Bildung

Die wichtigsten Neuerungen zum Unterrichtsstart in Hamburg

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Hanna-Lotte Mikuteit

Zahl der Schüler steigt um 3000. Insgesamt 14.100 Jungen und Mädchen starten am Dienstag an einer staatlichen Schule. Das sind die bedeutendsten Veränderungen im neuen Schuljahr.

Hamburg. Während die meisten Schüler in Hamburg dem Unterrichtsbeginn nach den Sommerferien am morgigen Donnerstag wohl eher mit Bedauern entgegensehen, hatte Schulsenator Ties Rabe (SPD) bei der alljährlichen Vorschau auf das neue Schuljahr richtig gute Laune. Bei den Schülerzahlen verzeichnet die Hansestadt erneut einen Aufwärtstrend. Statt weniger wie in anderen Bundesländern gibt es in der Hansestadt 3000 Schüler mehr. Insgesamt sind es 243.200.

Allein bei den Erstklässlern beträgt das Plus 800 Kinder. Insgesamt 14.100 Jungen und Mädchen starten am Dienstag an einer staatlichen Schule, dazu kommen 2000 an Privatschulen. Zuwächse gibt es vor allem in den innerstädtischen Regionen Altona und Eimsbüttel sowie in Sasel und Wellingsbüttel. Hier zeige sich, so der Senator, „dass die Verbesserungen der innerstädtischen Infrastruktur und der Bildungsangebote dazu führt, dass Familien mit Kindern nicht mehr an den Stadtrand ziehen, sondern in der Stadt bleiben“.

Zudem konnte der Ressortchef eine Rekordbeteiligung an den immer wieder kritisierten Ganztagsangeboten vermelden. Knapp 44.000 Grundschüler bleiben demnach künftig auch nachmittags in der Schule, das sind fast 75 Prozent. „Das zeigt, wie hoch der Bedarf ist“, sagte Rabe, der die Rekordanmeldung auch als Vertrauensbeweis wertet.

Da passt es gut, dass es wenige Stunden zuvor Rückenwind von unerwarteter Seite gegeben hatte. Der Bildungsreport 2014, eine bundesweite Vergleichsstudie über die Bildungssysteme des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln, hatte dem Hamburger Schulsystem Verbesserungen attestiert. „Die Aussagekraft vieler Bildungsstudien ist zwar begrenzt, aber ich freue mich darüber, dass immer mehr Experten den massiven Ausbau von Ganztagsschulen, den der Senat betreibt, positiv bewerten“, sagte Rabe dem Abendblatt. Das sind die wichtigsten Veränderungen im neuen Schuljahr:

Grundschulen

In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl von 49 Ganztagsgrundschulen auf 202 gestiegen. Davon bieten 124 eine ganztägige Betreuung gemeinsam mit einem Kooperationspartner an, das sogenannte GBS-Modell. 78 Schulen sind klassische Ganztagsschulen.

Rechtschreiboffensive

Um die Rechtschreibung zu verbessern, wird schrittweise zum kommenden Schuljahr ein Basiswortschatz mit 785 Wörtern eingeführt. Er soll helfen, den Unterricht auf wichtige und häufig gebrauchte Wörter zu konzentrieren.

Schwimmunterricht

Schwimmunterricht findet künftig nur noch in der Grundschulzeit statt, jeweils in einem Halbjahr in Klasse 3 und Klasse 4. Für zwei Klassen stehen drei Schwimmlehrer zur Verfügung. Zusätzlich wird es Schwimmförderung geben.

Stadtteilschulen

Die Lernbereiche „Naturwissenschaften“ und „Geisteswissenschaften“ werden aufgelöst. Stattdessen gibt es wieder die klassischen Unterrichtsfächer Biologie, Chemie, Informatik, Physik, Geografie, Geschichte und PGW. Außerdem wird die Berufsorientierung mit zwei Wochenstunden verstärkt.

Kleine Klassen

Die durchschnittliche Klassengröße an den Grundschulen ist leicht gestiegen und liegt jetzt bei 21,1 Schülern (2013: 20,9), an den Stadtteilschulen sind es 21,1 Schüler (21,9). Rechnerisch zwei Schüler weniger sitzen jetzt in Gymnasialklassen: Die Zahl sank von 26,8 im Vorjahr auf 24, 3.

Turboabi

Beim achtjährigen Weg zum Abitur an Gymnasien gibt es künftig Obergrenzen für die Wochenstundenzahl. In Klasse 5/6 sind es 30/31 Wochenstunden, in den Jahrgängen 7 bis 10 dürfen nicht mehr als 34 Stunden Unterricht pro Woche erteilt werden. Auch für die Verteilung der Klassenarbeiten gibt es klare Festlegungen. Danach sollen pro Woche nicht mehr als zwei, pro Monat nicht mehr als sieben Leistungsnachweise geschrieben werden.

Als erste Reaktion warf die CDU dem Senat „Etikettenschwindel in Sachen Ganztagsbetreuung vor“. „Die Zahlen zu den Ganztagsschulen beschreiben den quantitativen Ausbau der Nachmittagsbetreuung und haben mit guten Ganztagsschulen nichts zu tun“, sagte die schulpolitische Sprecherin, Karin Prien. Nur bei 37 Prozent der Grundschulen handele es sich um echte Ganztagsschulen, bei den übrigen lediglich um Angebote der ganztägigen Bildung und Betreuung, bei denen eine Verzahnung von Vormittag und Nachmittag kaum stattfinden könne. „Gleichzeitig herrschen an vielen Hamburger Grundschulen sehr unbefriedigende Zustände in der Nachmittagsbetreuung“, so die Schulexpertin.

Auch die Linksfraktion übte Kritik an der Qualität der Ganztagsbetreuung. „Enttäuschend ist auch, dass Senator Rabe das Thema Inklusion gar nicht angesprochen hat“, kritisiert die Fraktionsvorsitzende Dora Heyenn. Rabe hatte für diesen Bereich einzig ein neues Verfahren für die Erkennung des sonderpädagogischem Förderbedarfs von Schülern angekündigt.

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