Initiative für Erhalt des Turbo-Abiturs geht in Offensive

In einem Brief an Schulleitungen, Eltern und Schüler wird vor Chaos gewarnt

Hamburg. Die vor zwei Wochen gegründete Initiative für den Erhalt des achtjährigen Wegs zum Abitur am Gymnasium (G8) wird aktiv. Die Gruppe „Schulfrieden wahren. Keine neuen Reformen!“ verschickt ein Argumentationspapier per E-Mail an alle Schulleitungen, Eltern- und Schülerräte der 60 staatlichen Gymnasien und intensiviert damit die Diskussion über die Frage der Dauer bis zum Abitur.

Schulsenator Ties Rabe (SPD) hatte die Schulkonferenzen der Gymnasien aufgefordert, bis Ende Mai ein Meinungsbild zur Frage „Festhalten an G8 oder Rückkehr zu G9?“ zu erstellen. Die Volksinitiative „G9-Jetzt-HH“ fordert bekanntlich die Wiedereinführung des um ein Jahr längeren G9 mit einer Wahlmöglichkeit G8 an allen Standorten. „Es gibt viele Eltern, Lehrer und Schüler, die große Sorgen haben, dass die Folgen der Umsetzung dieser Forderung die Hamburger Schullandschaft über Jahre in ein Chaos stürzen würden“, schreiben die G8-Befürworter in ihrem Begleitbrief. „Wir haben uns daher als Gruppe zusammengeschlossen, um in einem ersten Schritt über die Folgen aufzuklären.“

In ihrem Argumentationspapier setzt sich die „Schulfrieden“-Gruppe vor allem mit der Forderung von „G9-Jetzt-HH“ auseinander, dass alle Schüler aller Klassenstufen auf dem Gymnasium zwischen beiden Wegen zum Abitur wechseln können sollen. „Jede Schule und auch jede Lehrkraft müsste alles doppelt erarbeiten, unterschiedliche Unterrichtsmodelle, unterschiedliche Leistungsmaßstäbe“, heißt es in dem Papier. Die Einführung von G9 würde den Zustrom zum Gymnasium erheblich verstärken.

Warnung vor Abwanderung von den Stadtteilschulen an die Gymnasien

„Die zu erwartende Abwanderung vieler Schüler an das Gymnasium würde viele Stadtteilschulen in ihrer Existenz bedrohen“, schreibt die Gruppe, die Prognosen der Schulbehörde zitiert, nach denen bis zu 20 der 59 Stadtteilschulen nicht mehr und bis zu 20 Gymnasien zusätzlich benötigt würden. Die für den Umbau erforderlichen Kosten können nach Behördenberechnungen bis zu 81 Millionen Euro betragen. „Diese enormen finanziellen Mittel... würden zu keinerlei Qualitätsverbesserung unserer Schulen führen“, schreiben die Autoren. Weil lediglich die Zeitdauer gestreckt würde, gäbe es „keine einzige zusätzliche Unterrichtsstunde“. Alles in allem würde die Rückkehr zu G9 „zu einer kompletten Umstrukturierung der Schullandschaft führen, enorme Kosten verursachen und über Jahre eine unzumutbare Belastung und Unruhe für alle Beteiligten bedeuten“, so die Gruppe.

Als zweiten Schritt will die Initiative Verbesserungsvorschläge aus den Schulen für das G8 veröffentlichen. „Es gibt eine wahnsinnig positive Resonanz. Es ist so, als ob wir in ein Wespennest gestochen hätten“, sagt Sprecherin Heike Heinemann. Derzeit gebe es rund 20 aktive Eltern, Schüler und Lehrer sowie rund 200 Unterstützer der Gruppe, die unter mail@schulfrieden-hh.de erreichbar ist.