Menschlich gesehen

Hausschlachter

Fritz Kreft, 77, genießt Wellfleisch mit Sauerkraut. Dass ihm die Mahlzeit beim Schlachtfest auf dem Kiekeberg am Sonntag schmeckte, war gar nicht sein Werk, sondern die Arbeit eines Kollegen. Aber Fleischermeister Kreft aus Harburg weiß, wovon er redet. Schließlich ist er Hamburgs letzter Hausschlachter. Je mehr der alte Brauch aus der Mode kommt, umso kleiner wird sein Wirkungsradius. Nur noch einige Höfe vor den Toren der Stadt werden von ihm jährlich aufgesucht, um Schweine und Rinder zu schlachten. „Ich töte die Tiere mit dem Bolzenschussgerät auf humanste Weise“, versichert er.

Als Hausschlachter führt er stets seine Gewürzkiste bei sich, in der sich Kümmel, Salz, Piment und weitere Zutaten finden. Auf Wunsch verfeinert er die Wurst und erklärt geduldig sein Handwerk. Im Freilichtmuseum Kiekeberg ist er gefragter Experte. Doch leider, fügt er hinzu, gibt es niemanden, der sein Werk weiterführen könnte. Es müsste ein Geselle sein, der pädagogisches Geschick mitbringt, um den Konsumenten von heute das alte Handwerk der Hausschlachterei zu erklären. Während Kreft im Winter als Schlachtmeister unterwegs ist, werkelt er im Sommer als Schrebergärtner. „Das Schönste ist für mich, wenn ich dort die selbst hergestellte Wurst grillen kann.“