Germany’s next Topmodel

Die eine will die Model-Krone, die andere das Ende von GNTM

Zum GNTM-Finale in Köln reisen zwei Hamburgerinnen mit ganz unterschiedlichen Intentionen an: Während Jolina die Modelkrone ergattern will, möchte Stevie Schmiedel den Modelwahn mit einer Protestaktion stoppen.

Hamburg/Köln. Lange haben zwei Hamburgerinnen auf diesen Tag gewartet – allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen: Am heutigen Donnerstag wird in der Kölner Lanxess Arena vor rund 15.000 Zuschauern die Siegerin der neunten Staffel von Heidi Klums Model Show Germany‘s next Topmodel gekürt. Und während die 17-jährige Jolina aus Hamburg versucht, sich im Finale gegen ihre Konkurrentinnen Ivana (18) aus Bad Homburg und Stefanie (17) aus Kaiserslautern durchzusetzen, veranstaltet die Hamburger Genderforscherin Stevie Schmiedel von der Kampagne Pinkstinks eine große Protestaktion gegen die Modelshow.

Am Kölner Dom, nicht weit von der Lanxess Arena, wollen Schmiedel und ihre Mitstreiterinnen mit Musik, Poetry Slam und Straßentheater zeigen, „dass man auf viele Arten top sein kann – ob Model oder nicht“. Alle, die keine Lust auf Perfektion und Magerwahn haben, sind zu der Protestparty ab 16 Uhr eingeladen.

Nach Ansicht von Stevie Schmiedel ist Heidi Klums Modelshow mit dafür verantwortlich, dass immer mehr Mädchen an Essstörungen leiden. „Immer mehr Mädchen fühlen sich dick, ohne dick zu sein“, meint die 41-Jährige. Laut Robert-Koch-Institut leide jedes dritte jugendliche Mädchen unter Symptomen einer Essstörung, so Schmiedel. „Das Selbstbewusstsein von Mädchen hat sich seit dem Start der Sendung halbiert.“

Mit der Kampagne Pinkstinks kämpft Schmiedel gegen die „Pinkifizierung“ der Gesellschaft – also gegen alle Formen von Produkten und Werbeinhalten, die eine stereotype Darstellung von Geschlechterrollen fördern. Bereits vor der achten GNTM-Staffel haben Schmiedel und ihre Pinkstinks-Mitstreiter mit einem Straßentheaterprojekt in mehreren deutschen Städten gegen die Außenwerbung der Sendung protestiert, die Mädchen Schmiedels Ansicht nach ebenfalls ein verzerrtes Körperbild vermittelte. Und dieser Protest habe Wirkung gezeigt: „Es waren deutlich weniger Plakate im Stadtbild zu sehen, und die, die zu sehen waren, waren eher dezent.“