HafenCity

Stadtteilinitiativen verlangen mietfreie Flächen

Hamburger Garten-, Wohn- und Kulturprojekte protestieren mit der Kampagne „Solidarische Raumnahme“ in der HafenCity für Austausch und Toleranz und gegen Verdrängung.

HafenCity. „Lage, Lage, Lage!“, lautet die erste Regel der Immobilienbranche, wenn sich die Arbeit lohnen soll. Kein Wunder, dass der Start der Kampagne „Solidarische Raumnahme“ auf den Magellan-Terrassen stattfand, in Toplage, mit der Elbphilharmonie-Baustelle als kostenintensiver, symbolträchtiger Kulisse. Über ein Dutzend Vertreter von soziokulturellen Einrichtungen waren an diesen Fotomotivort gekommen, dessen Ästhetik Welten entfernt ist von den Lebenswirklichkeiten in ganz anderen Stadtteilen.

Hier wollten sie am Freitagmorgen kollektiv Widerspruch gegen die Behandlung ihrer ehrenamtlichen Arbeit durch den Senat und städtische Organisationen einlegen. Geeint werden die meisten dieser Stadtteilzentren, Kulturzentren, Garten- und Wohnprojekte – ob städtisch gefördert oder nicht, ob amtlich geschätzt oder geduldet – durch die Notwendigkeit, ihr Tun auch durch Mietzahlungen mitzufinanzieren.

Auf Leitern postiert und teilweise unter Tiermasken verlasen die Initiativenvertreter ihre Statements, für die es immer wieder Szenenapplaus gab: „Wir schaffen Räume zum Zusammenkommen, fördern Austausch und Toleranz, leisten Widerstand gegen Verdrängung“, hieß es. „Wir schaffen Kultur und keine kreative Klasse. Politik und Verwaltung legen an gemeinnützige Projekte die gleichen Maßstäbe an, wie sie auch für privatwirtschaftliche Immobilienentwickler gelten. Was uns fehlt, ist Planungssicherheit.“

In einer Solidaritätserklärung der geförderten Zentren heißt es: „Mit Sorge beobachten wir den Versuch, unsere Arbeit gegeneinander aufzurechnen, die Umschichtung von Geldern von einem unterfinanzierten Zentrum zum anderen. Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen und solidarisieren uns mit der Forderung: Schluss mit Mieten- und Profitzwang!“ In den nächsten Wochen sollen Veranstaltungen daran erinnern, dass es in Hamburg Menschen und Initiativen gibt, denen das Konzept der „unternehmerischen Stadt“ weniger wichtig ist als das „solidarische Gemeinwesen“.

Aus der Finanzbehörde hieß es zu dieser Protestkampagne: „Wir nehmen das zur Kenntnis. Städtische Flächen umsonst zu erhalten, diesen Wunsch haben alle ständig. Das halten wir aus. Es steht jeder Initiative frei, sich über die Kulturbehörde Mietzuschüsse zu organisieren.“

Weitere Informationen: www.raumnahme.de