Hamburger Amtsgericht

Wegen Hautfarbe kein Zutritt zu Disco auf dem Kiez?

Der Kameruner Oliviere Z. hat einen Kiez-Club auf 900 Euro Schmerzensgeld verklagt. Das Thema Diskriminierung in der Clubszene ist ein Dauerbrenner in vielen deutschen Städten.

Hamburg. Das „Frieda B.“ ist eine angesagte Bar am Hans-Albers-Platz. Bis zu 2000 Gäste tummeln sich nach Angaben von „Frieda B.“-Chef Tim Becker dort an „guten Wochenenden“, rund 300 müssen auf Geheiß der Türsteher aber draußen bleiben. Einer von denen, die an der Tür abgewiesen wurden, ist Oliviere Z. Der gebürtige Kameruner vermutet, dass allein seine dunkle Hautfarbe der Grund dafür war – ein klarer Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz, falls diese Vermutung zutrifft. Oliviere Z. hat deshalb Unterlassungsklage vor dem Amtsgericht eingereicht und fordert mindestens 900Euro Schmerzensgeld.

Der studierte Sozialarbeiter lebt seit Jahren in Hamburg, spricht fließend Deutsch. In der Nacht auf den 15.April 2012 habe er mit zwei weiteren dunkelhäutigen Freunden im „Frieda B.“ feiern wollen. Ihre Kleidung sei unauffällig gewesen, sie seien weder betrunken noch aggressiv aufgetreten. „Während zahlreiche Menschen mit weißer Hautfarbe eingelassen wurden, wurde uns der Eintritt verwehrt, von den Türstehern hieß es bloß: ‚Das wird heute nix.‘“ Die Abweisung habe ihn verletzt, gerade in Hamburg, dem vermeintlichen Tor zur Welt. In eine ähnliche Situation sei er Monate später wieder geraten.

Resultat eines runden Tisches waren Leitlinien gegen Diskriminierung

Damals nahm er an einem „Disco-Testing“ der Antidiskriminierungsberatung basis & woge teil. Dabei wollten Menschen unterschiedlicher Herkunft in Clubs auf dem Kiez. Ergebnis: Fünf Clubs wiesen die dunkelhäutigen Testteilnehmer ab. Auch ihn.

„Frieda B.“-Geschäftsführer Tim Becker wehrte sich vor Gericht vehement gegen den Vorwurf, seine Gäste würden wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert. Mit der Einlasskontrolle sei eine externe Firma beauftragt, die Türsteher hätten Order, aggressive und allzu betrunkene Menschen fernzuhalten, „aber gewiss nicht ausländisch aussehende Gäste“. Zumal in seiner eigenen Bar mehrere Ausländer arbeiteten.

Das Thema Diskriminierung in der Clubszene ist ein Dauerbrenner in vielen deutschen Städten, in Hamburg vor allem auf dem Kiez. Nachdem 2008 ein Jurist aus Äthiopien wegen seiner Hautfarbe von einem Club auf der Reeperbahn abgewiesen worden war, gründete sich ein runder Tisch mit Vertretern aus Politik und Gastronomie, ein Resultat war, dass der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Leitlinien gegen Diskriminierung erließ. Ihm ginge es nicht um Geld, sondern darum, dass sich in den Köpfen etwas ändere, sagt Oliviere Z. Wie der Verein basis & woge fordert er neben Schulungen ein verbindliches Regelwerk für Türsteher, anhand dessen klar wird, warum Gästen unter Umständen der Einlass verwehrt werden kann, dies jedoch keinesfalls wegen der Hautfarbe. Sollte sich „Frieda B.“-Chef Becker auf eine verbindliche „Türpolitik“ festlegen, könnte die Sache außergerichtlich gelöst werden.