USA-Reise

Gute Perspektiven für Hamburger Firmen in den USA

Die Hamburger Delegation reist von York weiter nach Boston. Wirtschaftssenator Frank Horch ist beeindruckt davon, wie die Ostküstenmetropole ihre Zukunft gestaltet und Rückschläge überwindet.

New York City. Manhattan meint es gut mit Hamburg. Am blauen Himmel schweben wenige weiße Wolken, der Autoverkehr fließt leidlich, die Gespräche der Hamburger Wirtschaftsdelegation dafür umso besser. Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) steht an Bord einer Fähre, die von der Südspitze der Stadt zum Bayonne Golf Club auf einer Insel im Hafen fährt. Dort trifft die Delegation Schifffahrtsmanager, deren Unternehmen in New York Büros unterhalten, was praktisch jede große Reederei tut.

Über alle anderen Wolkenkratzer hinaus ragt das One World Trade Center auf, das an der Stelle der am 11. September 2001 zerstörten Twin Towers gebaut wurde. Vor dem Schiff nähert sich die Freiheitsstatue. „Zweierlei hat mich hier besonders beeindruckt“, sagt Horch, „Der Optimismus und Tatendrang, mit denen New York immer wieder nach vorn geht. Und die intensive Förderung junger, kreativer Unternehmer in privaten und städtischen Netzwerken.“

Etliche Termine hat die Delegation, die in New York zeitweise rund 60 Mitglieder zählte, von Mittwoch bis Sonnabend in der Stadt geführt, Kontakte geknüpft, Kooperationen vereinbart, Einladungen an amerikanische Geschäftsleute und Politiker zu Gegenbesuchen an der Elbe ausgesprochen. Am Sonntag geht die Reise zunächst weiter nach Boston, in der kommenden Woche ins kanadische Montreal. Bei einer kleinen Konferenz am Freitagmorgen im Hotel der Delegation berichteten deutsche Repräsentanten in New York wie etwa Sven Oehme, Unternehmensberater und einer der weltweit ehrenamtlich tätigen Hamburg Ambassadors, über die wirtschaftliche Lage in den USA. „Es ist sehr wichtig, dass Hamburg hier vor Ort Präsenz zeigt“, sagte er. „Die Wirtschaft in den USA verändert sich derzeit sehr schnell.“

Er nannte den Erdgasboom als Beispiel, die Erschließung großer Gasreservoirs mithilfe der in Deutschland umstrittenen Fracking-Technologie. Im Jahr 2006 habe ein Kubikmeter Erdgas in den USA durchschnittlich 13 Dollar gekostet, derzeit seien es vier Dollar. „Günstige Energie – das gilt hier für Erdgas wie auch für Strom – zieht energieintensive Unternehmen aus aller Welt in die Vereinigten Staaten. Es stärkt zugleich die amerikanische Industrie.“ Trotz des Erdgasbooms werde auch die Nutzung der Windkraft weiter stark ausgebaut, besonders an den Küsten sowie in den windreichen Gebieten im Zentrum der USA. All das verspricht auch Hamburger Unternehmen gute Perspektiven für Investitionen. Rund 1000 Unternehmen mit Sitz in Hamburg sind derzeit in den USA aktiv, 120 US-Firmen haben ihren Sitz an der Elbe. „Wir wollen hier in verschiedenen Branchen möglichst frühzeitig ins Gespräch kommen, um zu erfahren, was unsere Unternehmen in den USA künftig beitragen können“, sagte Horch.

New York bietet dafür das denkbar breiteste Spektrum. An der Peripherie der Stadt sitzen zahlreiche Industrieunternehmen. Der Hafen von New York und New Jersey soll modernisiert werden. Vor allem aber fördert die Regierung von Bürgermeister Michael Bloomberg intensiv die Ansiedlung von Hochtechnologieunternehmen und neuer Medien. Damit soll die riskante Abhängigkeit von der Finanzwirtschaft sinken. Bis zu 40 Prozent des Steueraufkommens in New York City steuerte vor der Finanzmarktkrise die Wall Street bei. „New York erfindet sich ständig neu“, hatte Carlton Vann der Hamburger Delegation mit auf den Weg gegeben, der verantwortliche Manager für Außenwirtschaft im Stab des Bürgermeisters.

Und New York baut sich immer wieder auf. Ende Oktober 2012 suchte Hurrikan „Sandy“ die Stadt heim und richtete immense Schäden an. 375.000 Menschen ließ Bürgermeister Bloomberg zeitweise aus dem südlichen Manhattan evakuieren. Von den Verwüstungen durch Sturm und Flutwellen ist nichts mehr zu sehen. Die Großbaustelle der verschiedenen neuen Gebäude am World Trade Center wiederum lässt auf den ersten Blick nicht erahnen, dass sich hier vor zwölf Jahren eine der größten Katastrophen in der Geschichte der USA ereignet hat, ein Terroranschlag, den die Stadt nie vergessen wird. Eine feige Attacke allerdings auch, die New York letztlich stärker macht. Als die Rückfahrt vom Bayonne Golf Club zu Ende geht, glänzen die Glasfassaden des One World Trade Centers in der Sonne. Das neue Wahrzeichen der Stadt ist höher als die beiden alten Türme. Und noch majestätischer.