Neubau-Projekt

Autohaus Wichert investiert 35 Millionen Euro

Auto Wichert baut das größte Audi-Center für Norddeutschland. Der Autohändler mit 16 Betrieben in Hamburg und Norderstedt investiert 35 Millionen Euro in den Neubau in Langenhorn.

Hamburg. Noch liegt die Baugrube in Langenhorn offen wie ein überdimensionaler Sandkasten. Die riesige Fläche des aufgebrochenen Erdreiches an der Ecke Stockflethweg und Langenhorner Chaussee lässt aber erahnen, dass hier ein ganzer Stadtteil sein Gesicht verändern wird: Bald werden hier ein Audi-Center, einige Geschäfte, Praxen, Apotheken, ein Friseurgeschäft und ein Café die Blicke der Autofahrer auf sich ziehen, welche die Stadt in Richtung Norderstedt verlassen.

Besonders stolz war Bernd Glathe, Geschäftsführer bei Auto Wichert und Bauherr des Projekts, gestern auf die neue Präsentation von Audi am Stadtrand: „Hier entsteht auf 16.000 Quadratmetern das größte Audi-Terminal Norddeutschlands“, sagte Glathe bei der Grundsteinlegung. Der Baubeginn wurde gemeinsam mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Baugewerken gefeiert. Die Wichert-Geschäftsführer Bernd Glathe und Bernd Kußmaul begrüßten dazu auch Wayne Griffiths, Leiter Audi-Vertrieb Deutschland.

Das Audi-Terminal wird mit vier Geschossen und einer langen Schaufensterfront das Bild an der verkehrsreichen Kreuzung prägen, und diese prominente Präsentation seiner Premiummarke lässt sich Auto Wichert einiges kosten: 35 Millionen Euro investiert der Mittelständler in den Gebäudekomplex, der auch ein Gelände für einen P+R-Parkplatz umfassen wird.

Die Groß-Investition markiert einen Höhepunkt in der langjährigen Wachstumsstory des Familienunternehmens, das zu je 50 Prozent den Gesellschaftern Glathe und Kußmaul gehört. „Wir sind beide Bauchmenschen, kennen uns seit 34 Jahren und führen eine Bilderbuchpartnerschaft“, schwärmt Glathe über das Erfolgsrezept des Unternehmens, das inzwischen in 16 Betrieben in Hamburg und Norderstedt gut 900 Mitarbeiter beschäftigt und die Marken Audi, VW und Skoda verkauft.

Die Auto Wichert-Geschichte begann am 6. Dezember 1986, als Glathe und Kußmaul das Autohaus Wichert im Stockflethweg übernahmen und mit 13 Mitarbeitern starteten. Die Aufgabenteilung habe sich von Anfang an aus den unterschiedlichen Charakteren der Eigentümer ergeben, erzählt Glathe: „Ich selber bin eher der Vertriebler, krempel die Ärmel hoch und gehe raus zum Kunden, mein Partner ist dagegen der Finanzmensch.“ Zum 20-jährigen Bestehen 2006 hatte Wichert schon mehr als 300 Beschäftigte. 2007 übernahmen Glathe und Kußmaul die Walter Köster Kraftfahrzeughandel GmbH & Co, KG, 2009 kauften sie die KG Junge und führten die 24-Stunden Tag & Nacht-Reparatur ein. „Damit bieten wir insbesondere den gewerblichen Kunden einen besonderen Service und lasten unsere Werkstatt optimal aus“, sagt Glathe. Im Frühling 2012 eröffnete die Firma im Bornkampsweg Norddeutschlands größtes VW-Nutzfahrzeug Center und nahm Skoda-Neuwagen in das Marken-Portfolio auf.

Im laufenden Jahr ist die Investition in das Bauprojekt in Langenhorn nicht die einzige große Ausgabe bei Wichert. Auch die Kunden des Standorts in der Holsteiner Chaussee werden demnächst in einem Neubau auf 7000 Quadratmetern bedient. Zudem übernahm die Gruppe die Fritz Noack + Sohn in Schnelsen. Bis Mitte 2015 will Glathe noch einmal 100 neue Mitarbeiter einstellen. Im laufenden Jahr rechnet der Inhaber mit 7000 verkauften Neufahrzeugen, 8500 gehandelten Gebrauchtwagen und 180.000 Werkstattdurchgängen an allen Standorten.

Die Übernahmewelle, die Wichert so stark hat wachsen lassen, ist typisch für die Kfz-Branche, die durch ihr kapitalintensives Geschäft, Rabattschlachten und zurückhaltende Käufer schwierige Zeiten durchgemacht hat. Viele kleinere Firmen rechnen sich nicht mehr, zuletzt ist etwa VW Russmeyer in Trittau in finanzielle Schwierigkeiten geraten. „Man muss die entscheidende Größe haben, um Synergieeffekte zu nutzen“, sagt Glathe. „Vor 20 Jahren hatten wir in Hamburg noch 20 verschiedene VW-Händler und ein Dutzend BMW-Autohäuser“, ergänzt Martin Rumpff, Geschäftsführer des Verbands des Hamburger Kfz-Gewerbes. Nun beherrschten nur noch Gruppen und die Niederlassungen der Hersteller den Autohandel in Großstädten. Große Hamburger Autohäuser, die sich noch in Familienhand befinden und einen Wachstumskurs steuern, sind Dello und VW Tiedtke. Die Dello-Unternehmensgruppe, der weltweit größte Opel-Einzelhändler, ist inzwischen an mehr als 30 Standorten in Norddeutschland vertreten und expandiert weiter. Der VW-Händler Tiedtke mit 300 Mitarbeitern und fünf Standorten in der Region hat kürzlich ein neues Audi-Center am Friedrich-Ebert-Damm eröffnet. Die Firma hat hier allein in die Autoausstellung vier Millionen Euro investiert, sagte Inhaber Alexander Tiedtke.

Mercedes hat in Hamburg aktuell 40 Millionen Euro in diverse Umbaumaßnahmen investiert, der Stuttgarter Konzern modernisierte die Standorte an der Kollaustraße und am Friedrich-Ebert-Damm. Vor einigen Monaten eröffnete BMW an der Rahlstedter Straße in Barsbüttel sein neues Gebrauchtwagenzentrum. Dort präsentiert der bayerische Hersteller die nach eigener Aussage größte Auswahl Norddeutschlands an gebrauchten Automobilen.