliger und sinnvoller, da man die nicht einfach abreißen kann.“

Im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt konkretisierte er seinen Vorschlag: „Man sollte eine Annonce schalten. Eventuell wäre der Job auch interessant für Studenten, die einen kleinen Nebenverdienst suchen.“

In demselben Eintrag hatte er seinen Parteifreuden im Norden angesichts der Plakatverluste auch vorgeworfen, „dumm und naiv“ zu sein. „Ich ärgere mich auch, dass die da oben so dämlich waren und so viel Geld in die Plakate gesteckt haben.“ In Hamburg müsse man einen amerikanischen Wahlkampf führen und verstärkt soziale Netzwerke nutzen oder YouTube.

( (mik) )

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