Beim Stoltzenberg-Skandal starb 1979 ein elfjähriger Junge

Hamburg. Im Altlastenhinweiskataster der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt werden fortlaufend Informationen über mögliche Verunreinigungen von Grundstücken erfasst. Bereits seit 1979 werden in der Hansestadt kontaminierte Flächen bestimmt, von denen gesundheitliche Gefahren für die Anwohner ausgehen können. Schließlich haben Jahrzehnte industrieller Entwicklung ohne ausreichende Umweltschutzmaßnahmen und die Kriegsereignisse ihre Spuren im Boden hinterlassen, heißt es in der Behörde.

Nicht vergleichbar mit der Wandsbeker Industrieruine einer Lackfabrik ist der sogenannte Stoltzenberg-Skandal. 1979 kam der elfjährige Oliver Ludwig durch eine Explosion beim Spielen mit Chemikalien ums Leben. Tonnenweise lagerten Nervengas und Nitroglycerin auf dem unzureichend gesicherten Gelände der Hamburger Firma Stoltzenberg. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss musste sich mit den Vorgängen befassen. Zu weiteren Skandalen führten auch die Dioxinfunde auf dem Gelände der Firma Boehringer-Ingelheim in Moorfleet und in Georgswerder. Das Unternehmen hatte 1952 unter anderem das Pflanzenschutzmittel Lindan hergestellt. Hunderte Arbeiter erkrankten, viele starben an Dioxin. Chemikalien wurden im Grundwasser gefunden. Die Firma produzierte noch 1983 weiter.

Mehr noch: Ein Schock für die Bewohner der Billesiedlung Georgswerder war es, als unter ihren Häusern in den 1990er-Jahren Dioxin gefunden wurde. Die gesundheitliche Bewertung aller Untersuchungsergebnisse zeigte 1990/91, dass für Arsen, Cadmium und Dioxin die Anforderungen an eine gesundheitliche Vorsorge nicht erfüllt werden. Die Böden waren daher nicht uneingeschränkt nutzbar, insbesondere für spielende Kinder, für den Anbau von Nahrungspflanzen oder für das Halten und Verzehren von Kleinvieh. Die Bewohner der Billesiedlung hatten im Glauben, dass der Boden besonders fruchtbar sei, ihre Gärten auf Altspülfeldern angelegt.