Verkehr in Hamburg

Große Mehrheit der Hamburger ist gegen Busbeschleunigung

Eine große Abendblatt-Umfrage ergibt: 77,6 Prozent der Hamburger sind gegen das Busbeschleunigungsprogramm des Senats. Gefordert wird stattdessen ein Ausbau der U-Bahn- und Radwege-Netze.

Hamburg. Das Busbeschleunigungsprogramm des Senats fällt bei den Hamburgern durch: In der großen Abendblatt-Umfrage unter Lesern der Zeitung und Nutzern der Internetseite abendblatt.de sprachen sich insgesamt 77,6 Prozent dagegen aus, nur 22,4 Prozent halten das 259-Millionen-Euro-Programm für zügigere Busverbindungen für sinnvoll. Insgesamt nahmen rund 4500 Hamburger an der Befragung teil. Zugleich plädiert eine überraschend große Mehrheit von 71,9 Prozent der Hamburger für massive Investitionen in Hamburgs Radwegenetz.

Auch andere kontroverse Fragen der Verkehrspolitik wurden in der Fragebogenaktion relativ klar beantwortet: 42,9 Prozent befürworten den Bau einer Stadtbahn, 57,1 Prozent lehnen hingegen diese Form der Straßenbahn ab. Während Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) einer Stadtbahn aus Kostengründen im Wahlkampf 2011 eine Absage erteilt hat, plädieren CDU, Grüne und Linkspartei inzwischen für den Bau. Scholz hat vor Kurzem angekündigt, im nächsten Jahrzehnt eher mit weiteren U-Bahnen zu planen. Hier weiß er nun eine Dreiviertelmehrheit der Hamburger hinter sich – 75,1 Prozent sind der Meinung, die Stadt benötige zusätzliche U-Bahn-Strecken.

Deutlich zurückhaltender bewerten die Hamburger den Straßenbau. 63,2 Prozent plädieren gegen den Ausbau der Autobahnen auf Hamburger Gebiet, nur 36,8 Prozent wollen beispielsweise einen geschlossenen Autobahnring um die Stadt. Auch die jetzt begonnene Überdeckelung der A 7 stößt auf ein geteiltes Echo. Die damit einhergehenden Verkehrsbehinderungen spiegeln sich offenbar schon in den Zahlen. Nur 43,7 Prozent sind der Meinung, die geplanten drei Lärmschutzdeckel an der Autobahn 7 seien nötig.

Eine überwältigende Mehrheit lehnt eine Sondersteuer für die Investitionen in die Infrastruktur ab, die Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig ins Gespräch gebracht hatte. Nur 14,5 Prozent unterstützen den Vorstoß des SPD-Politikers.

Eine Mehrheit der Hamburger spricht sich für die Elbvertiefung aus – hierbei kam es aber zu Auffälligkeiten. Fast 75 Prozent der Leser, die den Fragebogen auf Papier ausgefüllt haben, fordern eine Fahrrinnenanpassung – auch online lag die Zustimmung zunächst bei rund 72 Prozent. Im weiteren Verlauf stieg die Wahlbeteiligung überdurchschnittlich an, so dass der Vorsprung der Befürworter am Ende auf 55 zu 45 Prozent schmolz. Bei Online-Umfragen kommt es immer wieder zu Einflussnahmen interessierter Kreise – so wird in sozialen Foren dazu aufgerufen, für die eine oder andere Position zu stimmen. Entsprechend vorsichtig sollte man deshalb auch bei der Mehrheit für eine City-Maut sein, für die sich 56,5 Prozent der 6600 Teilnehmer aussprachen: Auf den Fragebögen lehnten 71,4 Prozent die Gebühr ab. Abgesehen von den Fragen zur Elbvertiefung und zur City-Maut stimmten rund 4500 Hamburger ab, eine Zahl, die repräsentative Ergebnisse ermöglicht. Frühere Umfragen des Abendblatts und auf abendblatt.de bildeten das spätere Abstimmungsverhalten (etwa beim Netzerückkauf) statistisch treffend ab.