Verzögerung an Sophienterrasse

Fläche soll frühestens Ende Juni 2015 als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stehen. Ärger um Unterkunft in Billbrook.

Harvestehude/Billbrook. Das städtische Unternehmen fördern und wohnen (f&w) kann den Zeitplan für die Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft mit 220 Plätzen im ehemaligen Kreiswehrersatzamt an der Sophienterrasse nicht einhalten. Ursprünglich sollte das Gebäude in diesem Herbst bezogen werden. Nun sei die Fertigstellung für Ende Juni 2015 geplant, so Sprecherin Christiane Schröder auf Abendblatt-Anfrage. Allerdings musste f&w einräumen, dass es nur einen „groben Terminplan“ gebe.

Nach Abendblatt-Informationen wurde immer noch kein Bauantrag für den Umbau des Bürogebäudes zur Flüchtlingsunterkunft beim zuständigen Bezirksamt Eimsbüttel eingereicht. Allein die Bearbeitung kann aber mehrere Monate in Anspruch nehmen: „Erst wenn eine Baugenehmigung vorliegt, können die Bauleistungen bundesweit ausgeschrieben werden. Wie viel Zeit dieses Prozedere in Anspruch nimmt, kann erst abgeschätzt werden, wenn die zugehörigen Leistungsverzeichnisse vorliegen“, sagt Christiane Schröder. Insofern erscheint der für Ende Juni 2015 geplante Bezugstermin als unrealistisch.

Zuvor mussten bereits die Planungsleistungen für den Umbau des Hauses europaweit ausgeschrieben werden – auch ein sehr zeitaufwendiger Vorgang. Diese Ausschreibung ist inzwischen abgeschlossen. Den Zuschlag, es hatten sich zwölf Unternehmen beteiligt, hat das Hamburger Plan-R-Architektenbüro Joachim Reinig erhalten.

Auch in der Sozialbehörde, die fördern und wohnen mit der Planung und Durchführung beauftragt hat, ist eine gewisse Ungeduld zu spüren. Das müsste alles viel schneller gehen, denn die Fläche würde dringend für die Unterbringung von Flüchtlingen benötigt, hieß aus Behördenkreisen.

Kritik kommt auch vom CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Andreas Wankum: „Aktionismus steht für fördern und wohnen offensichtlich vor sorgfältiger Planung.“

Die Stadt Hamburg hatte das Gebäude in bester Lage unweit der Alster für rund 15 Millionen Euro gekauft. Der Umbau soll laut f&w rund 4,8 Millionen Euro kosten – macht insgesamt etwa 20 Millionen Euro.

Die Stadt braucht dringend Plätze für Flüchtlinge. Im Jahr 2013 wurden 3207 Erstanträge auf Asyl in Hamburg gestellt. Das sind 71 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Innenbehörde rechnet damit, dass die Zahl der Flüchtlinge um noch einmal 28 Prozent auf 4100 ansteigt.

Deshalb sind die Bezirke gefragt, möglichst viele Flächen zur Verfügung zu stellen. Auch der Bezirk Mitte. Bis zu 600 Plätze könnten nach Abendblatt-Informationen auf einer Brachfläche an der Berzeliusstraße in Billbrook entstehen. Die Zahl bestätigte auch die Sozialbehörde auf Nachfrage. Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) sagte: „Dieses Gelände würde sich als Flüchtlingsunterkunft eignen, deshalb haben wir uns jetzt auf eine konkrete Prüfung der Fläche verständigt.“

Das Gelände hat allerdings eine bewegte Vergangenheit: Dort gab es schon einmal eine Flüchtlingsunterkunft. In den 90er-Jahren lebten hier, von der Außenwelt weitgehend isoliert, Hunderte Flüchtlinge. Es herrschten slumähnliche Zustände. Das Heim wurde nach dem Tod eines verwahrlosten Bewohners im Jahr 2002 geschlossen und abgerissen. Bezirksamtschef Grote betont: „Die Zustände von damals darf es nie wieder geben. Wenn an der Burzeliusstraße eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet wird, dann muss es vor Ort ein besonders intensives Betreuungsangebot geben.“

Allerdings will der Billstedter CDU-Bürgerschaftsabgeordnete David Erkalp die Unterkunft verhindern: „Wir sind klar dafür, den Flüchtlingen zu helfen, aber wir protestieren energisch gegen neue Zuweisungen.“ Es sei den Billstedter Bürgern nicht mehr zuzumuten, nachdem sie jahrzehntelang Gastfreundschaft und Solidarität gewährt haben, weitere Plätze zur Verfügung zu stellen, so Erkalp weiter. Der CDU-Politiker fordert: „Nun müssen auch mal andere Stadtteile Flächen zur Verfügung stellen.“ Die Berzeliusstraße ist zwar im Stadtteil Billbrook, grenzt aber an Billstedt.

Für SPD-Fraktionschef Falko Droßmann steht fest: „Wir sind gegen eine dauerhafte Unterbringung. Allerdings würden wir einer temporären Containerlösung zustimmen, weil es einen dringenden Bedarf gibt.“

Fakt ist: In Billstedt gibt es bereits Flüchtlingsunterkünfte am Billstieg mit rund 620 Bewohnern und am Billbrookdeich mit 124 Bewohnern.