Alte Leitungen

50.000 Hamburger haben zu viel Blei im Trinkwasser

Der Mieterverein warnt vor Gesundheitsrisiken durch alte Bleirohre. In vielen Hamburger Haushalten liegen die Werte über den neuen Grenzwerten, die ab Dezember gelten. Eigentümer sollen Rohre sanieren.

Hamburg. Es ist eine Gesundheitsgefahr, die viele unterschätzen: Rund 50.000 Hamburger konsumieren regelmäßig Leitungswasser, das nach den neuen Grenzwerten zu viel Blei enthält. Davor hat der Mieterverein zu Hamburg gewarnt. „Einige Mieter nehmen das Risiko bewusst in Kauf, andere jedoch wissen noch gar nichts von den Gefahren“, sagt der Geschäftsführer des Mietervereins, Siegmund Chychla.

Nach der neuen Trinkwasserverordnung, die am 1. Dezember in Kraft tritt, darf der Bleigehalt im Trinkwasser nur noch 10 Mikrogramm pro Liter betragen. Ursache für die oft erhöhten Werte sind alte Bleirohre, die in Hamburger Häusern bis zu Beginn der 1970er-Jahre eingebaut wurden.

Gesundheitliche Schäden drohen insbesondere Säuglingen, Kleinkindern und Embryonen. Weil Blei ein toxisches Schwermetall ist, kann es nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg das Gehirn schädigen und die Intelligenzentwicklung stören. Auch bei Erwachsenen kann das Nervengift Symptome von Müdigkeit, Kopfschmerzen, aber auch Gewichtsverlust auslösen. Bleihaltiges Trinkwasser fließt vor allem in den Altbauquartieren (Baujahr 1890 bis 1947). Zwar haben dort die meisten Großvermieter das Leitungssystem in den vergangenen Jahren grundlegend saniert. „Aber in vielen Häusern mit nur wenigen Mietern ist noch nicht viel passiert. Dort besteht die größte Gefahr“, sagt Chychla.

Der Verein rät Mietern, ihren Vermietern eine Frist zu setzen. Bis dahin sollen die Eigentümer eine Versicherung abgeben, dass das angezapfte Trinkwasser den neuen Grenzwerten entspricht. Im Falle einer Überschreitung ist der Vermieter verpflichtet, die Bleirohre auszutauschen. „Wer seinen Mietern vorsätzlich oder fahrlässig belastetes Trinkwasser zur Verfügung stellt, begeht eine Ordnungswidrigkeit“, warnt Heinrich Stüven, Vorsitzender des Grundeigentümerverbandes. Dann drohen Bußgelder.

Um ganz sicher zu sein, können Mieter den Bleigehalt ihres Wassers untersuchen lassen. Die Kosten bei Hamburg Wasser betragen rund 20 Euro. Die Behörde für Verbraucherschutz will im Oktober eine Informationskampagne starten. In einem geplanten Faltblatt heißt es: „Trinken Sie grundsätzlich nur frisches Wasser. Lassen Sie dazu das Wasser ablaufen, bis es gleichmäßig kalt aus der Leitung fließt.“ Dadurch werde die Bleikonzentration gesenkt.