Kletterhallen

In Hamburg haben Hobby-Bergsteiger besonders viel Platz

Eine Studie hat ergeben: Bei den Kletterhallen steht Hamburg mit besonders großen Anlagen bestens da. Bei Hallenspielplätzen ist Hamburg aber „unterversorgt“ und bundesweit sogar Schlusslicht.

Stellingen. Arg ungeduldig warten die Kinder an der Kasse. Während die Eltern den Eintritt bezahlen, sind die Lütten kaum noch zu bremsen. Sie wollen nur noch eines: sich mitten im Winter mal ohne Schietwetter austoben. In der Wilhelmsburger Nordwandhalle können sie meterhoch klettern, in der Niendorfer Spielstadt XXL um die Wette hüpfen und bei Pandino (Curslacker Heerweg) richtige Abenteuer erleben.

Vier solcher Hallenspielplätze gibt es derzeit in der Hansestadt. Nach Ansicht von Experten gilt diese Zahl – bezogen auf die Gesamtbevölkerung – allerdings als viel zu niedrig. Hamburg sei bei den Hallenspielplätzen „stark unterversorgt“ und bilde deshalb bundesweit das Schlusslicht, heißt es. Rein rechnerisch kommen auf eine Anlage 426.000 Einwohner. Wer hat da noch Platz zum Toben? Sieger ist dagegen Schleswig-Holstein mit nur 116.600 Einwohnern pro Indoor-Spielplatz; im Bundesdurchschnitt sind es 214.000 Einwohner.

Das hat jetzt eine bundesweite Marktanalyse der „Voto Freizeit und Spezialimmobilien Beratung GmbH“ herausgefunden, die dem Abendblatt vorliegt. In der Kategorie „Einwohner pro Anlage“ und „Einwohner unter 15 Jahren pro Anlage“ belegt Hamburg bei der Versorgung mit Hallenspielplätzen den letzten Platz im Vergleich zu den anderen Bundesländern. Auf den ersten Rängen liegen Nordrhein-Westfalen (69 Hallenspielplätze), Niedersachsen (58), Bayern (48) und Baden-Württemberg (46). Lediglich bei den Kletterhallen steht die Hansestadt bestens da: Hier gibt es durchschnittlich die größten Indoor-Kletteranlagen im Bundesvergleich.

Nach ihrem ersten Marktbericht von 2005 hatte die Hamburger Voto GmbH jetzt erneut die Indoor Sport- und Spielwelten in Deutschland unter die Lupe genommen – Hallenspielplätze, Kletter-, Soccer-, Beach- und Skatehallen. Untersucht wurden unter anderem die Versorgungssituation in den einzelnen Bundesländern, Flächen und sogar Eintrittspreise.

Mit einem neuen Boom bei Hallenspielplätzen wie in den 1990er-Jahren ist derzeit offenbar aber nicht zu rechnen. Die Obergrenze scheint in vielen Regionen erreicht. Der Studie zufolge gibt es 374 solcher Anlagen in Deutschland, die Steigerungsrate beträgt gerade mal zwei Prozent im Vergleich zu 2011. In Hamburg stagniert der Markt: Seit 2010 sind weder Eröffnungen noch Schließungen zu verzeichnen. Die Situation sei wie in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern „stabil“, schreiben die Autoren.

So sieht das auch ein Mann aus der Praxis. Achim Landvogt arbeitet als Geschäftsführer des Indoor-Spielplatzes „Rabatzz“ in der Kieler Straße und ist zugleich Vorsitzender des Verbandes Deutscher Hallenspielplätze (VDH). Er sagt: „Die Situation hat sich in Hamburg über mehrere Jahre nicht wesentlich geändert und zeugt von einem gesunden wirtschaftlichen Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage.“ Er bewertet die Marktsituation in der Metropolregion als positiv. „Zusammen mit den Einrichtungen im Umland befinden sich sogar mindestens zwölf Anlagen in der Region. Sie werden von den Gästen häufig wechselnd frequentiert.“ Neue Projekte für Hallenspielplätze seien ihm jedoch nicht bekannt. Langfristig, fügt er hinzu, können sich nur Betreiber erfolgreich auf einem Markt etablieren, die ein gutes Preis-Leistungsverhältnis anbieten. Dass der Boom solcher Freizeitanlagen vorbei ist, meint Professor Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg. „Die Zukunft der Anlagen wird nicht einfach sein. Die Anzahl der Familien nimmt nach und nach ab. Es gibt auf diesem Sektor wenige echte Innovationen und eine breite Konkurrenz von Sportvereinen bis zu den Medien.“ Dazu komme, dass eine Stadt wie Hamburg über ein sehr breites und vielfältiges Freizeitangebot verfüge. „Die jungen Hamburger genießen gerade diese Abwechslung.“

Ganz anders entwickelt sich der Markt für Kletterhallen. Derzeit werben bundesweit 332 solcher Kletterhallen um sportbegeisterte Hobby-Bergsteiger – 120 davon stehen allein in Bayern. Die Tendenz sei „noch immer steigend“, heißt es. Die Studie weist für Hamburg fünf Kletterhallen aus, die im Vergleich zu ihren Mitwerbern ganz oben rangieren.

Pro Anlage stehen den Gästen durchschnittlich 1630 Quadratmeter zur Verfügung – damit belegt die Hansestadt bundesweit Rang1. „Insgesamt gesehen scheint der Marktbesatz an Kletterfläche in Hamburg für ein nördliches Bundesland vergleichsweise gut zu sein, vor allem wenn die beiden niedersächsischen Kletteranlagen in Winsen und Buchholz in die Betrachtung einbezogen werden“, resümiert Thomas Albertin, Geschäftsführer der Vota GmbH.

Nach Ansicht von Freizeitforscher Professor Reinhardt ist das kein Zufall. Denn Indoor-Klettern boomt derzeit in fast allen Metropolen. „Dabei hat das Klettern seinen Status als Trendsportart schon lange verloren und ist zu einer Breitensportart geworden“, sagt er. Bereits in den 1990er-Jahren wurden Kletterkurse an der Uni Hamburg angeboten. Mit großer Resonanz bis heute. Denn die Studenten von damals klettern mit ihren Kindern die Nordwandhalle empor.

Gute Noten bekommt Hamburg in der Studie für die fünf Soccerhallen, deren Platzkapazität als überdurchschnittlich groß bewertet wird (bundesweit Rang 5). Nur mit der einzigen Indoor-Beachhalle (Alter Teichweg) sind die Autoren unzufrieden. Die Anlage, die Sommerfeeling mitten im Winter verspricht, verlangt den dritthöchsten Eintrittspreis im Bundesvergleich – derzeit 39 Euro pro Person.