Infrastruktur

Hamburg erhält zahlreiche neue Radwege

Im Herbst treffen sich Hamburger Behördenleiter zum 2. Fahrradgipfel. Bis dahin soll es sichtbare Ergebnisse geben. Doch nicht allen geht es schnell genug.

Hamburg. Lange Staus vor Straßenbaustellen, Streit um Busbeschleunigung, Stadtbahn und U-Bahn-Ausbau: Die Verkehrspolitik in Hamburg ist derzeit ein viel diskutiertes Thema. Nebenher wird aber auch das Hamburger Radwegenetz in der Hamburger Bezirken vorangetrieben. Vor allem nach dem ersten großen Fahrradgipfel mit Bürgermeister, Bezirksamtsleitern und vielen Behördenchefs im Herbst 2013 sind vielerorts verstärkt Anstrengungen zu sehen – die allerdings unterschiedlich bewertet werden. „In das Thema ist richtig Bewegung gekommen“, verkündet Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof im Gespräch mit dem Abendblatt. „Viele Worte, wenig Taten“, sagt indes Dirk Lau, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Hamburg. Aber immerhin: „Es gibt auch einiges Positives“, sagt Dirk Lau und bezieht sich dabei vor allem auf die Arbeit in den Bezirken, die nun erstmals Radverkehrskonzepte aufstellten.

Ein zweiter großer Fahrradgipfel ist für diesen Herbst geplant. „Und dort will der Bürgermeister sichtbare Ergebnisse sehen“, sagt Staatsrat Rieckhof. Tatsächlich werden in den Bezirken mit unterschiedlicher Intensität vor allem neue Fahrradstreifen auf den vorhandenen Straßen angelegt. Mal sind es „Radfahrstreifen“ mit durchgezogener, weißer Linie: Dort dürfen nur Radler fahren. Oft sind es aber auch wegen der Enge der Fahrbahn lediglich „Schutzstreifen“, die mit einer gestrichelten Linie gekennzeichnet sind.

Fährt dort kein Fahrradfahrer, kann der Streifen ausnahmsweise auch von Autofahrern genutzt werden. Halten bis zu drei Minuten ist dort ebenfalls erlaubt. Sichtbar und auch als „Signal“, so Rieckhof, sollen zudem links und rechts an der Alster zwei große Fahrradachsen entstehen. Zu großen Teilen sollen sie auf reinen Fahrradstraßen geführt werden, die dann quasi nur noch von Anliegern mit Autos befahren werden dürfen und wo Räder Vorfahrt haben. Wo genau diese Wege verlaufen werden und wie die Verkehrsführung im Detail aussehen wird, steht noch nicht fest. Allerdings sollen die Pläne laut Staatsrat noch in diesem Sommer präsentiert werden.

Ein zweites „sichtbares Signal“ werde auch die für diesen Juli geplante Eröffnung des sogenannten Großmarktradwegs darstellen. Zusammen mit den bereits fertigen Promenaden im Bereich Stadtteich und der Hochwasserstraße Billhafen stelle dieser 1,7 Kilometer neue Abschnitt dann einen „Lückenschluss“ für eine durchgehende Radwegverbindung zwischen Innenstadt und den Vier- und Marschlanden dar, also ein Weg von der Stadt zu den vielen beliebten Radtourstrecken im Bezirk Bergedorf.

Auch bei den eigentlichen Radwegen soll sich der Behörde zufolge in nächster Zeit einiges ändern. Das Netz der schmalen roten Radwege ist in Hamburg zwar 1500 Kilometer lang. Doch es entstammt noch einer Verkehrsphilosophie, die dem Auto absoluten Vorrang einräumte. Eng, oft kaputt sind diese alten Radwege, die zudem meist direkt auf Gehwegen verlaufen – was oft zu Konflikten führt, weil sie von Fußgängern kaum als Radwege wahrgenommen werden.

Hamburg setzt daher schon seit einiger Zeit mehr darauf, dass Radler die Straßen benutzen. 700 von 900 Einbahnstraßen sind für Radler beispielsweise mittlerweile freigegeben worden, sodass sie dort in beide Richtungen fahren dürfen. Etwa 40 Kilometer Radfahr- und Schutzstreifen kommen in diesem Jahr hinzu, mehr als in den Vorjahren. Und das gesamte, alte Radwegenetz soll jetzt überprüft werden. Wo die rot gepflasterten Wege zu schmal sind, sollen sie den Gehweg zugeschlagen werden und Radler stattdessen auf die Straße ausweichen. Staatsrat Rieckhof: „Ein Drittel dieser alten Radwege dürfte dann wegfallen.“

Grundlage der Hamburger Radverkehrspolitik soll weiter das bestehende Veloroutenkonzept sein, das bereits in den 90er-Jahren aufgelegt worden war. Es sieht ein spinnennetzartiges System von Radrouten auf Nebenstraßen vor, die vom Zentrum an den Stadtrand führen. Noch gleicht die Fahrt auf diesen Routen oft aber einer Schnitzeljagd, komplett ist keine einzige Veloroute, und Radler stehen verwundert an Kreuzungen, um Hinweise für den weiteren Verlauf zu suchen. Aber die Bezirke bauen in diesem und im kommenden Jahr viele Abschnitte aus, wie sich aus dem Fortschrittsbericht der Verkehrsbehörde ergibt. Unüberschaubar ist das Netz teilweise dennoch. „Von einem Flickenteppich“, spricht daher ADFC-Mann Dirk Lau. Verkehrsstaatsrat Rieckhof sieht das anders. „Ich würde das nicht als Flicken sehen, sondern als Mosaiksteinchen, die sich bald zusammenfügen.“