Studie

Beim Schulleistungsvergleich liegt Hamburg hinten

Hamburger Schüler schneiden im Bundesvergleich in Mathematik und Naturwissenschaften unterdurchschnittlich schlecht ab. Auch bei Förderung von Kindern aus bildungsfernen Schichten liegt Hamburg hinten

Berlin/Hamburg. Bei Schulvergleichen lagen in Mathematik und Naturwissenschaften bisher meist die süddeutschen Bundesländer vorn. Diesmal erweisen sich ostdeutsche Schüler als weitaus leistungsstärker als die meisten ihrer westdeutschen Altersgenossen. Das geht nach Informationen aus dem neuen Schulleistungsvergleich der Bundesländer hervor. Der neue Schulleistungsvergleich wird an diesem Freitag offiziell von der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin vorgestellt. An dem neuen Schultest hatten sich über 44.000 Schüler aus den neunten Klassen aller Schulformen beteiligt.

Hamburg schneidet in dem neuen Schulleistungsvergleich nicht besonders gut ab. In allen getesteten Bereichen befinden sich Hamburger Schüler gemeinsam mit Schülern aus Bremen und Nordrhein- Westfalen signifikant unterhalb des gesamtdeutschen Mittelwerts. Niedersachsen liegt im Bundesdurchschnitt.

Auch im Fach Mathematik wiesen Hamburger Schüler nur unterdurchschnittliche Kompetenzstände auf. Absoluter Spitzenreiter ist hier Sachsen mit 536 Punkten, gefolgt von Thüringen (521) und Brandenburg (518). Schlusslicht hingegen ist Bremen mit 471 Punkten. Ein Unterschied von 25 bis 30 Punkten entspricht in etwa dem Lernfortschritt eines Schuljahres. Sächsische Schüler der 9. Klasse sind damit ihren Bremer Altersgenossen rund zwei Schuljahre voraus.

Ähnlich düster sieht die Bilanz für Hamburger Schüler in den Naturwissenschaften Chemie, Biologie und Physik aus. Auch hier liegt der Osten mit Spitzenreiter Sachsen wieder vorne. In Chemie und Biologie landet Hamburg im Bundesvergleich auf dem drittletzten Platz, in Physik sogar auf dem vorletzten. Bremen ist auch hier häufig Schlusslicht.

Die Studie belegt zudem erneut die extrem hohe Abhängigkeit von Schulerfolg und sozialer Herkunft in Deutschland. Bundesweit erreichen laut den Ergebnissen Schüler aus sozial besser gestellten Familien in Mathematik im Durchschnitt 82 Punkte mehr als Jugendliche aus sozial schwächer gestellten Familien. „Dies entspricht einem Leistungsvorsprung von fast drei Schuljahren zugunsten der Schülerinnen und Schüler mit einem hohen Sozialstatus“, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Auswertung.

Bei der Förderung von Kindern aus bildungsfernen Schichten tun sich in den Naturwissenschaften besonders Rheinland-Pfalz (Physik) und Sachsen (Biologie) hervor, während die Abhängigkeit von Herkunft und Schulerfolg in diesen Fächern besonders in Hamburg und Bremen überdeutlich wird. In Niedersachsen hingegen sind diese Unterschiede besonders gering ausgeprägt. In Mathematik werden die Leistungsunterschiede zwischen Kindern aus Akademikerfamilien und bildungsferneren Schichten besonders in Brandenburg deutlich.

Mitarbeiter des ländereigenen Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Berliner Humboldt-Universität hatten für den Schulleistungsvergleich im Mai und Juni 2012 mehr als 1300 Schulen im gesamten Bundesgebiet besucht. Neben den Tests wurden auch Interviews mit Schülern, Fachlehrern und Schulleitern zur Lernsituation gemacht.

Basis für die Aufgaben waren die von den Kultusministern für alle Bundesländer verbindlich eingeführten Bildungsstandards. Sie beschreiben, was ein Schüler am Ende einer Jahrgangsstufe können soll und gelten für Lehrer als pädagogische Zielvorgabe. Damit wurden die alten, in den Bundesländern unterschiedlichen Lehrpläne an den Schulen abgelöst.