Anmeldeverfahren

Vorschulkinder werden nicht mehr bevorzugt

Bei der Anmeldung an der Wunschgrundschule haben sie künftig keinen Vorrang vor anderen Kindern. Das Schulgesetz wird entsprechend geändert. Dem Elternbündnis „Wir wollen lernen“ gefällt das gar nicht.

Hamburg. Vorschulkinder werden künftig bei der Anmeldung zur Grundschule nicht mehr vorrangig berücksichtigt. Eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes will die Deputation der Schulbehörde am Mittwoch auf Vorschlag von Schulsenator Ties Rabe (SPD) beschließen. Dann geht die Vorlage in den Senat. Das Oberverwaltungsgericht hatte im Juli geurteilt, dass der Vorschulbesuch an der späteren Grundschule nicht nur als Hilfskriterium, sondern im gleichen Maße wie die Schulweglänge und Geschwisterkinder an der selben Schule herangezogen werden muss.

Nach dieser Rechtsprechung hätten alle Vorschulkinder gegenüber den Jungen und Mädchen, die im letzten Jahr vor der Einschulung eine Kita besuchen, im Anmeldeverfahren einen deutlichen Vorteil gehabt, begründet die Schulbehörde die jetzt angestoßene Gesetzesänderung. Man wolle vermeiden, dass sich die Entscheidung zwischen Vorschule und Kita an anderen Erwägungen orientiere als am Entwicklungsstand des Kindes. „Wir wollen die Gleichberechtigung zwischen den Angeboten der Vorschulen und denen der Kitas“, sagt Behördensprecher Peter Albrecht. Da der Vorschulbesuch als Kriterium schon jetzt kaum eine Rolle spiele, ändere sich in der Praxis nichts, so Albrecht. Rund 7500 Kinder besuchen die Vorschule – mit stark steigender Tendenz.

Das Elternbündnis „Wir wollen lernen“ kritisiert die Neuregelung. Wenn Senator Rabe mit seinem Vorhaben durchkomme, müssten im kommenden Sommer zahlreiche Vorschulkinder ihre Grundschule verlassen und in die erste Klasse einer anderen Schule wechseln. Rabe agiere nach dem Motto, wenn der Vorschulbesuch schon nicht nachrangig berücksichtigt werden dürfe, dann wolle man ihn eben gar nicht berücksichtigen. Hintergrund der Gesetzesänderung sei, so vermutet „Wir wollen lernen“, dass die Planungen am grünen Tisch – also Schulentwicklungsplan und starre Klassenbegrenzungen – nicht mit den tatsächlichen Anmeldewünschen zusammenpassten.