Kritik von den Grünen

„Neuer Verkehrsplan macht Hamburg nicht zur Fahrradstadt“

Senat will rund um die Alster Fahrradstraßen, Tempo-30-Zonen, sowie breitere Geh- und Fußwege schaffen. Grüne bezeichnen Vorstoß als „enttäuschenden Plan“.

Hamburg. Breitere Fuß- und Gehwege, Fahrradstraßen, Tempo-30-Zonen: Die Hamburger Verkehrsbehörde hat am Donnerstag ein neues Verkehrskonzept für die Wege und Straßen rund um die Alster vorgestellt.

Damit reagierte die Behörde auf die Zunahme des Radverkehrs in der Hansestadt. Besonders die Radwege rund um die Außenalster zählen zu den am stärksten genutzten der Stadt. Die Wege sind allerdings streckenweise in einem desolaten Zustand, die Aufteilung nicht mehr zeitgemäß, oftmals geraten Fußgänger und Fahrradfahrer aneinander.

Durch das neue Konzept soll dies geändert werden. Dabei ist ein wesentliches Element die Einrichtung von Fahrradstraßen. Konkret heißt das, dass dort Radwege auf ganzer Breite der Fahrbahn eingerichtet werden und Autos eher als Gäste verstanden werden. Fahrradfahrer dürfen auf den Spezialstraßen nebeneinanderfahren. Der Anliegerverkehr ist zwar zugelassen, aber auf Tempo 30 beschränkt. Parkplatz- und Vorfahrtregelungen sollen bestehen bleiben.

Vorgesehen für dieses Konzept sind die Straßen Bellevue, Fährhausstraße, Schöne Aussicht, Eduard-Rhein-Ufer, Alsterufer und Harvestehuder Weg.

Auf den übrigen Abschnitten rund um die Alster soll es individuelle Lösungen geben, die gewährleisten sollen, dass Fußgänger und Radfahrer jeweils mehr Platz erhalten.

Grundsätzlich sollen, da wo es möglich ist, die Gehwege verbreitert werden. Außerdem sollen Fahrradfahrer und Fußgänger stärker voneinander getrennt werden.

Überdurchschnittlich hohes Radverkehrsaufkommen

Messungen der Verkehrsbehörde haben ergeben, dass Verkehrsaufkommen des Radverkehrs rund um die Alster teilweise deutlich über dem Autoverkehr liegt. Am Leinpfad beispielsweise sind werktags zwischen 6 und 19 Uhr rund 1300 Radfahrer unterwegs, dagegen nur 460 Autos. Ähnlich an der Schöne Aussicht: hier sind es 1400 Radfahrer, 2800 Fußgänger und 1000 Kfz.

„Dieser erfreulichen Entwicklung wollen wir Rechnung tragen und durch gute Angebote noch mehr Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad motivieren“, sagte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). „Mit einer Neuaufteilung der vorhandenen Verkehrswege schaffen wir die Voraussetzung für eine zukunftsfähige Mobilität rund um die Außenalster, die eines der wichtigsten Aushängeschilder Hamburgs ist.“

Kritik kommt von Hamburgs Grünen

Als einen enttäuschenden Plan wird der Vorstoß hingegen von Hamburgs Grünen bezeichnet. „Es wird nur dort der Radverkehr bevorzugt, wo es nicht weh tut“, sagte Till Steffen, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion am Donnerstag.

„An den Engpass der Straße An der Alster traut sich Senator Horch nicht ran. Dabei wäre mit der Umwidmung einer Fahrspur für den Radverkehr das Problem gelöst“, so Steffen weiter.

Den Grünen Vorschlag für einen Rundkurs um die Außenalster hatte die SPD 2011 abgelehnt.

Knackpunkt am aktuellen Plan sei der Umgang mit dem Radverkehr an der vierspurigen Straße ‚An der Alster‘. „Wäre die Horch-Behörde konsequent, würde sie hier eine Fahrspur dem Radverkehr zuschlagen. Die Beeinträchtigungen für den Autoverkehr wären minimal, der Gewinn für den Radverkehr dagegen wäre enorm.“

Außerdem: „Es gibt weder einen Zeitplan, noch ist die Frage der Finanzierung geklärt. Mit der Einrichtung von Fahrradstraßen behält der Autoverkehr genauso viele Spuren wie bisher – an teilweise sehr wenig befahrenen Straßen“, so Steffen. “Der jetzige Plan ist zwar besser als der bisherige SPD-Stillstand, dies reicht aber nicht, um Hamburg zu einer Fahrradstadt zu machen.“