Abendblatt-Special

Die Messe ist Hamburgs zweites Tor zur Welt

Foto: Michael Zapf

Neben Fachmessen sind es Publikumsschauen wie Hansepferd, Hanseboot, Mineralien oder Reisen Hamburg, die die Hansestadt einige Tage lang für ein bestimmtes Thema zum Nabel der Welt machen.

Hamburg gilt als Deutschlands Tor zur Welt. Und das verdankt die Hansestadt beileibe nicht nur ihrem Hafen: Immer wenn eine der großen Messen in Hamburg ihre Tore öffnet, wird das weltoffene Motto besonders erlebbar. Beispiel SMM: Die Weltleitmesse der maritimen Wirtschaft lockte im vergangenen September wieder rund 50.000 internationale Fachbesucher nach Hamburg. Mehr als 2100 Aussteller aus 67 Ländern präsentierten ihre maritimen Innovationen in den Messehallen, ein gewaltiger Schiffspropeller vor dem Haupteingang begrüßte die Teilnehmer des Mega-Events der Schiffbauer und Zulieferer.

Neben Fachmessen wie SMM, Internorga und der neuen WindEnergy sind es Publikumsschauen wie Hansepferd, Hanseboot, Mineralien oder Reisen Hamburg, die die Hansestadt einige Tage lang für ein bestimmtes Thema zum Nabel der Welt machen. Während dabei für die Profis Geschäftskontakte und -abschlüsse im Vordergrund stehen, geht es den normalen Besuchern um Ideen für ihr Leben: Rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung über 14 Jahre (48 Prozent) besucht laut Ausstellungs- und Messeausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) zumindest gelegentlich Publikumsmessen, um sich über neueste Produkte oder Leistungen für ihr Hobby oder ihren Haushalt zu informieren. Publikumsmessen haben damit einen erheblichen Stellenwert bei Freizeitgestaltung, Information und Einkauf. Gut 300 Messen, Kongresse sowie kulturelle und kulinarische Veranstaltungen locken Jahr für Jahr mehr als eine Million Besucher aus aller Welt in die Hansestadt.

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Mit ihren modernen Messehallen unter dem Fernsehturm sowie dem Congress Center Hamburg (CCH) am Dammtorbahnhof ist die Hamburg Messe mittlerweile ein prägender Faktor im Stadtbild und ein wichtiger Wirtschaftstreiber für die Metropolregion Hamburg. Aussteller und Besucher bescheren dem örtlichen Einzelhandel, den Hotels und Restaurants und anderen Dienstleistungsbetrieben ein jährliches Umsatzplus von rund 700 Millionen Euro – und geben damit der heimischen Wirtschaft wichtige Impulse.

Angefangen hat alles im Jahr 1365: Vor 650 Jahren gewährte Kaiser Karl IV., Herrscher des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Hamburg das begehrte Messeprivileg: Die Hansestadt durfte jährlich drei Wochen lang um Pfingsten herum eine Handelsmesse abhalten. Der Kaiser, der von Prag aus regierte, wollte Hamburg damit zum nördlichen Endpunkt der Handelsrouten seines Reiches machen – ihr 176 Jahre zuvor gegründeter Hafen war schließlich der ideale Umschlagsplatz für Im- und Exporte. Die norddeutsche Metropole, die damals weniger als 10.000 Einwohner zählte, gehört damit zu den ältesten Messestädten Deutschlands. Schon 18 Jahre später wurde die Pfingstmesse abgeschafft – der Handel auf den übrigen Messen ging aber weiter (s. Panorama S. 6/7). Regelrecht zu florieren beginnt das Messewesen dann im 19. Jahrhundert: Eine vom Hamburger Kaufmann Ernst Freiherr von Merck initiierte „Internationale Landwirtschaftliche Ausstellung“ lockt 1863 innerhalb von zehn Tagen rund 200.000 Besucher aufs Heiligengeistfeld. Von Merck ist es auch, der den Grundstein für das moderne Messewesen in Hamburg legt – mit einem Zoologischen Garten auf dem heutigen Gelände von Planten un Blomen. 1921 findet dort in der Ernst-Merck-Halle die erste „Nordwestdeutsche Frühjahrsmesse für den gesamten Bedarf von Hotel-, Restaurations-, Café- und Großküchenbetreibern“ statt – die Geburtsstunde der Internorga, die im März 2015 zum 89. Mal durchgeführt wird. Das Messegelände ist bereits seit Langem ausgebucht. „Mit 1300 Ausstellern auf einer Ausstellungsfläche von rund 100.000 Quadratmetern bricht Europas wichtigste und größte Messe im Marktsegment alle bisherigen Rekorde“, sagt Bernd Aufderheide, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Messe & Congress.

Durch hochkarätige Kongresse, innovative Ausstellungs- und Side Events sowie den Einsatz moderner Medien behalten Großereignisse wie diese auch im Zeitalter des Internets ihre Anziehungskraft: Messeschauen bleiben entscheidend für die Geschäftsanbahnung, sagt AUMA-Vorsitzender Walter Mennerkes. „Messen eliminieren geografische Nachteile.“ Gerade für Firmen abseits der Metropolen seien sie unverzichtbar. Das spiegelt sich auch im Messebudget der deutschen Wirtschaft wider: Jedes dritte Unternehmen mit Messeerfahrung will 2015 und 2016 mehr für seine Präsenz auf Messen ausgeben, so das Ergebnis einer aktuellen Befragung von 500 deutschen Unternehmen durch TNS Infratest.

Auch wenn virtuelle Kommunikation und Telefonkonferenzen in vielen Unternehmen Einzug gehalten haben: Für die echte Begegnung gibt es keinen Ersatz. „Gerade im digitalen Zeitalter gewinnen persönlicher Kontakt, Vernetzung und Informationsaustausch auf Messen, Kongressen und Tagungen zunehmend an Bedeutung“, sagt Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch. Das empfindet selbst Europas größte Hacker-Vereinigung so, der Chaos Computer Club, der Ende Dezember sein Jahrestreffen im Hamburger CCH mit 12.000 Computer-Freaks aus aller Welt abhielt.

Von der Pfingstmesse bis zum wichtigen Dienstleister für Wirtschaft und Kultur: Aus dem heutigen Leben der Stadt ist die Messe nicht mehr wegzudenken. Als Mitgestalter von Großereignissen wie dem Hafengeburtstag nimmt die Messe einen hohen Stellenwert in der Stadt ein. International ist sie ein wichtiger Botschafter für die heimische Wirtschaft im In- und Ausland – etwa wenn sie deutsche Pavillons auf weltweiten Messen organisiert und gestaltet. „Lokal verankert – global verbunden“ hat die Hamburg Messe ihren Jahresbericht 2013 überschrieben. Tor zur Welt eben.