Hamburger Autovermieter

Starcar wächst rasant: eigenes Car-Sharing geplant

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Martin Kopp

Autovermieter schluckt insolventen Konkurrenten und expandiert bundesweit. Eigenes Car-Sharing für März geplant. Auch Transporter sollen dann per App reserviert werden können.

Hamburg. Der Autovermieter Starcar baut seine Marktmacht in der Hansestadt aus. Das Hamburger Unternehmen übernimmt mehrere Filialen des insolventen Konkurrenten Profi-Rent und hat sich auch dessen Namensrechte gesichert. Starcar ist mit diesem Schritt jetzt nach Sixt, Europcar und Avis der viertgrößte Anbieter in Hamburg – auf Platz fünf folgt Hertz.

Wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung war die Profi-Rent Autovermietung GmbH mit ihren sechs Filialen in Hamburg und Schleswig-Holstein Anfang Dezember in die Insolvenz gerutscht. Insgesamt 71 Beschäftigte, davon 21 feste Mitarbeiter, bangen um ihren Job. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Peter-Alexander Borchardt werde neben den zwei Filialen von Starcar eine weitere Filiale durch einen Investor weiterbetrieben. Die restlichen drei werden abgewickelt. „Erfreulicherweise haben inzwischen fast alle Mitarbeiter einen neuen Job gefunden“, sagte Borchardt.

Fünf feste Mitarbeiter und ein Auszubildender sind bei Starcar untergekommen. „Die Übernahme der anderen Standorte hätte keinen Sinn gemacht. Die sind zu nahe bei unseren Adressen“, sagt Tobias Höpfner, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter von Starcar. Zusammen mit seinem Kompagnon Maik Grabow hat er das Unternehmen Starcar vor mehr als 26 Jahren gegründet. Damals als kleiner Autovermieter von Gebrauchtfahrzeugen.

Heute betreibt das Unternehmen eine Flotte von deutlich mehr als 1000 Fahrzeugen. Rund 200 sind in diesem Jahr hinzugekommen. Denn das Unternehmen wächst weiter. „Allein in diesem Jahr sind sechs neue Filialen und 15 weitere Mitarbeiter hinzugekommen. Neben den zwei Profi-Rent-Standorten gibt es eine neue Starcar-Filiale in Osdorf, eine weitere in Köln und zwei in Frankfurt. Insgesamt verfügt das Hamburger Unternehmen mittlerweile über 24 Mietstationen. Noch vor zwei Jahren waren es 17. Vor allem in Großstädten wie Berlin, Köln und Frankfurt, aber auch in Hannover und Bremen ist das Unternehmen inzwischen mit eigenen Leihstationen vertreten. Entsprechend ist der Umsatz angestiegen. Er wuchs im gleichen Zeitraum von 20 auf 25 Millionen Euro – allein aus Mieterlösen, der Verkauf älterer Fahrzeuge ist nicht eingerechnet.

Im Wettbewerb gegen die Branchenriesen wie Europcar oder Sixt, die mehrere Hundert Verleihstationen in Deutschland betreiben, setzt der Hamburger Mittelständler auf den Erfolg seiner eigenen Preis- und Service-Strategie. „Wir sind ein Discounter und haben das ganze Jahr über die gleichen Preise“, so Höpfner. Zudem versuche man persönlicher als die großen Vermieter zu sein. „Wir bringen die Leute alle zu ihrem Auto. Eine kleine Einweisung ist bei den technischen Neuerungen, die es gibt, von vielen Kunden gewünscht.“

Eine technische Neuerung klappt hingegen nicht wie geplant: Eigentlich wollte Starcar bereits Mitte 2012 bei den Grindelhochhäusern eine Filiale für Elektrofahrzeuge eröffnen. Geplant war die derzeit größte Mietstation für E-Mobile mit 30 bis 40 Fahrzeugen. Doch das Projekt lässt noch immer auf sich warten. „Wir benötigen zum Betrieb der Station noch weiteren Parkraum für die Fahrzeuge. Dieser wurde uns vom Bezirksamt bisher nicht zur Verfügung gestellt. Ohne diesen Parkraum kann die Station von uns aber nicht betrieben werden“, sagt Höpfner. Auch in der Kundenansprache geht Starcar im Autovermietungsmarkt eigene Wege. „Wir fokussieren uns auf das kleinere und mittelständische Gewerbe und vor allem auch auf Privatkunden“, so Höpfner. Ein Smart kostet für einen Tag 26,90 Euro Miete, inklusive 100 freien Kilometern.

Zudem hat Starcar eine Vereinbarung mit diversen Autohändlern, darunter Volkswagen in Hamburg, zur Sicherung der Mobilitätsgarantie: Muss ein VW in die Werkstatt, bekommt der Besitzer einen Starcar-Mietwagen für die Dauer der Reparatur gestellt. Hinzu kommt eine relativ aggressive Werbung. Deshalb läuft das Geschäft nach Angaben seiner Chefs trotz der harten Konkurrenz gut. „Wir können uns nicht beklagen“, sagt Höpfner, der privat auf einem Bauernhof in der Nordheide lebt.

Jetzt will das Unternehmen außerhalb Hamburgs weiterwachsen. Neue Ziele sind die Städte Düsseldorf, Stuttgart und München. „Wir schreiben vierteljährlich die einschlägigen Makler an, aber es ist nicht leicht, geeignete Immobilien zu finden“, so Höpfner. Starcar siedelt sich nur an Hauptstraßen an und benötigt genügend große Stellflächen für mehrere Pkw und Lkw. „Da gibt es nicht so viele geeignete Objekte.“ Ziel sei es aber, jährlich zwei oder drei neue Stationen aufzubauen.

Ab März baut das Unternehmen sein eigenes Car-Sharing-Angebot namens Share a Starcar auf. Dabei sollen Fahrzeuge auch außerhalb der Stationen an festen Standorten in der Stadt zur Verfügung gestellt werden. Kunden können sich ihre Fahrzeuge dann per App buchen und öffnen. Darunter auch Transporter, was in der Branche eher ungewöhnlich ist.

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