Prozess der Woche

Hamburger entwendet 13.000 Euro für einen Voodoo-Priester

Voodoo wird in Deutschland meist belächelt, ein junger Mann wurde für den Zauber zum Betrüger: Nach einem Afrika-Besuch zahlte der 23-Jährige regelmäßig Geld an einen Priester - das er aus seiner Firma entwendete.

Ans Leugnen hat er keinen Moment gedacht. Damals, als sein Schwindel bei seinem Arbeitgeber aufflog und er nur noch mit hängenden Schultern dastand, zerknirscht, aber auch ratlos. „Ich kann mich niemandem anvertrauen“, murmelte Ron B. (Name geändert). „Niemand kann verstehen, was ich gerade durchmache.“

Tatsächlich wird jetzt, Monate später, deutlich, dass der 23-Jährige mit seiner düsteren Ahnung kaum übertrieben hat. So fremd, so exotisch wirkt sein Erklärungsversuch, warum er als bis dahin unbescholtener Mann mit besten Aussichten auf eine beneidenswerte Karriere zum Betrüger wurde. Er habe regelmäßig Geld an einen Voodoo- Zauberer zahlen müssen, erzählt der junge Mann. „Der Voodoo-Priester ist zuständig für die Gesundheit. Er war der Meinung, dass ich Schutz brauche vor bösen Geistern.“ Voodoo-Zauber: Diesen Begriff hat die Mehrheit der Menschen im Gerichtssaal bisher wohl nur in Fantasy-Filmen verortet – und nicht in die deutsche Strafjustiz. Und nun werden sie Zeuge, wie ein so bodenständig wirkender Hamburger mit gutem Job bei einem angesagten Textilunternehmen von „notwendigen Opfergaben“ und „bösen Mächten“ spricht.

Und von jenem Voodoo-Priester, den er vor zwei Jahren bei einem Urlaub in seinem afrikanischen Herkunftsland kennengelernt habe. „Er konnte mir genau sagen, wie es mir geht, wie mein Tagesablauf ist und was passieren wird“, erzählt der Angeklagte. Deshalb habe er immer wieder heimlich Geld vom Firmenkonto abgezweigt, insgesamt gut 13.000 Euro in zehn Monaten. Heute stehe er ganz anders zu dem Zauber. „Ich zahle nicht mehr, und es geht mir trotzdem gut und meiner Familie auch. Ich glaube, dass ich da etwas sehr Dummes gemacht habe.“ Insbesondere wenn man bedenkt, dass der Voodoo-Priester ihm damals auch versprochen habe zu helfen, „die Karriereleiter hochzuklettern“. Tatsächlich war das Gegenteil der Fall. Denn als die illegalen Abbuchungen aufflogen, war Ron B. seinen Arbeitsplatz unverzüglich los.

Aufgeflogen war der Betrug, nachdem ein rätselhafter Verlust über 2200 Euro aufgefallen war und ein Vorgesetzter der Sache nachspürte. 13 einzelne, illegale Abbuchungen kamen schließlich ans Licht, Beträge von 218 bis 4320 Euro. An der Software sei manipuliert und so der Computerbetrug möglich geworden, erklärt der Vorgesetzte vor dem Amtsgericht als Zeuge. „Es gab da bei uns eine Sicherheitslücke, die hat er ausgenutzt“, berichtet der 34-Jährige, ohne jedoch auf die Details einzugehen. Als er Ron B. seinerzeit mit den Vorwürfen konfrontierte, so der Zeuge, „hat er den Betrug sofort zugegeben. Er wirkte peinlich berührt und irgendwie erleichtert.

Ein Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung wegen gewerbsmäßigen Betrugs lautet am Ende das Urteil der Amtsrichterin, die damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgt. Den Schaden muss Ron B. wieder gutmachen. Sie maße sich nicht an, „über Voodoo-Zauber zu urteilen“, so die Richterin. „Aber dass viele in unserem Kulturkreis das womöglich belächeln, wird Ihnen klar sein.“ Sein Job sei es gewesen, Vermögensschäden zu verhindern. „Und ausgerechnet derjenige schädigt seine Firma, und das mit einem durchgeplanten und hoch professionellen Vorgehen“, so die Richterin. „Da hat man wirklich den Bock zum Gärtner gemacht.“