Cybermobbing

Schülerin eines Eimsbüttelers Gymnasiums heimlich nackt gefilmt

Bilder einer Gymnasiastin beim Umziehen tauchten im Netz auf. Schulleiter hat Anzeige erstattet. Die betroffene Schülerin wird laut Schulleiter von der Schule betreut und erhält externe Hilfe.

Eimsbüttel. Es ist ein schwerer Fall von Cybermobbing: Eine Schülerin des Gymnasiums Kaiser-Friedrich-Ufer (KaiFu) in Eimsbüttel ist unbemerkt von einem Mädchen, das nicht auf die Schule geht, zu Hause beim Umziehen gefilmt worden, schreibt Schulleiter Andreas Rudolph an die Mitschüler, Eltern und das Kollegium. Das Schreiben liegt dem Abendblatt vor.

Der Film, der von dem minderjährigen Mädchen gemacht wurde, sei in Echtzeit auf „Facetime“ gezeigt worden. Eine weitere Person, die ebenfalls nicht zur Schulgemeinschaft gehöre, habe davon einen Screenshot gemacht und das Bild weitergeleitet, so Rudolph. Der Schulleiter räumte ein: „Leider haben unsere Befragungen ergeben, dass auch Jugendliche unserer Schule an der Weiterverbreitung beteiligt waren.“ Rudolph hat sofort reagiert und sich mit der Beratungsstelle für Gewaltprävention abgestimmt und bei der Polizei Anzeige erstattet. Die hat bereits erste Ermittlungen aufgenommen und mehrere Handys sichergestellt. Es werde geprüft, ob das Bild lediglich empfangen, mehrfach geöffnet oder tatsächlich weitergeleitet wurde, heißt es in dem Schreiben des Schulleiters weiter.

Direktor Rudolph kündigte an: „Die Schulleitung wird nicht weiterermitteln. Das ist Sache der Polizei. Für mich ist die pädagogische Begleitung und die Prävention vorrangiges Ziel.“ Sein Mitgefühl gelte dem Opfer. Die betroffene Schülerin wird laut Rudolph von der Schule betreut und erhält externe Hilfe. Erst vor Kurzem hatte Justizsenatorin Jana Schiedek (SPD) angekündigt, dass sie das Strafgesetzbuch erweitern wolle, um Cybermobbing besser bekämpfen zu können (das Abendblatt berichtete). Fast jeder fünfte Jugendliche erlebt Mobbing im Internet, haben Untersuchungen ergeben. Die SPD-Politikerin schlägt vor, Cybermobbing als eigenen Straftatbestand einzuführen. Hamburg hat das Thema für die nächste Justizministerkonferenz Ende Juni auf Rügen angemeldet.

Der Senatorin ist wichtig: „Präventionsarbeit ist und bleibt der wichtigste Ansatz, um Cybermobbing einzudämmen. Wir müssen aber auch den strafrechtlichen Schutz verbessern“, sagte Senatorin Schiedek.