Club of Hamburg

Initiative für mehr Ethik in der Wirtschaft

Thomas Straubhaar, langjähriger Chef des HWWI, und der Unternehmer Frank Breckwoldt (Ryf Friseure) gründen den Club of Hamburg. „Profitabilität und Anstand sind kein Widerspruch des unternehmerischen Verhaltens“, sagt Breckwoldt.

Hamburg. „Ungezügelte Gier und maßloses Profitstreben gelten in der Öffentlichkeit als Kennzeichen unternehmerischer Orientierung.“ Diese deutlichen Worte stehen in der ersten Broschüre des Clubs of Hamburg, der an diesem Donnerstag in der Hansestadt gegründet wird. Die Köpfe des Clubs, Thomas Straubhaar, langjähriger Chef des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), und der Unternehmer Frank Breckwoldt mit seiner Breckwoldt-Stiftung möchten eine wissenschaftliche und praktische Diskussion anstoßen: Wie kann eine ethische Marktwirtschaft aussehen, die zugleich für unternehmerischen Erfolg steht? Firmen sollen durch den Club of Hamburg auch dazu motiviert werden, fair mit ihren Mitarbeitern umzugehen. „Das beginnt beim Gehalt“, sagen Straubhaar und Breckwoldt. Es könne nicht sein, dass Menschen von der Bezahlung für ihre Arbeit nicht existieren können. Da sich ein anständiger Lohn auch für Unternehmer rechne, sei ein gesetzlicher Zwang sogar überflüssig.

„Profitabilität und Anstand sind kein Widerspruch des unternehmerischen Verhaltens“, sagt Breckwoldt. „Leistung und Menschlichkeit passen zusammen.“ Ein Jahr lang haben Straubhaar, der für die wissenschaftliche Seite des Clubs zuständig ist, und Breckwoldt, der den unternehmerischen Part übernimmt, an der Idee gearbeitet, Sponsoren und Experten gefunden. So ist die Hamburger Wissenschaftlerin Annette Kleinfeld, Expertin für Unternehmensethik und Wertemanagement, Mitglied des Teams. Christian Cordes, Hamburger Berater für Kommunikation, Nachhaltigkeit und Krisenmanagement unterstützt den Club darüber hinaus bei der Öffentlichkeitsarbeit. Auch Unternehmer aus der Stadt, darunter Volksbankchef Reiner Brüggestrat und Gerald Reiher, Hamburger Chef der Beratungsgesellschaft Deloitte and Touch, gehören zum festen Kreis des Clubs.

„Die meisten deutschen Unternehmen behandeln ihre Mitarbeiter gut, aber es gibt auch noch viele schwarze Schafe“, sagt Straubhaar. „Und diese müssen wir überzeugen, dass sie mit motivierten Mitarbeitern möglicherweise bei ihren Kunden besser ankommen und damit die Unternehmen auch mehr Geld verdienen können.“ Der Wissenschaftler vergleicht den neuen Club of Hamburg mit dem 1968 gegründeten Club of Rome. „Damals ging es um Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Der Weg dazu war lang, aber heute zweifelt kein Mensch mehr an der Wichtigkeit des ökologischen Handelns“, sagt Straubhaar. Ein ähnliches Ergebnis will er mit dem Club of Hamburg mit einem nachhaltig ethischen Verhalten in der Arbeitswelt erreichen. „Der Club soll das führende Forum für Unternehmensethik und Führungskultur im deutschsprachigen Raum werden“, sagt Breckwoldt und verweist darauf, dass in dem Gremium erstmals Wissenschaft und Wirtschaft zusammen an Ethik und Moral arbeiten.

Breckwoldt gehört die bundesweite Friseur-Kette Ryf mit rund 100 Filialen und 1000 Mitarbeitern. Zudem berät er seit Jahren mit seinem zweiten Unternehmen „Hochleistung und Menschlichkeit“ Führungskräfte großer und mittelständischer Firmen in ganz Deutschland genau zu diesem Themenbereich. Straubhaar und Breckwoldt ergänzen sich glänzend. „Anständiges unternehmerisches Handeln und betriebswirtschaftliche Ziele sind keine Gegensätze, sondern sie bereichern sich gegenseitig“, sagt Breckwoldt. „Man schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe. Wenn sich Führungskräfte anständig benehmen, entsteht dem Unternehmen ein deutlicher Mehrwert.“ Es lohne sich, anständig zu sein.

Der Club will ein Forum für Unternehmungsethik und Führungskultur aufbauen. Diese Arbeit wird auch wissenschaftlich unterlegt. „Makroökonomisch profitiert eine Gesellschaft von Unternehmen, die gemeinsam getragenen ethischen und moralischen Grundsätzen folgen. Denn so können die Transaktionskosten des Umgangs miteinander gesenkt werden“, so Straubhaar. Verhaltenssicherheit, Loyalität und Zusammengehörigkeitsgefühl würden geschaffen. Damit könnte sogar das „soziale Kapital“ einer Gesellschaft gemehrt werden. Am Ende will der Club ein Zertifizierungsverfahren für Firmen anbieten, die nach moralischen Grundsätzen handeln wollen.

Im ersten Schritt haben das HWWI und die Breckwoldt-Stiftung zu einem Essaywettbewerb aufgerufen, um eine wissenschaftlich begleitete Diskussion anzustoßen, wie eine moralische Marktwirtschaft als Voraussetzung für unternehmerischen Erfolg im 21. Jahrhundert gelingen kann.

Zudem sollen Ideenwerkstätten geschaffen werden, in denen vor allem junge Menschen darüber diskutieren, wie sie sich selbst ihre Arbeitswelt wünschen. Weitere Ideenwerkstätten behandeln Themen wie die Führung, das Marketing oder die Unternehmensethik im 21. Jahrhundert. „Wir wollen unternehmerisch Verantwortliche zusammenführen“, sagt Straubhaar. Auch junge Manager und Studierende will der Club erreichen. Schließlich können diese noch ein ganzes Berufsleben lang zum ethischen Handeln im Unternehmen beitragen.