Weltwassertag 2014

Darum wird das Trinkwasser in Hamburg teurer

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Der Preis für 1000 Liter Trinkwasser ist in Hamburg seit 2005 um 23 Cent gestiegen. Mit 1,72 Euro liegt der Preis über dem Bundesdurchschnitt. Am günstigsten ist das Wasser in Niedersachsen, am teuersten in der Hauptstadt Berlin.

Hamburg/Wiesbaden. Trinkwasser in Hamburg ist teurer geworden. Seit 2005 stieg der Preis für 1000 Liter von 1,49 Euro bis zum vergangenen Jahr auf 1,72 Euro. Das sind drei Cent teurer als der Bundesdurchschnitt. Am günstigen ist Trinkwasser mit 1,23 Euro in Niedersachsen. Die Berliner zahlen mit 2,17 Euro den höchsten Preis. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden anlässlich des Weltwassertages am 22. März mit.

Im Bundesdurchschnitt zahlen die Deutschen im Jahr 2013 für 1.000 Liter 1,69 Euro. Das bedeute einen mengenbezogenen Preisanstieg um acht Prozent seit 2005, als das Wasser noch 1,57 Euro kostete. Die jährliche Grundgebühr stieg im selben Zeitraum um fast 19 Prozent auf bundesweit durchschnittlich 70,98 Euro. In Hamburg lag sie bei 62,92 Euro. Im Jahr 2005 zahlten die Hamburger noch 53,88 Euro Grundgebühr.

Insgesamt weichen die Trinkwasserentgelte nach Angaben der Statistiker in den einzelnen Bundesländern teilweise erheblich vom Bundesdurchschnitt ab. Während in Niedersachsen 1,23 Euro für 1.000 Liter gezahlt wurden, gab es das höchste Trinkwasserentgelt von durchschnittlich 2,17 Euro in Berlin. Allerdings gab es hier mit 17,58 Euro zugleich die niedrigste durchschnittliche Grundgebühr. Die höchste Grundgebühr fiel in Thüringen mit 126,07 Euro an

Hamburg Wasser rechtfertigte diese Steigerung gegen über dem Abendblatt. Ein Grund für die Erhöhung der Preise seien die höheren Energiepreise. Nach eigenen Angaben sei es ein energieintensives Unternehmen. Das liege unter anderen daran, dass das Wasser in Hamburg durch Pumpen aus dem Grundwasser gewonnen werde, so ein Sprecher. Der Rückgang des Wasserverbrauches sei ein weiterer Faktor. Das Unternehmen weist zudem darauf hin, dass die Abwassergebühr konstant geblieben ist. Somit gebe es eine zusammengenommene Steigerung des Preises von nur 1,1 Prozent.

Mittelfristig wird der Preis, nach eigenen Angaben, weiter steigen. Das liege zum einen daran, dass die Hamburger sensibler mit dem Wasserverbrauch umgehen und sparen. Der Wasserverbrauch sei rückläufig. Darüberhinaus werden auf kurz oder lang auch die Energiekosten steigen. Diese müssten abgefangen werden. „Allerdings ist es unser Ziel, Steigerungen weiterhin unterhalb der allgemeinen Preissteigerungsrate zu halten“, so der Sprecher. Dies solle vor allem durch den Einsatz neuer Technologien und einer Effizienzsteigerung durchgesetzt werden.

Hamburg Wasser kritisiert den Vergleich des Bundesamts von Flächenstaaten mit Stadtstaaten. Es gebe regional sehr unterschiedliche Randbedingungen. Dazu zählen beispielsweise Höhenunterschiede im Versorgungsgebiet, Wasserverfügbarkeit, Art der Aufbereitung, Siedlungsdichte oder Industrialisierungsgrad. „Der Bau, die Instandhaltung und der Betrieb eines Verteilungnetzes in Großstädten ist nicht zu vergleichen mit einer ländlichen Region. Pauschalierende Preisvergleiche sind deshalb nicht aussagekräftig, weil sie diese Faktoren nicht einkalkulieren“, so der Sprecher. Hamburg sei als Metropole und Stadtstaat nicht beliebig mit anderen Bundesländern und schon gar nicht mit ländlichen Regionen vergleichbar.

Nach Angaben des Unternehmens, sei Hamburg beispielsweise im Vergleich mit Großstädten auf Platz drei der günstigsten Versorger.

Das durch zahlreiche Brunnen geförderte Grundwasser in Hamburg wird in 15 Wasserwerken zu Trinkwasser aufbereitet. Dabei wird insbesondere Eisen und Mangan durch Belüftung und Filtration entfernt. Eine Desinfektion des Trinkwassers mit Chlor findet im Hauptpumpwerk Rothenburgsort und dem Wasserwerk Haseldorfer Marsch statt. In den anderen Wasserwerken ist diese Desinfektion nicht erforderlich.

Informationen über die Trinkwasserqualität können Interessierte im Internet abrufen. Laut Trinkwasserverordnung müssen die Versorgungsunternehmen regelmäßig Trinkwasseruntersuchungen in den Leitungen und in den Wasserwerken durchführen. Das Ergebnis veröffentlicht die Behörde unter http://www.hamburg.de/trinkwasserportal/. Interessierte Bürger können sich so über die Qualität und Zusammensetzung des Wassers an ihrem Wohnort informieren. Sie brauchen lediglich ihre Adresse in ein Suchfeld einzugeben. Dann erfahren sie etwa, wieviel Arsen, Blei oder Calcium ihr Trinkwasser enthält. Ein Glossar, welches dort ebenfalls herunterzuladen ist, klärt über Eigenschaften dieser Stoffe und deren Grenzwerte im Trinkwasser auf. Laut Behörde ist dieses Angebot einmalig in Deutschland.

Das diesjährige Motto des Weltwassertags, der seit 1993 jährlich am 22. März stattfindet, lautet 2014 „Wasser und Energie“. Ziel des von der Unesco ausgerufenen Tages ist, auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage für die Menschheit, den Schutz der Wasservorkommen und deren nachhaltige Nutzung aufmerksam machen. Zahlreiche Verbände nutzen den Tag, um auf die schwierige Situation rund um die Wasserversorgung hinzuweisen. In Berlin wird es unter anderem eine zentrale Demonstration der Hamburger Initiative „Viva con Agua“ geben.

Die NGO ped-world und eine Hamburger Naturkosmetikfirma haben anlässlich des Weltwassertages im Hochland Tansanias vier Nebelnetze installiert. Diese Netze fangen den Nebel durch Kondensation und liefern so täglich einige hundert Liter Trinkwasser. (lem/epd)

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