Innenstadt

Wiener Traditions-Café Wirth macht nach 140 Jahren dicht

Foto: Joost

Es war eine Institution in der Innenstadt: Das Wiener Café Wirth in der Spitalerstraße ist geschlossen. Damit stirbt ein Stück Hamburger Kaffehaus-Kultur. Was geschieht mit dem Gebäude?

Hamburg. Das Wiener Café Wirth galt als Institution in der Innenstadt. Am Standort an der Spitalerstraße 28 – direkt neben der heutigen HSH Nordbank Passage, die nun saniert werden soll – hatte Andreas Wirth bereits 1876 eine Bäckerei gegründet. Doch jetzt, nach fast 140 Jahren, ist Schluss: Das Traditionscafé hat geschlossen.

Auf der golden umrahmten Speisekarte im Eingangsbereich ist auf einem weißen Zettel schlicht „Geschlossen ab 10. Januar“ zu lesen – zum Bedauern vieler Kunden, denn schon Generationen von Hamburgern haben in dem gediegenen Café hausgemachte Torten genossen. In guten Zeiten war das Kaffeehaus stets stark besucht, es gab viele Stammkunden. Auch der Mittagstisch war gerade bei älteren Kunden beliebt. Doch wie kam es nun zu der plötzlichen Schließung? Der Immobilienmakler, der mit der Vermietung der Fläche beauftragt ist, sagte dem Hamburger Abendblatt: „Es lief in letzter Zeit wohl nicht mehr so gut.“ Das Gebäude ist immer noch in Familienbesitz. Das Café war seit vielen Jahren verpachtet. Auch der Juwelier Wempe, der über Jahrzehnte die Fläche im Erdgeschoss gemietet hatte, ist vor Kurzem ausgezogen und hat eine neue Filiale an der Mönckebergstraße bezogen.

Wird die Immobilie verkauft?

Es gibt nun viele Spekulationen: Soll die Immobilie verkauft oder gar abgerissen werden? Denn das Gebäude besteht derzeit nur aus der Ladenfläche im Erdgeschoss, dem Café in der ersten Etage und dem Büro einer Stiftung der Familie. Investoren dürften Schlange stehen, denn hier könnte ein Neubau mit deutlich mehr Fläche entstehen. Es gebe keinen Abriss, beteuert jedoch der Immobilienmakler. Aber: „Das Gebäude muss saniert werden.“

Tatsache ist aber auch: Beim Bezirksamt Mitte liegt nach Abendblatt-Informationen ein Bauantrag der Eigentümer vor, bei dem es „um einen Teilabbruch und eine Teilaufstockung“ der Immobilie geht. Eine Genehmigung steht allerdings noch aus.