Streik-Chaos: Polizei sperrt Flughafen

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Sicherheitspersonal legt Arbeit nieder. 5000 Menschen warten in Endlos-Schlangen. Ver.di spricht von „Paukenschlag“

Hamburg . Um 7.45 Uhr wurde das Gedränge so beängstigend, dass die Polizei anrückte: Zum ersten Mal in der 103-jährigen Geschichte des Hamburger Flughafens ist der Airport am Montag wegen Überfüllung geschlossen worden. Ob Touristen oder Geschäftsreisende – rund zwei Stunden lang wurde niemand mehr in das Gebäude gelassen.

Grund für den Ausnahmezustand war ein 24-stündiger Warnstreik des Sicherheitspersonals, der die Abfertigung fast komplett lahmlegte. In den Terminals 1 und 2 drängelten sich mehr als 5000 Menschen in endlosen Schlangen. Nur drei der 24 Sicherheitsschleusen waren geöffnet. Am frühen Nachmittag war es sogar nur noch eine.

„Die Situation ist katastrophal“, sagte Flughafensprecherin Stefanie Harder. Es entstehe ein „maximaler Schaden“. Helfer versorgten die Wartenden in den Terminals und draußen vor den Türen mit Getränken. Die meisten nahmen es gelassen, aber es gab auch Unmut. „Wir sind schon ein bisschen wütend“, sagte die Passagierin Heike Kohrs, die nach La Palma wollte: „Dass das immer auf dem Rücken von so vielen ausgetragen wird, ist nicht so schön.“ Über den Rundfunk wurden Flugreisende aufgefordert, erst gar nicht mehr zum Airport zu kommen. Eigentlich hätten am Montag – traditionell ein Hauptreisetag – insgesamt 40.000 Passagiere abgefertigt werden sollen. 160 der 400 Flüge wurden bis zum Abend gestrichen.

Die Gewerkschaft Ver.di, die für ihre Mitglieder bis zu 2,50 Euro mehr Stundenlohn fordert, sprach von einem „Paukenschlag“ vor der morgigen neuen Verhandlungsrunde: „Die Streikbeteiligung ist grandios.“ Der Druck sei notwendig, wenn der Tarifstreit vor der Ferienzeit im März beendet werden solle. Der Flughafenverband ADV kritisierte den Warnstreik dagegen scharf. Er sei eine „Zumutung“ für Zehntausende Passagiere – Ver.di überspanne den Bogen, ein „zwingendes Schlichtungsverfahren“ sei „dringend erforderlich“. Die Fluggesellschaft Germanwings verlangte „klare Spielregeln für den Ablauf von Arbeitskämpfen“. Streiks schadeten dem Luftverkehrsstandort Hamburg, der sich in einer kritischen Wettbewerbssituation befinde.

Auch an den Flughäfen in Stuttgart und Hannover kam es gestern zu Arbeitsniederlegungen. Während in Stuttgart ebenso wie in Hamburg zahlreiche Flüge ausfielen, waren in Hannover für Passagiere kaum Auswirkungen zu spüren. Dort demonstrierten lediglich Dutzende Mitarbeiter mit Trillerpfeifen, Fahnen und Transparenten.

( (HA) )

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