Reeperbahn

Protest auf St. Pauli mit Kissenschlacht statt Böllerwurf

Mehrere Hundert Menschen haben auf der Reeperbahn mit einer Kissenschlacht gegen die nach ihrer Ansicht nach massiven Polizeikontrollen in den eingerichteten Gefahrengebieten demonstriert.

Hamburg. Mit einem friedlichen Protest haben mehrere Hundert Menschen am Freitag gegen die nach ihrer Ansicht massiven Polizeikontrollen in den eingerichteten Gefahrengebieten demonstriert. Auf der Reeperbahn wurde eine Kissenschlacht organisiert. Es kam zunächst zu keinen Zwischenfällen. Als Zeichen des friedlichen Protests ließen die Teilnehmer auf dem Spielbudenplatz – in der Nähe der von Randalierern attackierten Davidwache – aufgewirbelte weiße Federn statt Böller durch die Luft fliegen. Bereits in den Tagen zuvor waren Protestler mit Klobürsten als Symbole des gewaltlosen Widerstands durch die Straßen gezogen, andere hatten sich einem Fahrradkorso mit mehreren hundert Radlern angeschlossen.

Auch anderer kreativer Protest in der Hamburger Gefahrenzone geht weiter – und treibt seltsame Blüten. Nach friedlichen Spaziergängen und Fahrradtouren durch St. Pauli wird im Internet für Sonnabend, 11. Januar um 15.30 Uhr zu einem "Brushmob" aufgerufen. Mit Töpfen, Rasseln und Tröten soll auf den Paulinenplatz den Polizeisirenen eigener Krach entgegengesetzt werden. Das allerwichtigste aber ist: Es sollen Klobürsten mitgebracht werden.

Die Klobürste hat sich zum Symbol des Protests entwickelt. Im Netz kursieren bereits zahlreiche Varianten. So taucht etwa der berühmte St. Pauli-Totenkopf statt mit Knochen längst mit gekreuzten Klobürsten auf. Hintergrund ist ein Bericht in einer ARD-Nachrichtensendung vom 7. Januar, in dem ein Polizist in voller Kampfmontur einem mit erhobenen Händen an einem Bus stehenden Unbekannten eine Klobürste aus dem Hosenbund zieht. Seither gehört dieses Sanitärutensil bei vielen zur Standardausrüstung. Unter dem Motto "St. Pauli bleibt widerborstig" rufen sie dann: "Klo, Klo, Klobürsteneinsatz!"Car2go sperrt Teile seines GeschäftsgebietesDerweil hat auch das Carsharing-Unternehmen Car2go auf die Ereignisse in Hamburg reagiert. Am Freitag sperrte Car2go ein Teil seines Geschäftsgebietes in Altona rund um die Max-Brauer-Allee. Von der Julius-Leber-Straße Ecke Billrothstraße bis zur Stresemannstraße, sowie von der Harkortstraße bis zur Scheplerstraße Ecke Wohlersallee können Nutzer derzeit keine Fahrzeuge abstellen. „Wir sehen uns zu diesem Schritt gezwungen, nachdem es wiederholt zu Beschädigungen auch an unseren Wagen gekommen ist“, sagte Sprecher Andreas Leo. Die Sperrung ist zunächst unbefristet. „Sobald sich die Lage beruhigt hat, lösen wir das sofort wieder auf“, sagte Leo.