Restaurant-Führer 2015

Hamburgs Feinschmeckerszene verliert einen Michelin-Stern

Foto: Patrick Piel

Durch das Aus für die Uhlenhorster „Küchenwerkstatt“ bleiben der Hansestadt noch acht ausgezeichnete Restaurants. Spitzenreiter im Norden mit drei Sternen bleibt das „La Belle Epoque“ in Travemünde.

Hamburg. Die Feinschmeckerszene in Hamburg ist um einen Michelin-Stern ärmer. Weil die „Küchenwerkstatt“ in Hamburg-Uhlenhorst im Sommer geschlossen hat, sei der Stern weggefallen, teilte der französische Restaurantführer „Michelin“ am Donnerstag mit.

Die anderen Sterne-Restaurants konnten ihre Wertungen halten. Wie bisher dürfen sich das „Haerlin“, „Jacobs Restaurant“ und das „Seven Seas“ auf dem Süllberg mit zwei Sternen schmücken. Einen Stern haben weiterhin das „Anna Sgroi“, das „Landhaus Scherrer“, „Le Canard nouveau“, das „Piment“ und das „Se7en Oceans“. Die Höchstwertung sind drei Sterne. Die haben bundesweit elf Restaurants erhalten.

„La Belle Epoque“ weiter Spitzenreiter im Norden

Das „La Belle Epoque“ in Lübeck-Travemünde bleibt auch in diesem Jahr das einzige Drei-Sterne-Restaurant in Schleswig-Holstein. Chefkoch Kevin Fehling bekam in der neuen Ausgabe des Guide Michelin wie zehn Kollegen in Deutschland die Höchstnote.

Nur sieben Bundesländer haben Drei-Sterne-Häuser: Baden-Württemberg (3), Bayern (1), Niedersachsen (2), Nordrhein-Westfalen (1), Rheinland-Pfalz (1), Schleswig-Holstein (1) und Saarland (2).

Ihre zwei Sterne verteidigten im Norden nach den am Donnerstag veröffentlichten Angaben die „Meierei Dirk Luther“ in Glücksburg sowie die Sylter Gourmet-Lokale „La Mer“ in List, das „Fährhaus“ in Munkmarsch und der „Söl'ring Hof“ in Rantum.

Neu aufgenommen in die Garde der Sterne-Küchen wurden das „Restaurant 1797“ in Lütjenburg/Panker (Kreis Plön) und das „Courtier“ in Wangels (Kreis Ostholstein). Es gab auch drei Verlierer. Das „Buddenbrooks“ in Lübeck büßte einen von zwei Sternen ein, das „Gourmetrestaurant Töpferhaus“ in Alt Duvenstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und das „Jörg Müller“ in Westerland auf Sylt verloren ihren Stern. Mit einem Stern können derzeit elf Restaurants im Land werben. Während Sylt sechsmal und die Lübecker Bucht fünfmal auf der Sterne-Liste stehen, ist die Landeshauptstadt Kiel dort weiterhin nicht vertreten.

Niedersachsen hat zwei neue Sterneküchen

In Niedersachsen gibt es zwei neue Sternerestaurants – allerdings musste auch zwei Küchen in Lüneburg und Wilhelmshaven die begehrten Trophäen aus Qualitätsgründen abgeben. Damit gibt es weiterhin zwölf Restaurants in Niedersachsen, die vom „Michelin“-Führer mit mindestens einem Stern ausgezeichnet sind.

Besonders dicht drängen sich die Gourmet-Tempel in Wolfsburg – gleich drei ausgezeichnete Lokale gibt es dort nun. An der Spitze steht das „Aqua“. Es ist neben dem „La Vie“ in Osnabrück eines von nur zwei Restaurants mit drei Sternen in Niedersachsen. Wer dort in den Genuss eines achtgängigen Menüs mit schwarzem Périgord- und weißem Magnatum Pico-Trüffel kommen will, braucht allerdings das nötige Kleingeld: Knapp 500 Euro kostet das Vergnügen. Mit dem „Saphir“ hat Wolfsburg außerdem eine zweite Ein-Stern-Küche bekommen.

Auch Friedland bei Göttingen darf sich nun mit einem Spitzenkoch schmücken: Das „Landhaus Biewald“ konnte einen der begehrten Sterne ergattern. In die Landeshauptstadt scheint es die Spitzenköche hingegen nicht so zu ziehen. Dort gibt es laut „Michelin“-Führer kein Sternerestaurant. Hannoversche Feinschmecker müssen mindestens 25 Kilometer ins „Ole Deele“ in Burgwedel fahren.

Mecklenburg-Vorpommern hat neues Sterne-Restaurant

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ein neues Sterne-Restaurant – allerdings musste auch eine Küche ihren Stern abgeben. Damit bleibt es bei neun Gourmet-Tempeln im Nordosten, die sich mit einem Stern der Tester vom „Guide Michelin“ schmücken dürfen. Mehr als einen schafft jedoch keiner.

Neu aufgenommen in den Kreis der Sterneküchen wurde das „scheel's“ in Stralsund. Seinen Stern abgeben musste das Restaurant „niXe“ in Binz auf Rügen. Acht Lokale – alle in Urlaubsregionen gelegen – verteidigten erfolgreich ihren Michelin-Stern: Die „Ostseelounge“ in Dierhagen auf dem Darß, das „Friedrich Franz“ in Heiligendamm, die „Alte Schule“ in der Feldberger Seenlandschaft, das „Ich weiß ein Haus am See“ in Krakow am See, der „Butt“ in Rostock, das „freustil“ in Binz auf Rügen, das Gutshaus Stolpe und das „Tom Wickboldt“ in Heringsdorf auf Usedom. Die Landeshauptstadt ist offenbar kein Pflaster für Gourmet-Küchen – dort gibt es weiterhin kein Sterne-Restaurant.

Bundesweit 282 Restaurants ausgezeichnet

Der „Michelin“-Restaurantführer 2015 zeichnet bundesweit 282 Häuser mit einem Stern, zwei oder drei Sternen aus – so viele wie nie zuvor. Ein neues Drei-Sterne-Haus machten die Tester jedoch nicht aus. Die Metropolen Berlin, München und Hamburg bleiben damit weiter ohne Lokal in der Top-Liga.

Mit elf Drei-Sterne-Restaurants behauptet Deutschland aber seinen zweiten Platz hinter Frankreich als europäisches Land mit den meisten Adressen in der Königsklasse. „Die deutschen Köche werden einfach immer besser“, sagte der Chefredakteur der Deutschland-Ausgabe des „Michelin“-Führers, Ralf Flinkenflügel.

Drei Restaurants – zwei in Baden-Württemberg und eines in Bayern - rücken neu in die Zwei-Sterne-Kategorie auf; es handelt sich um „Brenners Park-Restaurant“ in Baden-Baden (Koch: Paul Stradner), das „Ammolite – The Lighthouse Restaurant“ im Europa-Park in Rust (Peter Hagen) sowie das „EssZimmer“ in München (Bobby Bräuer). Insgesamt gibt es nun 38 Zwei-Sterne-Lokale, auch dies ist Rekord.

Bei den Ein-Sterne-Lokalen kommen 31 neue hinzu. Ihre Zahl erhöht sich damit auf 233. Die Ergebnisse der Tester spiegelten die dynamische und kreative Entwicklung der deutschen Küche wider, sagte Flinkenflügel. „So langsam erfährt sie die Beachtung, die sie verdient.“ Deutschland entwickele sich zu einem kulinarischen Hotspot.