Bildung

Hamburgs Grundschüler sollen besser schreiben lernen

Experten empfehlen Aus für umstrittene Lehrmethode und Vereinheitlichung an Schulen. Senator für Veränderungen. Die Bürgerschaftsfraktionen begrüßten Rabes Plan.

Hamburg. Schulsenator Ties Rabe (SPD) will die Bildungspläne überarbeiten, um den Rechtschreibunterricht zu verbessern. „Wir müssen die Bildungspläne so präzisieren, dass Lehrkräfte klarere Hinweise auf Methoden, Hilfsmittel und Unterrichtsziele bekommen“, sagte Rabe dem Abendblatt. Das Ziel: Hamburgs Grundschüler sollen besser schreiben lernen. „Wir werden auch noch einmal klarstellen, dass das richtige Schreiben von Anfang an zum Deutschunterricht dazu gehört.“ Zudem sei die umstrittene Methode „Lesen durch Schreiben“ des Reformpädagogen Jürgen Reichen nicht mit den Hamburger Bildungsplänen vereinbar.

In seinem Vorhaben bestärkt hat den Schulsenator eine Expertenanhörung zum Thema Rechtschreibung in der Schulausschusssitzung am Dienstag. Diese habe gezeigt, dass man nicht von einer Rechtschreibkatastrophe sprechen könne – wie es die FDP-Fraktion in einem Antrag formuliert hatte. Aber sehr wohl müsse der Deutschunterricht verbessert werden. Diese Meinung teilten auch die sieben Fachleute, die im Ausschuss zu Wort kamen. „Der Lehrplan muss dringend überarbeitet werden“, sagte Agi Schründer-Lenzen, Professorin für Grundschulpädagogik und -didaktik an der Universität Potsdam. Konkrete Angaben zum Rechtschreibunterricht fehlten, Zielperspektiven seien zu wenig präsent.

Einig waren sich die Experten weitestgehend auch darin, dass das richtige Schreiben von Anfang an wichtig ist und das Erlernen der Rechtschreibung allein nach dem Prinzip „Lesen durch Schreiben“ veraltet ist. Bei der Methode, die auch bei den Bildungspolitikern der Opposition in der Bürgerschaft stark in die Kritik geraten ist, dürfen die Schüler zunächst die Wörter so schreiben, wie sie sie hören – der Lehrer korrigiert die Fehler zunächst nicht. „Studien belegen, dass diese Methode zu geringeren Rechtschreibleistungen führt, vor allem bei Kindern mit Migrationshintergrund“, sagte Schründer-Lenzen und wies darauf hin, dass der Berliner Senat den Schulen empfehle, „Lesen durch Schreiben“ nicht anzuwenden. „Wer noch nach dieser Methode unterrichtet, ist sitzen geblieben“, pflichtete ihr ein Kollege bei.

Zu einem Konsens kamen die Fachleute ebenfalls beim Thema Anlauttabelle, in der jeder Buchstabe durch ein Bild illustriert wird. Dieses Mittel sei nur in den ersten Wochen ein sinnvolles Instrument für die Erstklässler, so die Pädagogen. Problematisch sei zudem, dass es an Hamburgs Schulen verschiedene Anlauttabellen gebe. Rabe kündigte daraufhin an, dass die Behörde den Schulen künftig eine einheitliche Anlauttabelle empfehlen werde.

Die Bürgerschaftsfraktionen begrüßten Rabes Plan. CDU-Bildungsexpertin Karin Prien: „Das Richtigschreiben muss wieder einen höheren Stellenwert an Schulen erhalten und stärker in die Notengebung einfließen.“ Ziel müsse sein, dass die Schüler am Ende der Klasse vier über einen gewissen Grundwortschatz verfügten. Zudem setzt sich die CDU dafür ein, dass die Anlauttabelle nur zu Beginn der Klasse eins als eines von vielen Hilfsmitteln eingesetzt werden kann. „Die Methode ‚Lesen durch Schreiben‘ hingegen muss ausdrücklich verboten werden.“

Das fordert auch die FDP-Fraktion, die bereits im Sommer in einem Antrag verbindliche methodische Vorgaben für Schulen gefordert hatte. Bildungspolitikerin Anna von Treuenfels: „Die untaugliche Methode ‚Lesen durch Schreiben‘ gehört abgeschafft.“ Stattdessen müsse der neue Bildungsplan Zeitpunkt und Methode des Lehrens und Lernens guter Rechtschreibung konkretisieren. „Es ist angesichts des Verfalls guter Rechtschreibung höchste Zeit, wenn Senator Rabe nun aufgrund unserer Initiative handeln und den Bildungsplan ändern will.“

Grünen-Schulexpertin Stefanie von Berg betonte: „Eine Patentmethode zum Schreibenlernen gibt es nicht.“ Daraus folgerte sie, dass Lehrer besser aus- und fortgebildet werden müssten. „Falsch ist die Überforderung der Lehrkräfte mit viel zu viel Unterricht im Referendariat. Wir fordern Senator Rabe auf, hier die Reißleine zu ziehen.“