Menschlich gesehen

Nichtstun lernen

Mehr als ein halbes Jahrhundert stand sie zu nachtschlafender Zeit auf, um sich erst an den Backofen, dann hinter die Theke zu stellen. Jetzt hat Gisela Gerads, 66, genug vom Dasein als Konditorin und Kaffeehausbetreiberin. Am Freitag schließt sie ihren Laden an der Dithmarscher Straße in Dulsberg.

„Ich möchte einfach nichts tun und endlich mein Zuhause genießen“, sagt Gerads. Ans Nichtstun muss sie sich erst gewöhnen, ihr Zuhause kennt sie aber gut: Es ist ihr Elternhaus in Ahrensburg. Nach der Volksschule begann sie im elterlichen Betrieb, der Ahrensburger Konditorei Gerads, eine Lehre. Ihr Vater wollte zunächst, dass sie Verkäuferin wird. Sie nicht. „Schließlich hatte ich schon als Schulkind gelernt, im Laden Kuchen zu verkaufen.“

Zwischen der Gesellenprüfung und der Eröffnung der Dulsberger Konditorei bekam die damals 22-Jährige ihr erstes Kind, Heiko, vier Jahre später folgte Dunja. Nachdem ihr Mann an einer Mehlallergie erkrankt war, musste sie ohne ihn arbeiten; kurz darauf ließen sie sich scheiden. „So ein anstrengender Beruf macht viel kaputt“, sagt Gisela Gerads. Doch er barg auch die Chance, den Stammkunden Günther Lange besser kennenzulernen. Vor drei Jahren haben sie geheiratet, er zog zu ihr.

Nichts tun wird Gisela Gerads nicht lange. „Ich möchte kochen lernen“, plant die Konditorin. Dazu hatte sie nie Zeit. Doch ein Zuhause lässt sich mit gutem Essen besser genießen.