Skurriles Kulturprojekt

Hamburger überlassen fremden Menschen ihre Wohnung

Wagemutige mit Lust auf einen Tapetenwechsel könnten daran gefallen finden: Mit dem Kulturprojekt „Hotel Hamburg“ sollen Hamburger ihre Wohnung an andere Hamburger vermieten - und sich selbst in fremden Wohnungen einquartieren.

Hamburg. Mit dem Kulturprojekt „Hotel Hamburg“ lernen Hamburger ihre Stadt neu kennen: In der Zeit vom 3. bis 20. Juli können sie ihre Wohnung einem fremden Hamburger überlassen, und sich selbst in einem anderen Stadtteil einquartieren. Die eigene Stadt werde damit zum Urlaubsort, sagte Initiator Jan Holtmann bei der Vorstellung am Donnerstag. „Wir schaffen ein Hotel, bauen aber kein Gebäude.“

Die „Lobby“ des zweiwöchigen Hotels ist ein umgebautes Ladenlokal im Uni-Viertel (Grindelallee 117). Hier können Hamburger, die eine Wohnung oder ein Zimmer bereitstellen, ihre Schlüssel für eine oder mehrere Nächte abgeben und zugleich die Schlüssel für ihr neues Heim in einem anderen Stadtteil in Empfang nehmen. „Kosten in Euro: null. Wichtigste Währung: Vertrauen.“ Wer dann in der eigenen Wohnung übernachtet hat, bleibt offen. Wer mag, kann aber eine Nachricht hinterlassen und anschließend auch Kontakte knüpfen.

Begleitet wird „Hotel Hamburg“ von einem Kulturprogramm. In der „Lobby“ ist abends Musik Barmusik zu hören. Der Hamburger Musiker Rev. Christian Dabeler hat dafür eigens eine melancholische Ballade komponiert, die jede Band auf ihre Weise präsentiert. Daneben gibt es „Mobile Hotelbars“: Die Kulturbehörde hat eine Kegelbahn, das Sozialkaufhaus „stilbruch“ einen Tanzsaal und das Thalia-Theater in der Hafencity einen Garten-Pavillon eingerichtet.

Ein Dauer-Urlaub ist allerdings nicht vorgesehen. Jeder Gast kann maximal zwei Nächte in einer Wohnung bleiben. Theoretisch sind 17 Übernachtungen in verschiedenen Unterkünften möglich. Wer nur für eine Nacht mitmachen will, ist genauso willkommen. Ein ähnliches Projekt wurde im vorigen Jahr im Köln organisiert.